Getrennte Meinung : Wieder Zoff im Gestaltungsbeirat

Stein des Anstoßes für den Gestaltungsbeirat: Der Anbau an das Gebäude der Kanzlei Küter in der Rendsburger Straße.
Stein des Anstoßes für den Gestaltungsbeirat: Der Anbau an das Gebäude der Kanzlei Küter in der Rendsburger Straße.

Die Mitglieder des Planungs- und Gestaltungsbeirats haben ein privates Bauvorhaben kritisiert und dabei den Architekten der Manipulation verdächtigt. Der verwahrte sich, ebenso wie der Bauherr, aufs Schärfste dagegen.

Arne_Peters-8499.jpg von
29. November 2013, 05:55 Uhr

Es war die dritte Sitzung des Planungs- und Gestaltungsbeirats – und gleich zu Beginn stellte der Vorsitzende Helmut Riemann am Mittwoch im Ratssaal eines fest: „Dass unsere Sitzungen etwas turbulent sein können, ist ganz normal, weil man nicht immer einer Meinung sein kann.“ Er spielte damit auf die vergangene Sitzung an, in der der Beirat dem Investor des Kaiserhofs für seinen Entwurf ordentlich die Meinung gegeigt hatte. Für die heftige Art gab es durchaus auch Kritik. Mittlerweile habe sich der Ausschuss aber mit 15 Planungsbüros aus Eckernförde ausgetauscht und von allen bis auf eines zu hören bekommen, dass man es für gut befinde, einen Gestaltungsbeirat in Eckernförde zu haben.

Soviel zur Klarstellung – und gleich ging es wieder zur Sache. Dabei stand diesmal kein Stadtbild prägendes Gebäude im Mittelpunkt des öffentlichen Teils, sondern ein Anbau der Kanzlei Küter in der Rendsburger Straße. Während der Entwurf in der vergangenen Sitzung durchaus wohlwollend mit nur einigen Verbesserungsvorschlägen betrachtet worden war, zeigte sich der Beirat diesmal „nicht glücklich“. Der kubische Anbau an eine Hausecke im selben Klinker wie das Hauptgebäude wirke zu sehr „drangebaut“. „Wir wünschen uns etwas, das dem Gebäude Glanz verleiht“, sagte Beiratsmitglied Fredo Wiescholek. Als Vorschlag kam die Idee, den Anbau komplett an eine Hausfront zu setzen, und zwar im Stile der Bäderarchitektur der 20er Jahre – ähnlich eines Wintergartens – mit Dachterrasse.

Das widersprach aber nicht nur dem ästhetischen Verständnis von Bauherr Karsten Fabel, sondern auch dessen Bedürfnis nach Funktionalität. Mit einem Vorbau würden zwei Büros das Tageslicht verlieren. „Wir haben auch keine Verwendung für eine Dachterrasse.“

Ein Anbau müsse jedoch der „Allgemeinheit etwas wiedergeben“, sagte Fredo Wischolek. Er wünschte sich ein „Gleichgewicht zwischen Funktion und Gestaltung“.

Alles nachvollziehbar für Architekt Hans-Joachim Graf von Gersdorff, „aber man kann doch keine Büroräume ohne Tageslicht anbieten“. Unvorstellbar auch für Karsten Fabel, der sich keine Bäderarchitektur an einem norddeutschen Backsteinhaus von 1936 vorstellen könne. „Warum muss sich ein Anbau überhaupt vom Hauptgebäude absetzen?“, stellte Graf von Gersdorff in den Raum. „Sie wollen, dass gebaut wird, wie Sie es von außen für richtig empfinden, aber sie lassen den Bauherren und die Funktion total links liegen.“

Schärfe in die Diskussion brachte Beiratsvorsitzender Helmut Riemann, als er ansprach, dass der Lageplan nicht mit der Visualisierung übereinstimme: „Sie versuchen uns, mit Verlaub gesagt, für dumm zu verkaufen.“ Dagegen verwahrten sich sowohl Architekt als auch Bauherr aufs Schärfste. „Anmaßend“, fand Graf von Gersdorff die Behauptung, und Karsten Fabel verbat sich die Unterstellung, dass eine Kanzlei mit 125-jähriger Geschichte mit geschönten Bildern arbeite. Stattdessen kritisierte er, dass sich der Beirat am Vormittag ohne Anmeldung auf seinem Grundstück die gegebenen Örtlichkeiten angesehen habe. Er appellierte: „Gestatten Sie dem Bauherrn zu überlegen, 1. was er will, 2. was er braucht und 3. wie er es bezahlen soll.“

Einig wurde man sich am Ende nicht. Nach einer einstündigen Diskussion sagte der Beirat zu, seine Kritik und Empfehlungen schriftlich an den Bauherren und den Architekten weiterzuleiten. Da sie aber keine rechtliche Verbindlichkeit haben, kündigten diese schon an, zwar einige Anregungen aufzunehmen, aber doch am eigenen Entwurf festzuhalten.

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