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Vereinbarkeit von Familie und beruf : Willkommene Lösung – Arbeit und Haushalt teilen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Im letzten Teil der Serie Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellen Maja Demuth und Harry Wolf aus Waabs ihre Lösung vor: Beide Elternteile arbeiten in Teilzeit und haben so mehr Zeit für die Familie. Probleme bereitet die Ferienplanung

von
erstellt am 19.Apr.2014 | 11:11 Uhr

Jeder arbeitet, jeder kümmert sich um die Töchter Amelie (11) und Lotta (3) und jeder bringt sich beim Haushalt mit ein – Maja Demuth (37) Harry Wolf (46) vereinbaren Beruf und Familie nach ihren ganz eigenen Vorstellungen. Demuth arbeitet seit 1998 als Physiotherapeutin und jetzt 28 Wochenstunden, Harry Wolf seit 1995 als Masseur mit 30 Wochenstunden bei Helios in Damp. „Wir wollen das System nicht ändern, es ist super“, sagen beide.

Beide fangen morgens um 8 Uhr in Damp an. Tochter Amelie verlässt um 7 Uhr das Haus in Kleinwaabs, Lotta wird um 7.30 Uhr zum Kindergarten in Waabs gebracht. An drei Tagen arbeitet Maja bis 12 Uhr und kann dann zu Hause Tochter Lotta nach dem Kita-Mittagessen im Kindergarten abholen. An den beiden anderen Tagen kommt Harry Wolf um 12 Uhr nach Hause, der jeweils andere arbeitet bis 17 Uhr und kommt dann später nach. Der, der früher zuhause ist, kümmert sich um den Haushalt. Ob Wäsche machen, Staubsaugen, einkaufen oder fürs Abendessen vorbereiten, die Aufgaben sind genau aufgeteilt. Mittags gibt es nur eine Kleinigkeit zu essen, die Familie frühstückt gemeinsam und isst abends gemeinsam warm.

„Ich genieße es, Zeit für meine Kinder zu haben“, sagt Harry Wolf. Hatte er zu Anfang noch gedacht, wenn er nachmittags zu Hause ist, nur ein bisschen mit den Kindern zu spielen, so sei das nur ein kleiner Teil der Aufgaben, die auf ihn warten. Aber auch das mache Spaß.

Vor der Geburt von Amelie arbeiteten beide voll. Da sah man sich tagsüber nicht. „So, wie es jetzt ist, ist es viel angenehmer“, sagt Harry Wolf. Und auch wenn ihr Familienalltag gut organisiert ist, so müssen die beiden doch immer mal wieder improvisieren und auf Unvorhergesehenes reagieren. „Vorausschauend planen müssen wir immer“, sagt Maja Demuth. Dabei können sie auch auch schon mal auf ihre große Tochter bauen, die Lotta aus dem Kindergarten abholt, wenn sich bei ihnen etwas verzögert oder der Großeinkauf für die Familie ansteht. Und auch wenn eines der Kinder krank ist, dann bleibt in der Regel sie zu Hause, „Mutter ist eben Mutter“, sagt sie. Auf Großelternhilfe können die beiden spontan, wenn die Kinder krank sind, nicht bauen – seine Familie wohnt in Franken, ihre in Rostock. „Bisher kamen wir aber auch so immer über die Runden und waren nicht auf weitere Hilfe angewiesen“, sagt Maja Demuth. Für alle Fälle gibt es aber ein Netz von Freunden und Nachbarn, die man um Hilfe fragen könnte.

Unterstützung und Wohlwollen erfahren sie auch von ihren Kollegen und Abteilungsleitern. Eng werde es allerdings dennoch bei der Ferienplanung. Mit Mühe und Not bekommen sie zwei bis drei Wochen im Jahr gemeinsamen Urlaub hin. Das könnte gerne mehr sein, sei aber schwer, da sie beide in der selben Abteilung arbeiten, wo maximal zwei Mitarbeiter gleichzeitig in Urlaub gehen könnten. Auf Grund der Schulferienregelungen sei ihr Zeitkorridor zudem sehr schmal. Hilfreich sei es da, dass Amelie gerne und oft Urlaub beim Opa in Rostock macht. Unterstützung fand die Familie auch bei einer Tagesmutter, die Lotta betreute, bevor sie zur Kindertageseinrichtung ging.

Amelie, die jetzt in Eckernförde aufs Gymnasium geht, findet es toll, dass ihre beiden Eltern nachmittags zu Hause sind.

 

Viele Modelle, um Beruf und Familien zu vereinbaren


Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, das ist auch nach der EZ-Serie mit Beispielen aus der Praxis und nach zwei Informationsveranstaltungen schwer. Aber, und das ist das ganz klare Ergebnis, „es gab einen bunten Strauß an Ideen und Möglichkeiten, die Mut machen“, sagt Nina Jeß, Gleichstellungsbeauftragte im Amt Schlei-Ostsee. Gemeinsam mit der EZ hat sie anhand einer Vielzahl von Modellen aus der Praxis gezeigt, wie Familien mit Kindern die Berufstätigkeit beider Partner realisieren können. „Die Familien waren sehr offen und haben mit ihren Beispielen gezeigt, wie es gehen kann“, so Jeß.

Ihre Hoffnung ist, dass viele Paare, aber auch Arbeitgeber, über die vorgestellten Wege der Beschäftigung und der Berufstätigkeit nachdenken und Ideen entwickeln. Nicht in jedem Betrieb sei das machbar, aber in vielen eben schon, wenn man es probiert. Ganz klar macht Jeß Frauen und Männern Mut, mit Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen. Dabei sei gegenseitiges Vertrauen genauso wichtig wie die Bereitschaft, auf einander zuzugehen. Gerade in der Zeit, wo die Kinder klein sind, müssten Arbeitszeitmodelle flexibel sein und sich schnell wechselnden Bedürfnissen und Lebensphasen anpassen. In der Phase, wenn Kinder ganz klein sind, sind die Eltern weniger flexibel, das Haus zu verlassen, als wenn die Kinder zu festen Zeiten im Kindergarten oder der Grundschule sind. Sind im ersten Fall Heimarbeitsmodelle ideal, so sind es später Teilzeitmodelle.

Als schade empfand Jeß das scheinbar nur geringe Interesse an den beiden kostenlosen Infoveranstaltungen, bei den Fachfrauen vom Frauennetzwerk und von der Agentur für Arbeit speziell über den Berufswiedereinstieg informierten. „Es wäre so leicht gewesen , sehr gute Tipps und Hilfen zu bekommen“, sagt Jeß. Andererseits sehe sie, dass gesellschaftliche Veränderungen es zunehmend schwer machten, Menschen zu mehr Engagement für sich selbst zu bewegen. Aber Jeß gibt nicht auf und ist überzeugt, dass der Bedarf an weiteren Hilfen und Informationen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gebraucht werde. „Das war nur der Auftakt, das Thema wird weiter wichtig bleiben.“

Sie stehe noch in Kontakt zu den Referentinnen und würde bei ausreichend Interesse weitere Angebote organisieren. Das könne zum Beispiel ein Bewerbungstraining oder ähnliches sein.

 

 

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