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Windkraft : Windparkplanungen auf der Zielgeraden

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein Zwischenstand der Planung auf drei Windkrafteignungsflächen in Schwansen (Loose-Waabs, Rieseby und Holzdorf). Auf der Holzdorfer Fläche laufen seit dem Sommer 2013 Seeadlerbeobachtungen, sie dauern noch an.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 06:00 Uhr

15 Windkraftanlagen mit Höhen von bis zu 200 Meter könnten in wenigen Jahren auf der Halbinsel Schwansen stehen. Drei Windkrafteignungsflächen befinden sich derzeit in der Planungsphase. Am vermutlich weitesten gediehen sind die Planungen für sechs Windkraftanlagen im Bereich Loose-Waabs, erklärt Norbert Jordan, Leiter der Bauabteilung im Amt Schlei-Ostsee.

Der Startschuss zur Überplanung der Flächen  fiel im Dezember  2012, als die Bereiche als Windkrafteignungsflächen im modifizierten Regionalplan des Landes veröffentlicht wurden. Dafür gemeldet waren die Flächen bereits ab etwa Ende 2009, als das Land die Gemeinden nach Eignungsflächen für Windkraft fragte, berichte Jordan.

Jetzt, vier Jahre später, seien die Planungen für den Windpark Loose-Waabs mit etwa 52 Hektar soweit gediehen, dass vermutlich im März die Gemeindevertretungen über dann zwei neu ausgearbeitete städtebauliche Vertragsentwürfe beraten können, schätzt Jordan. Im Frühjahr 2013 waren die Gespräche der damaligen Partner  für den Windpark untereinander beendet worden (wir berichteten).

 Seit dem Spätsommer, so Jordan, arbeite man nun aber wieder am selben Ziel, allerdings jetzt mit zwei  Projektträgern. „Wir sind auf der Zielgeraden, auch wenn noch Details fehlen und etwas Feinabstimmung nötig ist“, sagt der Bauamtsleiter.   Wenn die Gemeinden  ihre Ideen in den städtebaulichen Verträgen, die inhaltlich abgestimmt sind, wiederfinden und sie beschließen, dann liege es an den Vorhabenträgern, Bauanträge  für sechs Anlagen bis 150 Meter Höhe zu stellen.  Und erst wenn diese  grünes Licht bekommen, würden die Verträge   unterzeichnet. Theoretisch könnte Ende 2014 mit dem Bau begonnen werden. An der Möglichkeit für Bürger, sich finanziell an den Anlagen zu beteiligen, habe sich wohl nichts geändert, so Jordan. In welcher Form sei aber noch offen. Die Empfehlung des Looser  Bauausschusses im Sommer 2013 zur Aufstellung einer F-Planänderung  als auch einer Änderung des B-Plans könne unberücksichtigt stehen bleiben, stellt Jordan fest. Es sei ja kein Gemeindevertreterbeschluss gefasst worden. Je nachdem, wie das Verfahren nun weiterläuft, könnte die Empfehlung aufgehoben  oder aber die Bauleitplanung fortgesetzt werden.

Fast ebenso weit gediehen ist die Planung für den Windpark in Rieseby nörd-östlich Saxtorf. Auch dort gibt es zwei Vorhabenträger, der eine plant vier Anlagen auf rund 76 Hektar, der andere zwei Anlagen auf rund 14,5 Hektar, mit Höhen um die 200 Meter. Die Vorarbeiten für dieses Verfahren seien deutlich zeitaufwendiger gewesen, so Jordan. Besonders die Betrachtung der Turbulenzen der Anlagen untereinander sei sehr intensiv gewesen, und auch die Wahrung der Abstandsflächen  habe viel Zeit benötigt, bevor die Standorte feststanden. „Bevor man den Bürgern konkrete Standorte nennt, muss alles  geprüft sein“, so Jordan. Bereits im Dezember fanden eine frühzeitige Bürgerbeteiligung und eine Einwohnerversammlung statt (wir berichteten). Anregungen von dort wurden bereits ins Verfahren  eingepflegt. Die Träger öffentlicher Belange werden vermutlich noch im Januar oder Februar in der frühzeitigen Beteiligung informiert. Parallel dazu werden weitere Gutachten erstellt, die dann alle in Entwürfe eines B-Plans und F-Plans einfließen. Über den Sommer könnten die Entwürfe öffentlich ausgelegt werden, so Jordan zu einem möglichen Zeitplan. Nach Einarbeitung und Abwägung der dazu eingegangenen Stellungnahmen könnte im Herbst ein Satzungsbeschluss in der Gemeindevertretung gefasst werden. Das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz folge dann und könne weitere drei Monate dauern. Rein theoretisch könnten dann Anfang 2015 die Bauanträge gestellt werden.

Das Verfahren in Holzdorf für eine rund 29 Hektar große Fläche nordwestlich Gut Maasleben  für drei Windkraftanlagen um die 150 Meter Höhe ruht. Nach dem Aufstellungsbeschluss der Gemeindevertretung zur Änderung des F-Plans im Rahmen einer Bauleitplanung wurden die weiteren Schritte im Januar 2013 eingestellt. Seit 2010 brütet ein Seeadlerpaar im Einzugsbereich der Fläche. Ein drei Kilometer Schutzradius  um den Horst würde in die Windparkfläche hineinragen.  Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hatte  die Vorhabenträger, das Unternehmen Prokon,  aufgefordert, über einen rund dreijährigen Beobachtungszeitraum  nachzuweisen, dass der Horst und die Vögel nicht beeinträchtigt werden.  Ohne Nachweis könne eine Zustimmung nicht erfolgen, hieß es.  In dem Zeitraum müssten alle Lebensbedingungen der Tiere ermittelt werden, um mögliche Beeinträchtigungen der Großgreifvögel abschätzen zu können, erklärte Jordan. Liege das Ergebnis vor, könne über  weitere Schritte nachgedacht werden.

Seit  dem Sommer 2013 laufen die Untersuchungen der Biologen, berichtet auf Nachfrage der EZ Christoph Rosengarten, Projektentwickler bei Prokon.  Ein Hauptkriterium des LLUR, dass es einen Bruterfolg des Seeadlerpaares geben müsse, wurde erfüllt. So konnten die Biologen 2013 zwei junge Seeadler und die Elterntiere bei der Nahrungssuche und Flugübungen beobachten, alles sei dokumentiert worden, ergänzt Rosentreter.  Prokon gehe davon aus, dass sie bereits nach einem Jahr Beobachtungszeitraum ihre Ergebnisse in einem Gutachten dem LLUR vorlegen können, da das Hauptkriterium Bruterfolg erfüllt wurde, erläutert der Projektentwickler.  Die Entscheidung falle aber erst, wenn auch die noch ausstehenden Beobachtungen erfolgten und ausgewertet wurden. In jedem Fall wolle das Unternehmen die Planung und das Projekt vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion über das Unternehmen   fortsetzten, so der Prokon-Mitarbeiter.

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