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PRAKTIKUM FÜR FLÜCHTLINGE : Willkommensgruß der Wirtschaft an Geflüchtete

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Firma punker bietet ein sozial-integratives Praktikum für Flüchtlinge an. Alle 22 Auszubildende sind Paten von Praktikanten.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 04:51 Uhr

Hochspezialisierte Montagegeräte in der Fertigungshalle der Firma punker, die wie von Zauberhand Ventilatorlaufräder oder Querstromventilatoren herstellen, beeindrucken Ambesajur Desale Asfaw. „So viel Technologie – solche Maschinen haben wir in Afrika nicht“, sagt er, „bei uns macht man alles mit der Hand.“ Der 34-Jährige ist einer von sieben Flüchtlingen, die im Rahmen eines Azubi-Projekts „p³ punker Praktikanten Programm“ ein zweiwöchiges Praktikum in dem Betrieb absolvieren.

Praktikanten sind bei punker keine Seltenheit, doch dieses Projekt zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Jeder der 22 Auszubildenden übernimmt eine Patenschaft für einen Flüchtling und begleitet ihn während der zwei Wochen.

Ambesajur Desales Pate ist Christoph Jürgensen. Der 21-Jährige ist Industriekaufmann im ersten Lehrjahr. Persönlichen Kontakt zu Flüchtlingen hatte der Auszubildende bislang noch nicht. „Ich möchte, dass Ambesajur Desale auch das Menschliche in unserem Betrieb miterlebt, deswegen finde ich Begegnungen wichtig“, so der 21-Jährige. Damit entspricht er genau den Erwartungen von Personalleiter Felix Hegmann, der das Integrationsprojekt als „Willkommensgruß der mittelständischen Wirtschaft für geflüchtete Menschen“ sieht. Genauso wichtig sei aber für ihn, dass alle Mitarbeiter bei punker den eigenen Erfahrungshorizont erweitern und ihre Sensibilität für das Thema Integration schärfen. Anfragen von der Deutschen Angestellten Akademie Kiel (DAA) und der UTS Eckernförde nach Praktika für Flüchtlinge brachten Hegmann auf die Idee des Azubi-Projekts. Großen Anteil an der Vorbereitung und der Organisation hat Jannik Pick, Azubi zum Industriekaufmann im ersten Lehrjahr. „Mir fallen tausend Fragen ein, die ich stellen möchte“, sagt der 19-Jährige, „was die Flüchtlinge vorher in ihren Heimatländern beruflich gemacht haben oder wie sich der Arbeitsalltag hier von dem in der Heimat unterscheidet.“ Er ist Pate von Nosheirwan Omar. Der 30-Jährige ist aus Syrien geflüchtet. Omar hat einen Bachelor in Materialwissenschaften und Ingenieurswesen an der Fakultät in Aleppo erworben und sieht seine berufliche Zukunft als Ingenieur im Bereich der Planung und Entwicklung.

Gestern Morgen begrüßten Personalleiter Felix Hegmann sowie die Ausbildungsleiter Svenja Wriedt und Joachim Peetz die neuen Praktikanten aus Eritrea, Syrien und Russland. Diese lernten ihre Paten kennen. Nach kurzen Informationen über die Firma ging es nach einer Sicherheitsunterweisung auf einen Rundgang durch die verschiedenen Hallen. Ambesajur Desale Asfaw war von den Montageautomaten in der Fertigungshalle oder in der Teilefertigung sehr beeindruckt. Trotzdem geht der Berufswunsch des 34-Jährigen in eine andere Richtung: „Ich möchte Gabelstapler fahren“, verrät er. Die theoretische Prüfung hat er schon bestanden, die praktische erfolgt Ende Mai. „Wir haben ihn extra im Lager eingesetzt, damit er sieht, wie das funktioniert, obwohl er selbst noch nicht fahren darf“, sagt sein Pate Christoph.

Heute früh um 8 Uhr beginnt für die Praktikanten der erste richtige Arbeitstag bei punker. Um alle Mitarbeiter an den Erfahrungen teilhaben zu lassen, verfasst jeder Azubi gemeinsam mit seinem Gast einen Bericht für die Mitarbeiterzeitung und für den Unternehmensblog „punker Blog“ (blog.punker.com).

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