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Lärmschutz : Windpark-Anwohner genervt vom Lärm

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Anwohner aus Harzhof, Harfe und Hohenlieth sind die Belästigung durch Windräder leid / Gemeinde soll Anlagenbetreiber zum Handeln auffordern

von
erstellt am 27.Mär.2015 | 06:00 Uhr

„Viele Bürger sind zwischen die Mühlen geraten“, sagte Dr. Olaf Sass am Mittwochabend auf der Gemeinderatssitzung in Holtsee. Der Hohenliether nutzte die Einwohnerfragestunde, um das Ergebnis einer Bürgerbefragung in den Außenbereichen der Gemeindevertretung zu präsentieren. Angesichts der beiden Windparks in Hohenholm und Holtsee-Altenhof fühlten er und viele andere sich massiv gestört von den 150 bis 180 Meter hohen 3,2-Megawatt-Anlagen ringsherum.

Über 90 der selbst erstellten Fragebögen haben er sowie seine Mitstreiterinnen Sabine Höhl und Susanne Kirchhof in den vergangenen Wochen zurückbekommen. Bei der Auswertung habe sich herausgestellt, dass es nicht nur wenige direkte Anlieger seien, die der Schattenwurf und der Schall zusetze. Selbst bei Anwohnern in Häusern in Entfernungen von 1400 Metern. Es komme zu Dröhnen, Vibrationen und Schwingungen in den Schlaf- und Wohnräumen.

„Hauptstörfaktor ist der Lärm“, sagte Sass, der zu Beginn der Sitzung Bürgermeister Jens-Peter Frank (SPD) die Fragebögen überreichte. „Es gleicht einem Düsenjet, der neben einem startet“, bestätigte Sabine Schumann. Nachts komme man nicht in den Schlaf, die Kinder wachten auf, berichtete sie. Birgit Sass sagte auf Nachfrage der Eckernförde Zeitung, dass drei große Glasscheiben ihres Hauses zersprungen seien, vermutlich zurückzuführen auf die Schwingungen.

„Wir Anwohner im Außenbereich haben die gleichen Bedürfnisse hinsichtlich Ruhe und Unversehrtheit, wie Anwohner im Ortskern“, betonte Sass. Es sei nicht einzusehen, dass sie dauerhaft einem höheren Lärmpegel ausgesetzt werden. Man fürchte um die eigene Gesundheit. Viele Betroffenen würden zudem einen massiven Wertverlust ihrer Immobilien befürchten. Die attraktive Lage des Dorfes in bislang unberührter Natur habe immens gelitten.

Die Straßen der Gemeinde rund um den Windpark seien durch den Schwerlastverkehr belastet, die Straße Strijord sei zerstört. Eine Wiederherstellung habe trotz mehrmaliger Nachfrage bei der Gemeinde und dem Verursacher bisher nicht stattgefunden.

„Die Gemeindevertretung hat offensichtlich nicht im Sinne aller Holtseer Bürger gehandelt, als sie für die Ausweisung von Windeignungsflächen gestimmt hat“, kritisierte Sass. Er forderte die Gemeinde abschließend auf, sich dringend dafür einzusetzen, dass die ursprüngliche Lebensqualität in Holtsee zumindest in Teilen wieder hergestellt werde.

Bürgermeister Jens-Peter Frank teilte mit, dass er regelmäßig in Kontakt mit der Firma Denker & Wulf stehe und versichertem, erneut das Gespräch mit dem Windparkentwickler zu suchen. Dabei solle es unter anderem um die Wiederherstellung der Straße Strijord geben, die die Firma schon im vergangenen Jahr angekündigt hätte. Aber auch um die temporäre Abschaltung von Windkraftanlagen solle es dann gehen. „Wir müssen jetzt energischer werden“, so Frank. Auch Christoph Hannemann (CDU) kritisierte das Verhalten der Sehestedter Firma: „Beim Aufbau der Windräder waren sie schnell, jetzt lassen sie alles schleifen.“

In punkto Toleranzgrenzen sagte Frank, dass der Gemeinde eine mehrseitige Stellungnahme Denker & Wulfs vorläge. Darin heiße es, Messungen durch unabhängige Gutachter hätten ergäben, dass Lärmgrenzwerte nicht überschritten wurden. So ganz wollten Sass und Co. dem keinen Glauben schenken, zweifelten die Unabhängigkeit der Gutachter an. Der Auf- und Abbau der Geräte sei teilweise in einer Nacht- und Nebelaktion erfolgt. Aussagen zu den Messungen hätte es nicht gegeben – von Transparenz keine Spur.

Denker & Wulf-Geschäftsführer Thorsten Levsen bedauert, immer wieder zu den Vorwürfen Stellung nehmen zu müssen. Dabei bestreite er keinesfalls, dass die Windräder Geräusche produzieren und dass Familie Sass aufgrund ihrer Nähe zu den Mühlen genau an den Grenzwerten lägen. „Die Windkraftanlagen sind immer wieder gemessen worden“, betonte er gestern auf Zeitungsnachfrage. Alle Messungen basierten auf den Richtlinien der FGW (Fördergesellschaft Windenergie), die Ergebnisse wurden und werden dem Landesamt für Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt (LLUR) vorgelegt. „Wir haben weit mehr Untersuchungen und Messungen vorgenommen, als eigentlich erforderlich“, so Levsen. Schließlich sei es auch im Interesse seines Unternehmens, dass der Hersteller der Anlagen die Garantie für die Emissionsgrenzen einhalte.

Was die Sanierung der Straße Strijord betrifft, wollte sich Levsen gegenüber unserer Zeitung nicht abschließend äußern. Nur so viel: „Der Schwerlastverkehr fuhr über das Gut Altenhof.“ Sollte seine Firma aber Schaden angerichtet haben, werde der natürlich behoben.

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