Schwansen : Windkraft im Seeadler-Revier?

Dirk Piening ist Jagdbegleiter im Zentrum von Schwansen. Er mag sich kaum vorstellen, wie es aussähe, wenn hinter dem kleinen Wäldchen eine der bis zu 198 Meter hohen Windkraftanlagen stehen würde. Foto: Steinmetz
1 von 3
Dirk Piening ist Jagdbegleiter im Zentrum von Schwansen. Er mag sich kaum vorstellen, wie es aussähe, wenn hinter dem kleinen Wäldchen eine der bis zu 198 Meter hohen Windkraftanlagen stehen würde. Foto: Steinmetz

Sollen sich Rotoren drehen oder nicht? Ein Jäger möchte Bürger für die Dimension von möglichen Windkraftanlagen im Herzen der Halbinsel Schwansen sensibilisieren.

Avatar_shz von
06. Juli 2012, 10:01 Uhr

Schwansen | Seeadler, Kraniche, Wiesenweihen und Kolkraben - die Liste der Großvögel, die am Himmel von Schwansen ihr Revier haben und auch mit zahlreichen Brutpaaren jährlich für die Arterhaltung sorgen, ist lang. Sie müssen sich den Himmel vielleicht schon bald mit 150 bis 198 Meter (3,2 bis etwa 7,5 Megawatt) hoch in den Himmel ragenden Windkraftanlagen modernster Bauart teilen.
Solche Anlagen könnten bald im Herzen der Halbinsel Schwansen Realität werden, wenn es nach dem Willen der Landesregierung, von Gemeindegremien und verfügbaren Investoren geht. Möglich macht dies die Fortschreibung des Regionalplans zur Windkrafteignung, zu der in den letzten Wochen alle Gemeinden erneut Stellung beziehen mussten.
Rieseby und Thumby sind nicht mit aufgenommen
In Schwansen sieht der Entwurf des Innenministeriums Eignungsflächen in Holzdorf von 29 Hektar und in Loose von rund 47 Hektar vor. Nicht im Entwurf aufgenommen ist eine Fläche von etwa 48 Hektar, die die Gemeinde Rieseby gerne aufgenommen sähe, sowie eine Fläche von etwa 46 Hektar in Thumby, berichtet Norbert Jordan, Leiter Abteilung Bauen in der Amtsverwaltung Schlei-Ostsee. Im ersten Entwurf des Regionalplans war Schwansen Ausschlussgebiet, da es flächendeckend als "charakteristischer Landschaftsraum" eingestuft wurde. Im neuen Entwurf ist davon das Gebiet zwischen Thumby im Norden, Rieseby im Westen, Barkelsby im Süden und westlich der L26 ausgenommen.
"Gut 50 Kilometer weit sind diese Anlagen zu sehen", hat Dirk Piening aus Rieseby ausgerechnet. Piening ist seit drei Jahren Reviergänger im zentralen Schwansen. Kaum vorstellbar sei für ihn die Vorstellung, dass mehrere solcher Windkraftanlagen möglicherweise in der Mitte Schwansens die Reviere und Rückzugsgebiete von Seeadlern und Kranichen zerteilen - mehr noch, mit den geringen Drehzahlen ihrer zwischen 60 und 70 Meter im Radius messenden Rotoren zur tödlichen Gefahr für die Greifer werden. Aber auch ganze Landschaftszüge, die jetzt eine naturräumliche Einheit mit vielen vernetzten Strukturen bilden, würden durch den Bau der Zufahrten zum Bau der Kolosse und den späteren Betrieb stark beeinträchtigt, sagt Piening. Er sei neulich mit seinen Dackeln Bienchen und Karlchen durch das Revier gestreift und sei sich dort der Dimension des möglichen Eingriffs in die Natur bewusst geworden.
"Ich möchte die Bürger sensibilisieren"
Er habe die Beratungen in den Gemeindegremien zu den Windeignungsflächen verfolgt, und dabei festgestellt, dass kaum über die Auswirkungen solcher Anlagen oder ihre Dimension gesprochen wurde. "Ich möchte die Bürger sensibilisieren", sagt Piening. Der Argumentation, Strom aus alternativen Quellen gewinnen zu müssen, um den Ausstieg aus der Atomkraft zu schaffen, könne er im Grunde folgen. Aber aus seiner Sicht sei man jetzt technisch noch nicht soweit, der Verbrauch und die Beeinträchtigung an Landschaft viel zu hoch. Durch Stromverzicht und durch sparsameren Umgang mit Strom könnte die Zeit überbrückt werden, bis alternative Energie noch effektiver nutzbar seien, meint Piening. Hinzu komme, dass der Abtransport des durch Wind erzeugten Stroms durch noch fehlende Stromtrassen nicht optimal sei. Jetzt Hals über Kopf solche Anlagen zu errichten, die, wenn sie einmal stehen, möglicherweise rechtliche Grundlagen schaffen für zukünftig vielleicht noch größere Anlagen, sei vielleicht vorschnell. "Ich möchte anregen, darüber nachzudenken, ob Windkraft so gewollt ist, mehr nicht", sagt Piening.
Über die Dimension solcher Anlagen informierten sich zahlreiche Gemeindevertreter aus Loose und Rieseby bei einer Fahrt nach Aurich, wo ein bedeutender Anlagenbauer ansässig ist. "Ja, wir haben uns die Größen angeschaut", bestätigt Riesebys Bürgermeister Johann Kempe. Und auch Erich Leupold, zweiter Stellvertretender Bürgermeister aus Loose, bestätigt die Informationsfahrt. Dabei hätten sie sich auch über Schattenwurf und Geräuschentwicklung informiert, teilt er auf Nachfrage der Eckernförder Zeitung mit. "Je höher die Anlagen sind, desto langsamer drehen die Rotoren und geringer wird die Geräuschentwicklung", berichtet er.
Ob auf den im Regionalplan aufgenommenen Windeignungsflächen Windkraftanlagen errichtet werden, das muss nach Beschluss des Planes durch die Landesregierung in den Gemeindegremien durch Bauleitplanung, möglicherweise durch städtebauliche Verträge, beschlossen werden, erklärt Jordan.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen