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Eckernförder Zeitung

24. November 2017 | 01:24 Uhr

Windkraft : Windkraftflächen auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schwansener Gemeinden liegt Gutachten als Basis für mögliche Stellungnahme zur Windkraftnutzung vor / Beratungen in den Gemeindegremien folgen

von
erstellt am 26.Mai.2016 | 06:53 Uhr

Eckernförde | Das Land Schleswig-Holstein will die Windkraft ausbauen. Auf der Halbinsel Schwansen sieht der aktuelle Entwurfsstand des Regionalplans, den die Landesplanung und die Staatskanzlei im März vorstellten, insgesamt rund 1000 Hektar potentielle Windkrafteignungsflächen vor. Landesweit liegt die Quote noch bei 3,9 Prozent der Landesfläche, die in weiteren Schritten auf gut zwei Prozent der Landesfläche sinken soll. Im Rahmen einer frühzeitigen Beteiligung können Gemeinden noch bis 31. Mai eine Stellungnahme dazu abgeben, damit die Eingaben noch Berücksichtigung finden im nächsten Entwurf, der im Sommer vorliegen soll, erklärt Gunnar Bock, Amtsdirektor Amt Schlei-Ostsee.

Um fundierte Stellungnahmen abgeben zu können, haben die Gemeinden Damp, Dörphof, Kosel, Loose, Rieseby, Thumby und Waabs gemeinsam das Büro „OLAF“ aus Wester-Ohrstedt mit der Darstellung und Gewichtung der Abwägungskriterien zur Windnutzung beauftragt. Das Gutachten liegt nun vor und kann in den Gemeinden als Baustein für eine Stellungnahme im Verfahren dienen. „Jede Gemeinde wird mit den Unterlagen anders umgehen“, sagt Bock. Während in Kosel, Damp, Thumby, Dörphof und Rieseby noch vor dem 31. Mai beraten wird, sei dies in Loose und Waabs nicht möglich. Dennoch werde das Amt die Stellungnahme auch für diese Gemeinden vorsorglich der Landesplanung, vorbehaltlich eines späteren Beschlusses der Gemeindevertretung, übermitteln, erklärt Bock.

In seiner Ausarbeitung hat das Büro nach Anwendung verschiedener Abwägungskriterien die denkbare Fläche für Windkraft in Schwansen von etwa 1000 auf rund 255 Hektar reduziert. Das wären bei einer Amtsfläche von circa 30  000 Hektar weniger als ein Prozent, wie Bock feststellt. Das Ergebnis basiere auf der Abwägung und Anwendung gültiger rechtlicher Vorgaben des Landes, erklärt Bock. Ob die Landesplanung dem folge oder anders abwäge, das müsse sich im weiteren Verfahren zeigen.

Die mögliche Reduzierung der Windeignungsflächen gehe einher mit der Bildung von Windeignungsclustern, wie das Büro feststellt. So könnten nach ihrer Abwägung drei mögliche Restflächen für die Windkraftnutzung bestehen bleiben. Eine Fläche westlich Damp/nördlich Grünholz, eine Fläche östlich von Loose und eine Fläche östlich von Rieseby.

Das Büro hat bestehende Abwägungskriterien zu weichen Tabukriterien hochgestuft und diese auf die bekannten elf Entwurfsflächen angewendet. So wurden betrachtet:

>Landschaftsschutzgebiete

> 800 Meter Abstand zu planerisch festgelegten Siedlungsflächen und 400 Meter zu planerisch verfestigten Gewerbeflächenausweisungen

> Regionale Grünzüge der Ordnungsräume

>Dichtezentren für Seeadler

>Abstandspuffer von 30 bis 100 Meter um Wälder

>Schwerpunktbereiche und wichtige Verbundachsen des Schutzgebiets- und Biotopverbundsystems

>Hoch- und Höchstspannnungsleitungen ab 110 kV mit Abstandspuffer

Darüber hinaus werden die besondere Bedeutung von Stadt- und Umlandbereichen im ländlichen Raum berücksichtigt. Zugleich wird eine mögliche Umzingelung und Ringbildung um Siedlungen durch Windkraftanlagen betrachtet. Gewichtet wird von dem Büro auch die Bedeutung der Region für den Tourismus an Schlei und Ostsee sowie die Belange des Denkmalschutzes. Als weiteres Kriterium wird die vorhandene Kapazität des Stromleitungsnetzes zum möglichen Abtransport des produzierten Stroms untersucht. So sei es sinnvoll, Windkraft vordringlich dort zu planen, wo noch Aufnahmekapazitäten im Netz vorhanden seien, ohne zusätzlich Infrastruktur bauen zu müssen, stellt das Büro fest. Abgewogen wurden auch die Bedeutung von Naturparken und des charakteristischen Landschaftsraumes vor dem Hintergrund, dass die Region bislang relativ unbelastet mit Windkraft sei. Die Betrachtung von Hauptachsen des überregionalen Vogelflugs trage vor allem in drei Kilometer breiten Streifen südlich der Schlei und entlang der Ostseeküste dazu bei, dass dort Windkraft nicht optimal sei, schreibt das Büro OLAF. Ebenfalls berücksichtigt das Büro 1200 Meter breite Schutzstreifen um bekannte EU-Vogelschutzgebiete.

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