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Borstige Besucher : Wildes Treiben bei den Kleingärtnern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wildschweine haben Kleingartenanlage Süderhake II fest im Griff / Erste Pächter kündigen bereits ihre Parzellen

Eckernförde | Die Wildschweinpopulation im Kreis Rendsburg-Eckernförde nimmt stetig zu. Auf Nahrungssuche streifen die Tiere nicht nur durch die heimischen Wälder, es zieht sie auch in Stadtnähe. Zu spüren bekommt das in Eckernförde vor allem die Kleingartenanlage Süderhake II zwischen B 76 und dem östlichen Noorufer. Seit sechs Jahren haben die Kleingärtner mit ihnen zu kämpfen. „In den Frühlings- und Wintermonaten, wenn wenig Bewegung in den Gärten ist, sind sie besonders aktiv“, sagt Obmann Michael Behrmann. Dabei kommt es immer wieder auch zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier: Ende September letzten Jahres kam Behrmann früh morgens in die Kleingartenkolonie, um Äpfel in seinem Garten zu ernten und stieß auf eine Rotte von über 15 Wildschweinen.

„Im Schilfgürtel am Noorufer haben sie die richtige Deckung“, sagt Peter Wohlert von der Kreisjägerschaft Rendsburg-Eckernförde. Von dort locken leichte Futterquellen wie Gartenabfälle die borstigen Allesfresser in die Kleingartenanlage. „Sie holen sich das, was am einfachsten zu bekommen ist“, so Wohlert. Auf ihren Streifzügen durch die Kolonie wühlen sie sich unter Zäunen hindurch, durch Beete und Fußwege und hinterlassen ein Bild der Verwüstung. Wie hoch die Schäden durch die Wildschweine genau sind, kann Herrmann Brütt, Vorsitzender der Kleingärten in Eckernförde, nicht beziffern. „Horrend sind sie“, so viel sei sicher. Doch nicht nur die Kosten für die Reparaturen an Zäunen und Wegen, sondern auch die Tatsache, dass erste Kleingärtner abwandern, bereitet Brütt Sorgen. „Zwei Pächter haben bereits ihre Parzelle gekündigt.“ Viele reparierten die Schäden in Eigenregie und seien nicht mehr bereit, noch mehr Geld in ihren Garten zu stecken.

Zu ihnen zählt auch Birgit Michalzik. „Es ist ein unbefriedigendes Gefühl, wenn man immer wieder Zeit und Geld in den Garten steckt.“ Seit 2006 hat sie eine Parzelle gepachtete, vor vier Wochen hat sie sie aufgegeben und sucht seither einen Nachfolger. Zwei Bewerber haben sich den Garten schon angesehen. Doch mit den Spuren der Wildschweine – bis zu 40 Zentimeter tiefe Löcher – ist die Parzelle nur schwer zu vermieten. „Da muss ich schon jemanden mit viel Enthusiasmus finden, der sich nicht so schnell aus der Bahn werfen lässt.“

Vor drei Jahren wurde ein etwa 100 Meter langer Zaun Richtung Tankstelle gezogen. Die Kosten – rund 1000 Euro – übernahm die Stadt. Das Wildschweinproblem konnte damit jedoch nicht behoben werden, bahnen sich die Tiere doch weiter von der Noorseite ihren Weg in die Kleingartenanlage. „Vor allem die Gärten im letzten Weg vor dem Schilfgürtel sind betroffen“, so Brütt. Ein zweiter Wildzaun könne seiner Meinung nach das Problem hier beheben.

Doch das geht Obmann Michael Behrmann nicht weit genug, denn auch der bereits vorhandene Wildzaun stelle für die Wildschweine kein Hindernis dar. Stattdessen müsse ein Stahlzaun her, der in die Erde gegraben wird und die gesamte Anlage umzäunt. Die Kosten dafür habe er bereits grob überschlagen: Rund 70  000 Euro. „Das Geld dafür haben wir im Verein nicht.“ Ob die Stadt einspringen könne, sei ungewiss. Behrmann hat außerdem Kontakt mit den Jägern aufgenommen. Seit fünf Jahren wird in dem Gebiet um die Anlage gejagt. „Etwa 20 Wildschweine haben wir seitdem dort geschossen“, sagt Franz Mahrt, Jäger im Jagdgebiet um das Windebyer Noor. Wenn das Wetter mitspielt, ist er dort auf Ansitzjagd. Das Wildschweinproblem sei jedoch nur schwierig zu lösen. „Das erfordert eine entsprechende Bejagung“, sagt Peter Wohlert. Weil die Schweine vor allem in der Dämmerung kommen, sei ein Nachtansitz während der entsprechenden Mondphasen erforderlich. Laut Jägerschaft ist die Kleingartenanlage zudem ein befriedetes Gebiet. Soll heißen: Die Jagd ruht und darf ohne eine Erlaubnis nicht ausgeübt werden. In bestimmten Fällen jedoch können Abschussgenehmigungen erteilt werden – zum Beispiel beim Abschuss von Wildschweinen in Siedlungsgebieten. Damit dem Treiben ein Ende bereitet wird, bietet Behrmann daher an, die Kolonie für eine Weile zu schließen, um die Jäger dort schießen zu lassen. „Etwa im Winter, wenn keine Gärtner mehr da sind.“

Auch in der Süderhake I am Schulweg – 500 Meter von der Innenstadt entfernt – sollen bereits Wildschweine gesichtet worden sein. Dass die Tiere aber weiter in die Stadt vorrücken, schließt Peter Wohlert aus. „Hier ist zu viel los und auch nicht die richtige Fläche, in der sie wühlen können.“

 

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erstellt am 15.Apr.2015 | 06:54 Uhr

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