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Gestaltungsbeirat : Wiedervorlage für das Projekt Kaiserhof / Lindenhof

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach der Kritik des Gestaltungsbeirats müssen Investor und Architekt ihre Planung für den Bau einer Wohnanlage im Herzen Borbys neu justieren. Die Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ drängt derweil auf den Erhalt der historischen Bausubstanz.

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erstellt am 19.Sep.2013 | 05:55 Uhr

Die Ansage war mehr als deutlich: der Planungs- und Gestaltungsbeirat der Stadt Eckernförde hat die vorgelegte Kaiserhof- und Lindenhof-Planung am Donnerstagabend förmlich zerrissen (siehe Bericht in der gestrigen Ausgabe). Die fünf Beiratsmitglieder haben unisono mehr städtebauliche Qualität in der Planung eingefordert und den Architekten Olaf Schmidt-Bleyl dazu ermuntert, sich im Falle des Kaiserhofs auf das historische Vorbild zu besinnen. Beiratssprecher Helmut Riemann: „Ein Putzbau mit schönen Proportionen, Ballustrade und Fenster: Man kann sich Hände und Füße dran wärmen, so lecker ist das. Die Baumeister hatten es im Blut, das ist leider ein bisschen verloren gegangen.“ Beim Lindenhof müsse der „dörfliche Charakter viel stärker aufgenommen werden“, sagte Riemann – und legte die Akte auf Wiedervorlage.

Investor Michael Mattner und sein Architekt, die wie gestern berichtet die Kritik des Beirats teilweise nachvollziehen konnten und sich in der Sache weitgehend einsichtig zeigten, verwiesen immer wieder auf die engen Planungsvorgaben durch die Stadt, die keine andere Planung möglich gemacht habe. Dem wiederum mochte sich der Gestaltungsbeirat nicht anschließen. „Ich glaube nicht, das Sie in diese Richtung gedrängt worden sind und solche Fassaden zeichnen mussten“, sagte Beiratssprecher Helmut Riemann. Mattner und Schmidt-Bleyl müssen nun ein komplett neues Konzept entwickeln, wenn am Ende eine Baugenehmigung dabei herausspringen soll. Bauamtsleiter Roy Köppen sagte gestern auf Anfrage, dass sich Mattner und Schmidt-Bleyl in ihrer Rechtfertigung auf die Phase vor der B-Plan-Aufstellung bezogen hätten, die sich mittlerweile aber durch die Quartiersanalyse und das B-Plan-Aufstellungsverfahren geändert habe. Man solle zur Kenntnis nehmen, dass dem Investor durch die Einschaltung des Gestaltungsbeirats und des B-Plan-Verfahrens erst die Möglichkeit einer Bebauung eröffnet werden soll, die nach dem Baurecht (Paragraph 34) sonst nie möglich wäre.

Gestern hat sich auch die Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ zu dem Thema geäußert. Sie setze sich für den Erhalt gerade dieses historisch gewachsenen Charakters Borbys ein und fühle sich durch die Aussagen des Beirats bestärkt, teilten die Sprecher Dr. Heinrich Mehl und Ursula Wedler mit. Die Bürgerinitiative plädiere dafür, dass in einem neuen Entwurf für die Bebauung am Lindenhof „wieder eine breite Platzwand entsteht, die dem Charakter des ursprünglichen Dorplatzes entspricht“. Dazu sollte ein ehemals dort stehendes giebelseitiges Gebäude wiederhergestellt werden. Für den Kaiserhof empfiehlt die Bürgerinitiative den Abriss des nachträglich angebauten Vorbaus sowie die Freistellung der Vorder- und der Rückfront. „Der gesamte Kaiserhof ist als Gebäude freizustellen – auch, um die historisch gewachsenen Sichtachsen Borbys zu erhalten, die den besonderen Charme dieses Stadtteils ausmachen.“

Borby als eines der ersten deutschen Seebäder sei im 19. und frühen 20. Jahrhundert von zum Teil luxuriösen Strandhotels und Kureinrichtungen an der Promenade geprägt gewesen. Das einzig erhaltene Haus aus dieser Ära sei der Kaiserhof, 1882 als Bellevue erbaut – ein mehrstöckiges Hotel mit vorgesetzter Terrasse, repräsentativem Eingang und attraktiven Fensterfluchten. Im Kaiserhof sei die kaiserliche Begleitung abgestiegen (Wilhelm II. und Prinz Heinrich bevorzugten das Hotel „Marien-Louisenbad“), feierten Adel und gehobenes Bürgertum. Zweiter historischer Standort der geplanten Wohnanlage sei der Lindenhof. Schon 1721 habe dort der „Voigt’sche Kirchspielkrug“ mit Blick auf den Dorfplatz gestanden, ab Mitte der 1930er Jahre habe Familie Treimer den Gasthof bewirtschaftet, der als Gildehaus mit Tanzsaal und Kegelbahn auch später unter Familie Wiese zur Institution geworden sei. „Es ist eine Rarität, dass ein historischer Dorfkern mit Gasthof, alten Linden und Dorfplatz in einem Stadtbild so authentisch erhalten geblieben ist“.




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