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Demonstration : Windkraft – Schwansen wehrt sich

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rund 400 Teilnehmer protestieren am Ostersonnabend in Waabs gegen 50 geplante Windkraftanlagen.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 06:45 Uhr

Waabs | Schon von Weitem waren die Losungen des Tages zu hören: „Für viele Taler und Dukaten woll’n sie unser Land verraten“ oder „Wer Natur und Menschen quält, der wird von uns abgewählt“ skandierten die rund 400 Teilnehmer, die sich am Ostersonnabend am Sportheim Waabs zu einer friedlichen Demonstration gegen die geplanten Windkraftanlagen in Schwansen zusammengefunden hatten. Etwa 50 neue Anlagen sollen in Schwansen entstehen und das durchaus nicht immer mit der Zustimmung der Bürger. Die Bürgermeister der Gemeinden Brodersby, Barkelsby, Damp, Dörphof, Karby, Loose und Waabs stellten sich daher an die Spitze des Demonstrationszuges, der vom Sportheim bis zur Mühle Waabs führte, wo er mit einer emotionalen Abschlusskundgebung endete.

Die angemeldete Demonstration war bestens vorbereitet, zahlreiche Ordner wie Barbara Dittmann aus Waabs zeigten ihr Engagement bei der Organisation und Durchführung. „Ich bin dagegen, immer einfach von den Politikern nur vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden“, sagte sie.

Bereits im Vorfeld betonte Dr. Susanne Kirchhof, Vorsitzende des Landesverbandes „Für Mensch und Natur – Gegenwind Schleswig-Holstein“ gegenüber der EZ: „Für uns ist das positive Feedback aus der Bevölkerung wichtig, und so freuen wir uns, dass wir bereits jetzt mehr als die Hälfte der erforderlichen Unterschriften für unsere Volksinitiativen verzeichnen können.“ Sie verwies auf die regelmäßigen Aktionen und Informationsveranstaltungen: „Die nächste Veranstaltung ist am Sonnabend, 22. April, im Wissenschaftszentrum Kiel mit dem 3. Windkraftsymposium geplant. Interessierte Bürger erhalten hier die Möglichkeit, mit Politikern der im Landtag vertretenen Fraktionen über Energiewende und Windkraft auf Augenhöhe zu diskutieren.“ In ihrer kämpferischen Rede zum Abschluss der Demonstration griff sie dieses Thema nochmals auf und ermahnte die Landesregierung, unter dem eigenen Wahlkampf-Motto „Mehr Gerechtigkeit für alle“ auch mit den Menschen und der Natur entsprechend gerechter zu verfahren.

Im doppelten Sinne dem Wind zum Trotz hatten sich die Demonstrationsteilnehmer vor der Mühle Waabs eingefunden. Der Bürgermeister der Gemeinde Waabs, Udo Steinacker, formulierte den Protest der Teilnehmer wie folgt: „50 geplante Windräder in Schwansen – das ist zu viel“ und begründete diese Aussage: „Der Erfolg der Windenergie hängt ganz allein von einer Speichermöglichkeit des Stroms ab, diese ist langfristig nicht in Sicht – daher brauchen wir keine neuen, zusätzlichen Windkraftanlagen.“ Er hatte selbst am wind-starken Demonstrationstag festgestellt, dass die in Loose stehenden Windräder wieder einmal aufgrund der fehlenden Speicherkapazität still standen.

Dipl.-Ingenieur Rupert Rompel aus Schönhagen steuerte in seiner Ansprache konkrete Fakten aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und eine fundierte Kosten-Nutzen-Rechnung bei.

Aus Dithmarschen angereist, berichtete spontan Rolf Mehlmann von seinem „Leben mit den Windrädern“ – den gesundheitlichen Problemen, dem Wertverlust seiner Immobilie oder der Zerstörung der Landschaft in seiner Umgebung. Er erntete dafür großen Beifall der Kundgebungsteilnehmer, die Ähnliches für ihre eigene Zukunft befürchten.

Frank Dreves, Vorsitzender des Ortsverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Eckernförder Bucht und des Vereins für den Seeadlerschutz, führte ganz andere Argumente in seiner Rede an. Er verwies anhand einer Studie auf den starken Rückgang des Tourismus, den entsprechend hohen Verlust von Arbeitsplätzen in vergleichbaren Gemeinden Süddeutschlands und die ernsthafte Bedrohung von seltenen Tierarten wie Seeadler, Fledermäuse oder Kranichen.

Abschließend dankte Heiko Starck, einer der Organisatoren der Demonstration, den Bürgern und Bürgermeistern der Gemeinden begeistert mit den Worten: „Und vergesst nicht, Schwansen ist überall!“

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