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Eckernförder Zeitung

13. Dezember 2017 | 10:22 Uhr

Windkraft : Windpark statt Paradies vor der Tür

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Holzdorfer Paar will Bürger und Anlieger über den Windpark Rieseby aufklären. Eine lose Interessengruppe aus Bürgern und Anliegern hat sich gebildet und will sich auf die öffentliche Beteiligungsmöglichkeit vorbereiten.

von
erstellt am 24.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Holzdorf | Sie wollten Ruhe und Natur haben und zogen vor rund zweieinhalb Jahren aus Hamburg nach Holzdorf, wo sie einen alten Hof erwarben. Wenn alle Pläne umgesetzt werden, dann  könnten Gertraut und Günter Koch in wenigen Jahren auf sechs Windkraftanlagen mit rund 200 Meter Höhe im Windpark Rieseby blicken. Kochs wohnen in Wettstein, der Fuß der nächsten Windkraftanlage wäre nicht mal 700 Meter entfernt von ihrem Haus.

Wie ihnen geht es zahlreichen Bürgern, sagen sie. Gleich nachdem bei der Einwohnerversammlung in Rieseby Mitte Dezember die Standorte der Anlagen bekannt gegeben wurden, regte sich bei ihnen Unbehagen. Zuhause schauten sie auf die Karte und stellten fest, dass ihr Haus nur wenige hundert Meter nördlich der Windräder liegt. Mit  Schattenschlag und auch Schall müssen sie rechnen, sagen sie.

 Bei Gesprächen mit Nachbarn und Mitbürgern stellten Kochs schnell fest, dass viele kaum etwas über das Vorhaben wussten, oder wenn, „dann war ihnen nie die Dimension und Größe der Anlagen bekannt“, sagt Gertraut Koch. Statt ihr Paradies  mit Hunden und Hühnern  in der Natur zu genießen, entwarfen sie ein  einfaches Infoblatt. Darauf stellten sie in Kürze den Stand der Dinge vor,  stellten ein Foto einer vergleichbaren Windkraftanlage des Typs Enercon E-126, wie sie im Hamburger Hafen in Altenwerder seit 2008 steht dazu, und verteilten das Blatt.  „Da waren die allermeisten platt und überrascht“, berichtet  die 59-Jährige.  So imposant hatte sich  das kaum einer vorgestellt, ergänzt Günter Koch (62), viele waren erschrocken, so wie  sie. Wenn Kochs aus ihrem Küchenfenster schauen, sehen sie am Horizont einen Hochspannungsmast. Er misst  gut 40 Meter Höhe schätzen sie. Die geplanten Anlagen des Typs Enercon E-126 und E-101 ragen vier- bis fünfmal so hoch in den Himmel. „Das sind Industrieanlagen“, sagen Kochs.

Seit Ende Dezember recherchieren die beiden manchmal stundenlang im Internet, um sich zu informieren. Auf immer neue Informationen stoßen sie, die sie festhalten und für eine weitere Bürgerinformation aufbereiten. „Wir wollen, dass sich die Bürger informieren und wissen, was kommt“, sagt Günter Koch.  Zugleich suchen sie nach Möglichkeiten, um das Verfahren im Rahmen der Bürgerbeteiligung zu begleiten und, wenn möglich, auch etwas zu verändern.  „Wenn die Anlagen erst mal stehen, dann stehen sie, dann ist kaum noch was möglich“, stellt Günter Koch fest. Verhindern könnten sie den Bau eh nicht mehr. Daher gelte es jetzt die Bürger zu informieren und zur Beteiligung zu ermutigen. „Wir werden sicherlich eine Stellungnahme abgeben“, sagt Gertraut Koch bestimmt. Details werden sie in einer losen Gruppe von Bürgern aus der Umgebung beraten. Noch treffe man sich unregelmäßig und auch mit wechselnder Beteiligung von etwa fünf und einem Dutzend Personen, aber es sei mehr möglich, verraten sie.

Kritisch begleitet auch Dirk Piening aus Rieseby das Projekt des Windparks. Er ist viel in der Natur unterwegs und dokumentiert mit der Kamera   Tiere und Vögel im Bereich des Windparks, bevor es zu spät ist, wie er sagt. Auch er arbeitet an einer Stellungnahme, möchte aber noch nicht über Details berichten.

Auch in Loose wird der Riesebyer Windpark gut sichtbar sein. „Von uns sind es nur rund 1500 Meter“, berichtet Karsten Schäfer, der in Loose Au wohnt.  Er wünschte sich mehr Informationen über die Windparkvorhaben, nicht nur des Riesebyers sondern auch des Looser Parks. Er ist Hobbyfotograf und liebt die hügelige und schöne Landschaft in Schwansen. 200 Meter hohe Windkraftanlagen passten da nicht hin. Verhindern wolle er die Anlagen nicht, aber die Bürger müssten mehr informiert werden.

Infos zum Windpark Rieseby unter www.amt-schlei-ostsee.de unter Rieseby, Windpark Rieseby. Kontakt zu Gertraut und Günter Koch per E-Mail an columbus1954@yahoo.de oder Tel. 04352/95 63 61 8.

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