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Flugsicherheit : Windräder stören Radar nicht mehr

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nato-Flugplatz Hohn wendet als erster Luftwaffen-Stützpunkt „Flight Manager“-System an / Rotoren können von dort aus gebremst werden

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 19:10 Uhr

Gelungene Premiere auf dem Nato-Flugplatz Hohn: Seit gestern können Soldaten des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 per Knopfdruck auf Windkraftanlagen in der Umgebung zugreifen. Immer dann, wenn die Rotoren den Radarstrahl des Flugplatzes stören, werden sie kurzerhand gebremst. Die Technik dazu hat die Firma „Windenergie und Flugsicherheit“ entwickelt, eine Tochter der Denker und Wulf AG aus Sehestedt.

Damit ist der Flugplatz des LTG 63 bundesweit der erste, der das System anwendet. Der offiziellen Inbetriebnahme gestern ist eine lange Pilotprojekt-Phase vorangegangen, während der die Soldaten das System im täglichen Betrieb auf Basis einer Simulation getestet haben (wir berichteten). Nun ist es fester Bestandteil des Arbeitsprozesses der Flugsicherungssoldaten.

Damit ist ein entscheidender Konflikt zwischen Windenergie-Ausbau und Flugsicherheit überwunden: Denn die Luftwaffe konnte dem Bau vieler Windräder im Umfeld ihrer Flugplätze in der Vergangenheit nicht zustimmen, weil die Anlagen den Radarstrahl im schlimmsten Fall reflektiert hätten. Maschinen im Anflug darüber oder dahinter wären für die Fluglotsen auf dem Radarschirm damit unsichtbar. Nun können störende Windräder direkt von den Fluglotsen gebremst werden, damit sie sich langsamer drehen und somit das Radar nicht mehr stören.

Auf diese Weise ist es laut dem Vorstandsvorsitzenden von Denker und Wulf, Torsten Levsen, möglich, mehr Windkraftanlagen aufzustellen. Denn für die Flugsicherheit sei es bislang darauf angekommen, dass die Windräder nicht zu eng beieinander stehen. Mit der neuen „Flight Manager“-Technik können die Lücken nun gefüllt werden. Zwei Anlagen bei Schülldorf und Lütjenwestedt seien bereits hinzugekommen, die bislang nicht möglich waren. Insgesamt erlaube es der Einsatz des neuen Systems, in dem 40 mal 50 Kilometer großen Gebiet um den Hohner Flugplatz etwa 40 zusätzliche Windräder aufzustellen. Torsten Levsen bezeichnete das gestern als großen Vorteil für Windenergie-Betreiber. „Im schlechtesten Fall stehen die betroffenen Anlagen zwischen drei und fünf Prozent der üblichen Betriebszeit nicht zur Verfügung“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Da es sich jedoch nur um einzelne Anlagen handele, die jeweils Teile ganzer Windparks sind, relativiere sich der Verlust.

Die Windräder sind über das Internet mit dem Radarraum verbunden. Sobald das nicht gewährleistet ist, werden sie ganz abgeschaltet. Das gewährleistet das Computerprogramm, dessen Entwicklung laut Levsen allein schon eine Viertelmillion Euro gekostet hat. Die Rechnung für den Betrieb geht direkt an die Windpark-Betreiber, die Bundeswehr muss nichts bezahlen. Aus Sicht der Luftwaffe ist die Kooperation mit der Firma ein „Entgegenkommen an die Region“, wie es der LTG-Kommodore Oberst Hartmut Zitzewitz gestern ausdrückte. Die Bundeswehr verschließe sich nicht den erneuerbaren Energien. Im Gegenteil, nun seien Windräder deutlich näher am Flugplatz möglich, sagte der Kommodore.

 

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