zur Navigation springen

Weiberfastnacht : Wilde Hilden in Nylons und Petticoat

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Erstmals wurde die Weiberfastnacht am Donnerstagabend in der Stadthalle unter dem Motto „Die Nacht der wilden Hilden“ gefeiert. Telse Brunkert erhielt den alternativen Frauenpreis der Stadt.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 05:40 Uhr

Eckernförde | Wer sagt, die Eckernförderinnen verstehen es nicht, Weiberfastnacht zu feiern und trauen sich nicht, mithilfe eines etwas anders gearteten Outfits in andere Rollen zu schlüpfen, der irrt gewaltig. Spätestens seit Donnerstagabend ist klar: Hier oben im Norden gibt es viele Frauen, die gerne feiern und sich herausputzen mögen. Zwar wurden zur ersten Party, die die Eckernförder Gleichstellungsbeauftragte, Katrin Christine Blum, in der Stadthalle organisierte, nur 150 Karten verkauft – aber diejenigen, die kamen, hatten unbändige Lust zu feiern. So sagte selbst der Sprecher der Live-Band „Lady Sunshine & The Candy Kisses“ nach dem ersten Lied überrascht: „So schnell haben wir die Leute noch nie auf die Tanzfläche bekommen.“

Und die Frauen wollten tanzen. Flott angezogen mit Petticoats, schicken Nylonstrümpfen und passenden Schuhen bewegten sie sich zur Musik aus den 50er- und 60er-Jahren. Modische Accessoires, wie Brillen, Perlenketten, Haarschleifen und Tücher fehlten nicht. Dass unter den 150 Gästen nur knapp 30 Männer waren, tat dem Tanzspaß keinen Abbruch. Im Gegenteil: „Unsere Männer haben wir bewusst zu Hause gelassen“, verriet Brigitta Schüle aus Eckernförde.

Die 54-Jährige war mit ihren Freundinnen Sabine Herber, Anja Brückner, Edith Reinberg und Birgit Weiske aus dem ersten Eckernförder Frauengarten zur Party gekommen und hatte ihre Nachbarin, Anne Henning, gleich mitgebracht. „Ich tanze wahnsinnig gerne“, so die 66-Jährige. Alle Frauen bedauerten, dass sie es versäumt hätten, eine Schere mitzubringen – denn einige Krawatten liefen schließlich doch in der Stadthalle herum.

Das Motto der Party kam an. Auch bei den beiden Freundinnen Ute Gradert aus Borgstedt und Doris Greve aus Schülp. Ohne eine entsprechende Vorbereitung sei das nicht abgelaufen. „Wir haben unser Outfit richtig getestet“, verrieten sie und haben sich gedacht: „Da gehen wir hin und machen mal einen Zeitsprung.“

Am Donnerstagabend gab es nicht nur originale Lieder der Musiker, die stilecht in Originalanzügen auf Originalinstrumenten dem Publikum einheizten – vor dem Tanz lockte das Buffet mit Leckerbissen aus jener Epoche. Ein Ananasigel mit Weintrauben wartete auf die Gäste. Der hausgemachte Kartoffelsalat fehlte ebenso wenig wie die gefüllten halben Eier und die Mini-Wienerwürstchen mit Senf.

Ein Name als Motto einer Party: Hilde – ein typischer Name dieser Zeit, in der von Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern noch lange keine Rede war. In der Frauen ihre Ehemänner noch um eine Arbeitserlaubnis bitten mussten. „Aber auch eine tolle Zeit. So kurz nach dem Krieg wollten die Frauen auch wieder leben und Spaß haben“, ist sich Anne Henning sicher. Auch der Haushalt erfuhr in jenen Jahren einen Aufschwung in Sachen Technik. Trockenhauben, Toaster, Eierkocher, Haarschneider – all diese Dinge gab es auch in der Tombola am Donnerstagabend zu gewinnen. Nicht zu vergessen die typischen Lockenwickler aus der Zeit.

Passend in diesem Rahmen vergab die Gleichstellungsbeauftragte nach 2015 zum zweiten Mal den alternativen Frauenpreis der Stadt Eckernförde, der an Frauen verliehen wird, die sich sehr für ihre Mitbürger einsetzen. Nach Heidi Schander wurde in diesem Jahr Telse Brunkert ausgezeichnet.

Die 55-Jährige arbeitet seit 40 Jahren in der Verwaltung und habe als Sachgebietsleiterin Soziales immer ein Ohr für ihre Mitmenschen, so Katrin Christine Blum in ihrer Laudatio. „Ihr Beruf ist eine Berufung, die sie mit ganz viel Herz erfüllt. Telse Brunkerts Engagement hört nicht an den Schranken des Rathauses auf“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen