zur Navigation springen

Lesung in Strande : Wie Don Quijote gegen die Mühlen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wolfgang Kubicki liest aus „Yes Minister“ der britischen Autoren Antony Jay und Jonathan Lynn. Strander Lesereihe kommt beim Publikum gut an.

Die Veranstaltungsreihe „Strande liest“, bei der Strander Bürger in wechselnden Gastronomiebetrieben Lesungen für andere Strander abhalten, ist laut Gerd Schneider und Werner Helten vom Strander Kulturforum, welches die Reihe initiiert, ein voller Erfolg. „Die Resonanz ist durchweg positiv. Es ist eine wunderbare Gelegenheit für Begegnungen, festigt das Zusammengehörigkeitsgefühl und hat neben der eigentlichen Lesung auch kommunikative Bedeutung“, so Schneider.

Auch einem guten Zweck dienen die Lesungen: Es werden Spenden zugunsten des Strander Kinderheims „Strandgut“ gesammelt, um den Kindern ein kulturelles Erlebnis zu ermöglichen, beispielsweise einen Theaterbesuch, und sie so an die Kultur heranzuführen. Dass die vierte Lesung der Reihe am Freitag mit dem bundesweiten Vorlesetag zusammenfiel, war allerdings Zufall, aber dennoch passend. Als kompatibel könnte man auch den Vorleser und das von ihm gewählte Buch bezeichnen: Wolfgang Kubicki, bundesweit betrachtet der wohl bekannteste Strander Bürger, hatte das Buch „Yes Minister“ der britischen Autoren Antony Jay und Jonathan Lynn gewählt. „Ein Buch, das ich nur empfehlen kann. Leider gibt´s das nicht mehr zu kaufen“, so Kubicki schmunzelnd. Das Buch mit dem Untertitel „Die Tagebücher eines Kabinettministers“ erzählt von den Bemühungen des britischen Ministers James Hacker, demokratisch, transparent, gerecht und sparsam – kurz: bürgernah – zu regieren, wobei seine oft wenig ausgereiften Pläne von dem verbeamteten Staatssekretär Sir Humphrey immer wieder durchkreuzt werden. Die Geschichten beschreiben den Kampf des Politikers gegen einen verkrusteten, traditionsbewussten Beamtenapparat, der irgendwie an Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen erinnert.

Mehrmals musste Kubicki schon vor Pointen im Text lachen. Ob es daran lag, weil er wusste, was gleich kommt oder daran, dass er Situationen oder auch Personen seines Politikeralltags vor seinem geistigen Auge sah – wer weiß? Der typisch trockene britische Humor jedenfalls, etwas schwarz, hier und dort mit einer Prise Sarkasmus oder Ironie garniert, liegt Kubicki, wie er zugab. Und wenn es im Text mal um das Privatleben des Ministers ging, folgte ab und an ein lächelnder Blick in Richtung Ehefrau Annette Marberth-Kubicki.

Bei der Zugabe, einem Kapitel über Sparmaßnahmen, erfuhr der Zuhörer, dass die britische Finanzverwaltung offenbar mehr Leute beschäftigt als die Royal Navy, was eventuell daran liegen könnte, dass Steuern vielleicht die beste Art der Verteidigung sind. Oder auch, dass es vorkommt, dass 90 Beamte eine Arbeit machen, die vorher 90 andere Beamte schon einmal gemacht hatten. Kubicki wies wie beiläufig grinsend darauf hin, dass das Buch 1980 erschienen ist.

Die Lacher des Publikums hatte Kubicki jedenfalls auf seiner Seite. Gerd Schneider dankte ihm am Ende für seinen „sehr lustvollen Vortrag, den er mit einer gewissen Authentizität hielt“. Kubicki empfahl, da es das Buch auf Deutsch nicht mehr gibt, sich die DVDs der 1987 in der ARD ausgestrahlten gleichnamigen Serie zu besorgen und fügte leicht kopfschüttelnd und schmunzelnd hinzu „Was ich mit der Bürokratie schon erlebt habe…“. Man kann also sagen: Übereinstimmungen mit dem echten Politikerleben nicht ganz ausgeschlossen.
Infos und die nächsten Termine: www.kulturforum-strande.de

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen