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tiefer riss : Windkraft spaltet Dorf und Gemeinschaft

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bis zum Bürgerentscheid in Rieseby sind es noch 26 Tage. Schärfe und Polemik nehmen in der Diskussion um das Thema Windpark Saxtorf zu

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erstellt am 03.Feb.2015 | 07:56 Uhr

Jeden Tag ein neues Flugblatt im Postkasten mit sich teil widersprechenden Inhalten oder Verunglimpfungen des jeweils anderen Lagers; Interviewer, die im Auftrag des Meinungsforschungsinstituts Infratest-dimap eine Umfrage durchführten; ständige mediale Aufmerksamkeit auf die Gemeinde – der Riesebyer Bürger kommt in diesen Tagen nicht zur Ruhe. Noch 26 Tage bis zum Bürgerentscheid am Sonntag, 1. März. An diesem Tag haben 2188 stimmberechtigte Riesebyer die Möglichkeit, über eine Begrenzung der Höhe der sechs geplanten Windenergieanlagen abzustimmen. Hintergrund des Bürgerentscheids ist die Absicht der Vorhabenträger, im Windpark Saxtorf sechs Windmühlen mit einer Höhe von 200 Metern zu errichten. Ein Vorhaben, das die Gemeinde spaltet.

Seit über fünf Jahren beschäftigt sich Rieseby mit dem Thema Windenergie. Erstmals im Mai 2009, als der Kreis eine Anfrage stellte. Konkreter wurde es 2012, als das Land den Regionalplan fortschrieb. Die Vorhabenträger sind die Bürgerbeteiligung Saxtorf-Wind (BSW) GmbH mit Sitz in Rieseby ist ein Tochterunternehmen der LV-Energie Projekte GmbH, Visbek - eine Firma der Familie Lamping – und die Plan 8 GmbH mit Sitz in Eckernförde.

Der Bürgerentscheid rückt näher – die Töne werden schärfer. So bezeichnet Frank Dreves, Fraktionsvorsitzender der WGR, die Umfrage von Infratest-dimap in einer Pressemitteilung als den „Versuch einer Beeinflussung“ und fragt sich, ob „die Gemeindekasse die Kosten dafür bezahlt“, oder ob „die Investoren den Bürgermeister beziehungsweise seinen Brief“ bezahlen.

Auch Frank Frühling, Vertreter der Bürgerinitiative, kritisiert die Umfrage. „Über die wahren Beweggründe können wir nur spekulieren. Eine Einbeziehung der Bürger in die laufende Diskussion wird es unserer Meinung nach nicht sein“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Hartmut Schmidt, Fraktionsvorsitzender der CDU, sieht mittlerweile eine Spaltung in der Gemeinde, die sich zusehends vertieft: „Das tut dem Dorf nicht gut“, so Schmidt. Persönliche Angriffe und Polemik halte er spätestens seit dem OVG-Urteil zum Regionalplan für überflüssig. „Die Karten werden durch das Urteil neu gemischt“, so Schmidt.

Am Sonntag, 15. Februar, veranstalten die Fraktionen der SPD, der Grünen und des SSW in der Sporthalle, 15.30 bis 17.30 Uhr, eine Podiumsdiskussion zum Thema Windpark Saxtorf. „Ich persönlich interessiere mich für die Menschen, die sich informieren wollen“, erklärt Heino Stüve, SPD-Fraktionsvorsitzender sein Plädoyer für die Podiumsdiskussion – auch wenn Befürworter und Gegner „sich unversöhnlich gegenüber stehen. Es geht ein Riss durch die Gemeinde“, so Stüve. Ein Riss, der das Dorf politisch spalte. Er hoffe beim Bürgerentscheid auf eine gute Wahlbeteiligung, um ein breites Meinungsspektrum zu erhalten. „Wir können ein weiteres Zumüllen unserer Briefkästen nicht wollen“, sagt Stüve.

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