zur Navigation springen

Windkraft : Windkraft – kritische Auseinandersetzung mit der erneuerbaren Energie

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gut besuchte Informationsveranstaltung der AG Windparks Schwansen vor rund 200 Zuhörern im Carls / 2000 Unterschriften aus der Region Eckernförder Bucht

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2017 | 06:42 Uhr

Eckernförde | „Wer die Ziele der Bundesregierung, Ausstieg aus der Atomenergie, Senkung von CO2 und Senkung der Kosten erreichen will, der wird das nur mit Wind und nicht gegen Wind erreichen“, formulierte Ministerpräsident Thorsten Albig im Januar 2014 seine Sicht zur Planung und Errichtung der Windkraftanlagen. Dem stimmen längst nicht alle zu, am wenigsten die von der Realisierung dieser Pläne betroffenen Bürger. Dementsprechend gut besucht war die jetzt von der AG Windparks Schwansen organisierte Info-Veranstaltung im Carls. Mehr als 200 Interessierte wollten die Vorträgen der drei geladenen Referenten Dr. Susanne Kirchhof, Dipl.-Ing. Rupert Rompel und Dipl.-Ing. David Helmbold hören.

In Schleswig-Holstein gibt es einige windkraftkritische Bürgerinitiativen, die sich im Landesverband „Für Mensch und Natur – Gegenwind Schleswig-Holstein“ zusammengeschlossen haben und über Unterschriftensammlungen für Volksinitiativen ihre Rechte einfordern. Die Vorsitzende des Landesverbandes, Dr. Susanne Kirchhof aus Holtsee, ist selbst von der Nähe einer Windkraftanlage betroffen. Sie sagte der EZ: „Windkraft allein ist keine Alternative, wenn Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.“ Sie berichtete von ihren Erfahrungen mit den Windrädern: „Wenn man aufgrund der ständigen Rotorgeräusche selbst nicht schlafen kann, ist das noch erträglich. Aber wenn das eigene, kleine Kind darunter leidet und nachts keine Ruhe findet, bringt einen das zur Verzweiflung.“ Mit ihrer Organisation und den in die Wege geleiteten Volksinitiativen kämpft sie um größere Abstände der Windriesen zu Wohnhäusern und ein Mitspracherecht der betroffenen Menschen bei der Ausweisung von Flächen für Windkraftanlagen.

Mit seinem Faktencheck zur Wirtschaftlichkeit der Windkraftpolitik überzeugte Rupert Rompel aus Schönhagen die Zuhörer. Er beschäftigt sich seit 40 Jahren mit dem Thema Energietechnik und projizierte seine Ausführungen zu den Kosten für die Windkraftenergie und die Entwicklung des Stromhandels durch verschiedene tabellarische Originalvorlagen der Bundesnetzagentur auf die Leinwand. Sein Fazit: In Schleswig-Holstein wären viel weniger Leistung und eine geringere Landesfläche für Windräder erforderlich, der Windkraft-Ausbau könnte bereits jetzt eingestellt werden. Dafür gab es stürmischen Beifall.

In der Pause berichtete eine Vertretung aus der Gemeinde Warringholz, Kreis Steinburg, der EZ: „In unserem kleinen Ort waren etwa 30 Windkraftanlagen geplant. Bereits 2009 haben wir die Gemeinderatsmitglieder aktiviert und erstmals komplett gegen die geplanten Windräder gestimmt – mit Erfolg“. Heute ist das Amt Schenefeld vorerst aus der Planung für neue Windkraftanlagen gestrichen.

Mit einem Vortrag von David Helmbold aus Schwedeneck ging es weiter. Der Luft- und Raumfahrttechniker verwies kritisch auf den Widerspruch bei der Preisentwicklung von CO2-Zertifikaten. „Der Windstrom trägt dazu bei, dass der CO2-Preis entgegen jeder marktwirtschaftlichen Vernunft immer weiter sinkt.“ Aus seiner Sicht sei die „Speichertechnologie alles, wenn es darum geht, die Probleme der Windkraft zu lösen, derzeit ist die Speichertechnologie überhaupt nicht vorhanden und wird auch in den nächsten zehn Jahren aufgrund fehlender Forschung und Entwicklung nicht ausreichend sein.“

Mit ihren Erläuterungen zur Schallemission und entstehenden gesundheitlichen Problemen übernahm noch einmal Susanne Kirchhof das Podium. „Der Landesregierung ist bekannt, dass das Verfahren zur Messung der Schallimmission nicht richtig ist.“ Mit den Volksinitiativen wolle der Landesverband neben größeren Abständen und dem Mitspracherecht von Betroffenen auch eine geringere Höhe der Windräder und eine nächtliche Abschaltung erreichen.

Unter starkem Beifall und „Bravo“-Rufen aus dem Publikum nahm Kirchhof 2000 Unterschriften aus der Region Eckernförder Bucht für ihre Initiative entgegen.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen