Viel Verkehr und Halligalli : Wie viel Tourismus verträgt die Stadt?

Kaum ein Durchkommen: Immer mehr touristische Angebote locken immer mehr Menschen nach Eckernförde.
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Kaum ein Durchkommen: Immer mehr touristische Angebote locken immer mehr Menschen nach Eckernförde.

Die Politik will das Tourismuskonzept fortschreiben. Deshalb hat Touristik-Chef Stefan Borgmann die Entwicklung der letzten zehn Jahre nachgezeichnet.

shz.de von
31. Januar 2018, 06:21 Uhr

Eckernförde | Der Tourismus in Eckernförde hat in den vergangenen Jahren einen großen Sprung gemacht. Allein die Zahl der Buchungen ist von 878 im Jahr 2004 auf 5267 im Jahr 2016 und damit um 600 Prozent angestiegen. Die Zahl der Übernachtungen ist im selben Zeitraum von 114 000 auf 224 000 und damit um knapp 200 Prozent gestiegen. Und auch die Ankünfte haben sich von 34 000 auf 69 000 mehr als verdoppelt.

Was für Touristiker ein Grund zur Freude ist, wird in der Bevölkerung nicht nur positiv eingestuft. Steigender Verkehr und Parkplatzsuche, eine starke Zunahme an Ferienwohnungen in der Innenstadt und immer mehr touristische Veranstaltungen haben die Frage aufgeworfen, wie viel touristisches Wachstum die Stadt noch vertragen kann.

Die Ratsversammlung hat deshalb schon im September 2017 beschlossen, das Tourismuskonzept als Grundlage für das weitere Vorgehen fortzuschreiben. Ziel soll es sein, den Stellenwert des Tourismus neu zu bewerten, seine Aufgaben zu definieren und die zukünftig gewünschte strategische Ausrichtung festzulegen – und das unter Einbeziehung von externen Beratern, Bürgern, Politik, Unternehmern und der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG).

Erstellt wurde das Tourismuskonzept im Jahr 2007 von der Firma „Project M“. Wie sich auf dieser Grundlage seither der Tourismus entwickelt hat, stellte ETMG-Geschäftsführer Stefan Borgmann am Montagabend im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzwesen vor. Grundsätzlich gilt, dass viele der einst festgestellten Defizite in den vergangenen zehn Jahren abgestellt werden konnten.

Festgestellt wurde damals, dass die Beherbergungsstruktur nicht marktgerecht ist, es kaum eine maritime und gute Gastronomie gibt, das Veranstaltungsangebot nur saisonal ausgerichtet ist und dass es an einer Strategie mangelt. All diese Kritikpunkte konnten angegangen werden, allerdings fehlt weiterhin ein größeres Hotel, um auch Gruppenreisende anzusprechen. Die Gastronomie hat deutlich an Attraktivität gewonnen, und das Veranstaltungsangebot umfasst auch die Zeit außerhalb der Saison.

Entsprechend den Empfehlungen des Tourismuskonzepts 2007 hat die Stadt ihr maritimes Erbe vermehrt in Szene gesetzt. Die Themen „Fisch“ und „Fischerei“ sind zentrale Marketingelemente. Auch das Thema „Meer“ und Stranderlebnis wird intensiv besetzt. Spielschiffe, Kleingolfanlage, Strandterrasse und barrierefreie Zugänge sind nur einige Schlagwörter.

„Die Schwächen im Bereich der touristischen Basisleistungen aus dem Jahr 2007 wurden größtenteils abgebaut“, so Stefan Borgmann. „Der Anspruch des Tourismus im Ostseebad sollte den aktuellen Entwicklungen angepasst werden. Eckernförde soll für die Einwohner lebens- und für die Gäste liebenswert bleiben.“

Mit den steigenden Tourismuszahlen ist auch die Wertschöpfung gestiegen: Übernachtungs- und Tagesgäste haben 2005 etwa 30,74 Millionen Euro in Eckernförde ausgegeben. Im Jahr 2016 waren es 64,6 Millionen Euro. Davon profitierten nicht nur die Vermieter, sondern auch der Einzelhandel und die Gastronomie.

Für Stefan Borgmann ist klar: Die Tourismuskonzeption 2007 war die Grundlage für die positive Tourismusentwicklung der Stadt. Eine Fortschreibung sei sinnvoll, wichtig sei dabei die Einbindung der Bürger. Borgmann schlug unter anderem die Durchführung zweier Einwohnerversammlungen und eines Workshops unter professioneller externer Begleitung vor. „Zehn bis zwölf Monate muss man für diesen Prozess laut Fachbüro einplanen.“

Tourismus: Stärken

> maritimes Erbe und historisches Ambiente profilierend in Wert gesetzt

> lebendige, dynamische Stadt

> Vernetzung Stadt, Strand, Hafen

> attraktiv für Urlaubs- und Tagesgäste

> vernetzter Mittelpunkt einer attraktiven Region

> Mitglied der LTO Eckernförder Bucht und der Aktiv-Region Eckernförder Bucht

> moderne Unterkünfte

> überregional bedeutende Veranstaltungen

> gute touristische Infrastruktur

> klare Aufgabenstruktur

> modernes Marketing

> gute Marktpositionierung

Tourismus: Schwächen

> zu kleinteiliges Beherbergungsangebot

> kein großer Hotelbetrieb

> zu wenig zertifizierte Unterkünfte

> kein kommerzielles Kino

> zu wenig qualitativ hochwertige Veranstaltungen

> stark steigende Grundstückspreise

> Mangel an Parkplätzen bei Großveranstaltungen

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