Wiege der europäischen Kultur

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In Ulm wurde der weltberühmte und knapp 40 000 Jahre alte „Löwenmensch“ gefunden

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25. Juni 2014, 18:03 Uhr

Wussten Sie, dass die Region Ulm als Wiege der europäischen Kultur anzusehen ist? In Höhlen der Flusstäler von Blau, Ach und Lone auf der Schwäbischen Alb im Umkreis von Ulm wurden die ältesten figürlichen Darstellungen der Menschheit gefunden, Kleinskulpturen aus Mammutelfenbein zwischen 40 000 und 35 000 Jahre alt. Diese geschnitzten kleinen Figuren sind beeindruckende Kunstwerke. Sie stellen Mammut, Wildpferd, Rentier, Bär und Höhlenlöwe dar und beweisen, welche Phantasie und Beobachtungsgabe die Menschen der Altsteinzeit, des Jungpaläolithikum, bereits entwickelten und zeigen, nicht zuletzt ihr beachtliches handwerkliches Können.

Das größte, schönste und geheimnisvollste Kunstwerk aus dieser Zeit ist der „Löwenmensch“. Es handelt sich um eine 30 Zentimeter hohe menschenähnliche Statuette, die auf zwei Beinen steht, mit dem Kopf eines Höhlenlöwen. Man fand sie im Sediment einer Höhle im Lonetal, zerfallen in unzählige Bruchstücke. Die Zusammensetzung der Fragmente, die bei mehreren Ausgrabungen gefunden wurden, war eine Meisterleistung der Archäologen und erfolgte entsprechend in mehreren Etappen. Die Figur hat zwar noch Fehlstellen, was den Gesamteindruck jedoch nicht beeinträchtigt.

Viele Deutungsversuche sind an dem Löwenmenschen vorgenommen worden. Ist es eine Mensch-Tier Gottheit? Welchen Sinn er für die Menschen damals hatte, wird wohl für immer im Dunkel bleiben. Zu besichtigen ist dieses Kunstwerk ständig in Ulm im Ulmer Museum. Zur Zeit ist es am gleichen Ort Mittelpunkt einer Sonderausstellung mit vielen anderen Fundstücken aus den erwähnten Höhlen. Der Löwenmensch war vorübergehend ausgeliehen worden an das British Museum, London. In kurzer Zeit kamen über 100 000 Besucher, um damit eines der wichtigsten Kunstwerke der Menschheit zu sehen, wie die Senior Kuratorin dieses Museums, Jill Cook, berichtete. Warum ausgerechnet die Ulmer Region zur Gestaltung von Statuetten inspirierte, lässt sich nicht erklären. Auf jeden Fall waren die Lebensbedingungen vor über 30 000 Jahren für die Menschen hier ideal. Die Höhlen und Grotten wurden als Behausungen geschätzt. Die Flüsse boten eine reiche Nahrungsquelle. Die Hochfläche der Schwäbischen Alb glich einer Grassteppe, bewachsen mit kleinwüchsigen Büschen und Zwergbäumen. Vorzügliche Verhältnisse für Großwild, wie auch die gefundenen Skulpturen zeigen, und Niederwild und damit ein ausgezeichnetes Jagdrevier. Die Höhlenlöwen, die als Vorbild für den Löwenmenschen dienten, waren größer als die heutigen Löwen, hatten keine Mähne und sind vor 11 000 Jahren ausgestorben.

Es lohnt sich also, Ulm einen Besuch abzustatten, um die kleinen Kunstwerke zu besichtigen. Weltweit gibt es nichts Vergleichbares aus dieser Zeit. Bei dieser Gelegenheit könnte man das gotische Ulmer Münster bewundern und vielleicht sogar den 161Meter hohen Münsterturm, den höchsten Kirchturm der Welt besteigen, wozu immerhin 768 Stufen zu bewältigen sind. Von dort bietet sich ein wunderbarer Ausblick, an klaren Tagen bis zu den Alpen. Man könnte dort auch noch eine Gedenkminute für Albert Einstein einlegen, den bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts, der in Ulm geboren wurde. Während die hiesigen Eiszeitmenschen erstmals mit plastischen Kunstwerken praktisch ein Bild der Natur schufen, hat Einstein das wissenschaftliche Naturbild tiefgreifend verändert.

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