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Geld für den Naturschutz : Wie die Natur von der Windkraft profitiert

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Neue Kreisrichtlinie für die Verwendung von Ersatzzahlungen aus der Windkraft

von
erstellt am 18.Dez.2015 | 17:10 Uhr

Mit einer neuen Richtlinie will der Kreis Rendsburg-Eckernförde Initiativen vor Ort motivieren, Ideen für Naturschutzprojekte einzubringen. Denn Geld dafür steht in den nächsten Jahren ausreichend zur Verfügung.

Dass der Bau von Windkraftanlagen das Landschaftsbild beeinträchtigt, ist unstrittig. Demzufolge hat der Bauherr gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes diesen Eingriff auszugleichen. Diese Ersatzzahlungen sind zweckgebunden und müssen für Projekte des Naturschutzes und der Landschaftspflege eingesetzt werden. Abgerufen werden die Gelder vom Kreis und müssen derzeit innerhalb von zwei Jahren, ab 2016 voraussichtlich innerhalb von drei Jahren verbraucht werden. „Sonst fallen die Gelder an das Land zurück“, sagt Michael Wittl, Leiter der Unteren Wasserbehörde. Dort würden sie zwar auch dem Naturschutz zu Gute kommen, aber nicht zwingend dort, wo der der Eingriff stattgefunden hat.

Damit die Ersatzzahlungen sinnvoll eingesetzt werden, hat sich der Kreis Rendsburg-Eckernförde jetzt eine neue Richtlinie gegeben, damit das Geld – und Wittl rechnet für die nächsten Jahre mit mehreren Millionen Euro - auch im Kreisgebiet gebunden wird.

Die Richtlinie zur Verwendung von Ersatzzahlungen für die Durchführung von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege ist am 27. November in Kraft getreten. „Ein ähnlich konkretes Regelwerk dazu gibt es im Land nicht“, so Wittl. Gemeinsam mit dem Leiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB), Falk Hurrelmann, und der Diplom-Ingenieurin der UNB, Elke Vollmer, sind darin die Voraussetzungen für eine Förderung und das Verfahren verständlich dargestellt. Elke Vollmers Aufgabe bestand zuletzt vor allem darin, den Kontakt zu den Gemeinden herzustellen, um auf den Fördertopf aufmerksam zu machen. Der Kreistag hat dafür jetzt in seiner Sitzung der Einrichtung einer Viertelstelle zugestimmt, um die Akteure vor Ort zu informieren.

„Wir fördern bis zu 100 Prozent“, sagt Falk Hurrelmann, „auch die Planungskosten“. So will man das Ehrenamt in den Naturschutzverbänden stärken. Gefördert werden beispielsweise Flächenaufkäufe, um diese für den Naturschutz aufzuwerten. Außerdem Projekte zur Renaturierung und zur Verbesserung der Wasserqualität. Ehemalige gewerbliche Flächen können mittels der Ersatzzahlungen entsiegelt werden, Streuobstwiesen angelegt oder auch Knicks neu angepflanzt werden. So wurden im vergangenen Jahr bereits 19 Hektar Flächen aufgekauft. Auch in Groß Wittensee, um damit die Verbesserung der Wasserqualität des Wittensees voranzutreiben. Aber auch Private können in den Genuss von Ersatzzahlungen kommen. Die Höhe richtet sich dann nach der wirtschaftlichen Lage des Antragstellers.

Für den Antrag bei der UNB ist eine Maßnahmenbeschreibung mit Lageplan und eine Kostenschätzung erforderlich. „Wichtig ist, dass das Projekt auf Dauer angelegt ist“, betont Hurrelmann, eine langfristige Betreuung vor Ort müsse also gewährleistet sein.

Die Höhe der Ersatzzahlungen, die ein Windkraftbetreiber leisten muss, hängt von mehreren Faktoren ab und berechnet sich nach einer Formel (s. Infokasten). Dabei spielt die Wertigkeit einer Fläche, in die der Eingriff erfolgt, eine große Rolle.

Die Denker & Wulf AG in Sehestedt hat in den Jahren 2014/ und 2015 mehrere Windparks in Schleswig-Holstein errichtet. „An Ersatzgeldern für die Kompensation des Landschaftsbildes ist eine Summe von rund 5,25 Millionen Euro zusammengekommen“, sagte Heiko Ehlers auf Nachfrage der Eckernförder Zeitung. Allein für den Kreis Rendsburg-Eckernförde betrug die Ersatzgeldzahlung in diesen beiden Jahren etwa 3,18 Millionen Euro, so der Diplom-Geograph des Windparkbetreibers. Ehlers betonte auch, dass die Ersatzzahlungen nur einen Teil der Kompensation betrifft, die Denker & Wulf für Errichtung und Betrieb einer Windenergieanlage erbringe. Die Gesamtsumme sei weitaus höher.

Zum reinen Ersatzgeld sei zu ermitteln, in welchem Naturraum die Windkraftanlage stehe – Östliches Hügelland ist teurer als Marsch – und wie hochwertig das Landschaftsbild ist. „Für eine 200 Meter hohe Anlage im östlichen Hügelland bei einem Landschaftsbild mit mittlerer-hoher Wertigkeit müsste eine Ersatzzahlung zwischen 150  000 bis 200  000 Euro an den Kreis gezahlt werden“, erläuterte Heiko Ehlers. 



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