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Politischer Frauensalon in Eckernförde : „Wie wollen wir Frauen im Alter leben?“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Großer Andrang beim Politischen Frauensalon der Gleichstellungsbeauftragten Katrin Christine Blum.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 06:26 Uhr

Eckernförde | Gründung einer Wohngemeinschaft für Senioren, generationsübergreifende Häuser, Einrichtung alternativer Lebensformen im Alter abseits von Alten- und Pflegeheim – noch während des Vortrags von Petra Sievers, Pflegedienstleitung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Eckernförde, entwickelte sich zwischen den Zuhörerinnen eine äußerst lebhafte Diskussion. Über 20 Frauen aus der Altersgruppe 50  + waren am Donnerstagabend der Einladung von Katrin Christine Blum, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Eckernförde, zum Politischen Frauensalon in das Restaurant A  Tavola gefolgt. Das Interesse an dem Thema „Wie wollen wir im Alter leben? Wie ist die Pflegesituation in Eckernförde ?“ war so groß, dass in dem Nebenraum der Gaststätte fast jeder Stuhl besetzt war.

„Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich um eine Pflege, zu Hause oder in einer Einrichtung, zu kümmern“, fragte Petra Sievers, sei es für die Eltern, den Partner oder sich selbst. Die 48-jährige gelernte Krankenschwester leitet den Pflegedienst des ASB Eckernförde. „Ich mache meinen Job aus Überzeugung“, verrät sie – trotz der massiven Arbeitsbelastung. Gleich zu Beginn ihres Vortrages stellt Sievers klar: „Der Anteil der Pflegekassen ist für alle völlig gleich, egal ob man arm oder reich ist. Pflegegeld steht jedem zu – das ist kein Betteln.“ Staunen rief sie bei den Zuhörerinnen hervor, als sie mit einem Vorurteil aufräumte. „Der Arzt hat bei einer Pflegeberatung nichts zu suchen.“ Bei der jeweiligen Krankenkasse des Betroffenen müsse man einen Antrag auf einen Pflegegrad stellen. Diese habe auch eine Beratungspflicht. Es stimme auch nicht, dass man bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes zunächst ein halbes Jahr warten müsse, bis man einen Antrag auf Höherstufung stellen könne: „Sie können sofort einen höheren Pflegegrad beantragen.“ Auch habe der Patient das Recht, seine Rechnungen einzusehen und Erklärungen zu bekommen.

„Versuchen Sie mal, einen Kurzzeitpflegeplatz in Eckernförde zu bekommen – das ist ganz schwer“, sagt Sievers. Um die Versorgung im Ostseebad und in der Umgebung stehe es schlecht. „Es gibt unglaublich viele Pflegebedürftige in und um Eckernförde.“ Eine Vorsorgevollmacht solle jeder anfertigen – nur so könne jeder für sich gewährleisten, dass er bei Pflegebedürftigkeit seinem Wunsch entsprechend behandelt wird.

„Es braucht ein Umdenken, spätestens wenn es kein Bett mehr gibt“, so der Einwurf einer Zuhörerin. Eine lebhafte Diskussion über das Für und Wider von Seniorenwohngruppen oder Hausgemeinschaften entwickelte sich. „Wie wollen wir Frauen im Alter leben? Das sollten wir klären, bevor wir pflegebedürftig sind“, sagte eine andere Zuhörerin. Eine Frau stellte ein Beispiel aus den Niederlanden vor, wo in einem Haus Senioren gemeinsam mit Studenten lebten. Diese widmeten ihren älteren Mitbewohnern jeden Tag eine Stunde ihrer Zeit.

Wolle man ein Haus für eine Seniorenwohngemeinschaft beispielsweise für sechs Bewohner errichten, müsse man viele formelle Wege beschreiten, so ein weiterer Einwurf. Ein entsprechendes Grundstück müsse gefunden, die Finanzierung geklärt und mit der Verwaltung gesprochen werden. Komme der Pflegedienst dann jedes Mal ins Haus oder sei eine Kraft 24 Stunden im Haus vor Ort – auch dieses gelte es zu bedenken.

Alternative Lebensformen im Alter – ein Thema, das die Frauen am Donnerstagabend zu vielen Gedanken und Ideen anregte. An diesem Abend wurde deutlich, wie wichtig die Thematik ist – nicht nur für Frauen.

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