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Konzert mit Jessy Martens : Wie ein Wirbelwind: Jessy Martens

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hamburger Bluessängerin bot mit ihrem Pianisten Jan Fischer beste Unterhaltung in der gut besetzten Hüttener Kirche

Hütten | Nach 2011 und 2013 traten zum dritten Mal auf Einladung des Förderververeins zum Erhalt der Hüttener Kirche Jan Fischer und Jessy Martens auf. Der Abend war in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg: Musik allerbestens, alle Getränke und Brezeln ausverkauft. Kein Wunder nach dem Start. Nach der Begrüßung ging es sofort unter Vollgas in die Empfindung: Mit „good morning blues“ stellten sich Martens und Fischer vor. „Blues, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenes Volkslied der farbigen Sklaven in den Südstaaten der USA, von einer schwermütigen Grundstimmung getragen“ weiß das Lexikon. „Blues“ ist aber noch viel mehr. Keineswegs muss der Ausdruck von Leiden unter harter Arbeit, stürmischem Wetter, seelischer Not und verschmähter Liebe lähmend wirken. In Blues-Texten steckt auch viel Hoffnung, Zuversicht und Lebenskraft. „Die Lage ist schlecht, aber zu überstehen. Danach wird alles besser“ könnte auch ein Motto sein.

Besser wurde sie schon in dem Moment, als Jessy Martens mit Jan Fischer aus der Sakristei in die Hüttener Kirche stürmten: Mit den ersten Tönen verwandelte Martens‘ Aura den Raum. Aus mit gespannter Erwartung und norddeutscher Zurückhaltung. Im Verlauf des Abends zwar nicht immer ganz so, wie es sich die energiegeladene, quirlige Sängerin gewünscht hatte. Dennoch schaffte sie es mit hemmungslosem Einsatz, die norddeutsche Steifigkeit und bescheidene Zurückhaltung ihres Publikums zu überwinden. Nach einigen Vorübungen ertönte schließlich doch noch aus vollen Kehlen mehrfach kräftiges „Yeah, yeah“.

Schon mit der ersten Nummer hatte das Naturtalent mehr als anerkennende Begeisterung geweckt. Nichts war von Blues-Traurigkeit zu spüren; wohl aber sehr viel von Lebenskunst: Herausforderungen anzunehmen und sich ihnen zu stellen. Jessy Martens und Jan Fischer zeigten Können und Stärke, und wie sie selbstsicher übertragen werden. Großartig ihr Zusammenspiel und wortlose Verständigung: Ein außergewöhnliches Konzert ohne Playlist, in dem sich die beiden Künstler durch kaum erkennbare Handzeichen, Blicke oder Titel-Andeutungen verständigten. Jan Fische an den Tasten, der mit maschinenhaft stabiler linker Hand alle Rhythmus- und Bassfiguren lieferte, Jessy Martens mit ganzer Seele und großer, kräftiger und raumfüllender Stimme aus tiefsten Tiefen bis hin zur hellen, höchsten Kopfstimme. Mehrfach sogar ohne Mikrofon. Wahnsinn! Und gut!

Das feste Schema der Songs öffnete immer wieder Möglichkeiten der Improvisationen. Schon die lohnten den Besuch in der Hüttener Kirche. Aber auch ihr humorvoller Mitklatsch-Kursus. Gar nicht so einfach für die sitzende Menge. „Wenn ihr das alle könnt, ziehen wir uns aus“ konnte Jessy versprechen. Wohl wissend, dass es in der von ihr erwarteten Sicherheit doch nie nötig wäre. Anerkennender Beifall, nach Klaviersoli selbstverständlich, wünschte sie sich auch. Er war sowieso verdient, weil Jessy Martens eine Erzmusikantin ist, die jeden Ton durchlebt. Auch die der Klaviersoli von Jan Fischer. Das sogar noch im 11. Jahr ihrer gemeinsamen Konzert-Karriere. Dazu sang sie noch mutig und gut aus dem Publikum heraus und regte ohne Mikrofonverstärkung mehrfach zum Mitsingen an. Soviel Nähe ist außergewöhnlich und selten.

Zwei Stunden Konzert, stehender Beifall. Zugabe: Das Lieblingslied ihres Vaters, der auch anwesend war. Eine großartige Fassung von George Gershwins „Summertime“. Jessy Martens, Jan Fischer und „Blues“ waren erneut ein Beweis, dass es Musiker-Künstler gibt, die „sehr gut“ sind. Und die in weiten Kreisen kaum jemand kennt. Musiker, die bewegende Stimmungen erzeugen, übertragen und damit seltene Momente schaffen, an die man sich lange und gerne erinnert.  



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