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Lesung : Wie die 68er an Eckernförde vorbeischwappten – fast

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In der Reihe Les-Art stellt der Autor Dietrich von Horn sein Buch „Immer is’ was“ in der Stadtbücherei vor. Der ehemalige Eckernförder berichtet von seiner Sturm- und Drangzeit in einer verwirrenden, extremen und aufregenden Zeit.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 05:38 Uhr

Dietrich von Horn (68) hat seine Jugendzeit in den wilden 60er-Jahren zugebracht. Zugegeben, die sind im beschaulichen Eckernförde nicht so aufwühlend gewesen wie in größeren Städten. Doch für ein Buch über diese Zeit haben die Eindrücke Dietrich von Horns allemal ausgereicht. Herausgekommen ist ein Roman in Collagen, „lakonisch-rotzig und genau erzählt, anrührend und vergnüglich zugleich“, wie der Klappentext verrät. In der Reihe Les-Art kommt der Autor am Mittwoch, 18. September, um 19.30 Uhr in die Stadtbücherei, um aus seinem Werk „Immer is’ was“ vorzulesen.

Dietrich von Horn ist auf Gut Hohenstein auf die Welt gekommen, hat in Damp die ersten Jahre verbracht, bevor er im Alter von 16 mit seiner Mutter nach Eckernförde kam. „Es war genau die Zeit meiner pubertären Prägung“, sagt Dietrich von Horn. Deshalb spielen große Teile seines Romans in Eckernförde, Kappeln und Schwansen. Es ist die Geschichte eines Heranwachsenden und dessen Scheiterns, immer wieder. Schon die Schule klappte nicht so richtig. „Es ist nicht gut gelaufen, ich war zu faul und zu dusselig“, sagt von Horn. Er sei dort mehr oder weniger von alten Nazis erzogen worden. Mit der Lehre bei der Kreisverwaltung Eckernförde kam er diesbezüglich vom Regen in die Traufe. „Es war noch eine Zeit, in der die alten Nazis an den Schalthebeln waren.“ Im Buch schildert der Autor genau, was es in diesem Zusammenhang mit dem Landrat Mentzel und dem Ministerpräsident Lemke, ehemaliger Bürgermeister Eckernfördes, auf sich hatte. Und welche Abscheu dabei in ihm wuchs. Gleichwohl hat er den Realschulabschluss in Kappeln gemacht und seine Lehre beendet. Vielleicht, weil „die 68er-Zeit im Grunde an Eckernförde vorbeigeschwappt“ ist. Das zeigt eine seiner Erinnerungen, die Dietrich von Horn heute schon fast als absurd empfindet: Bei einem Besuch Kurt Georg Kiesingers in der Stadt traute sich nur ein einziger junger Mann, dem Bundeskanzler das Wort „Mörder“ entgegenzuschleudern – obwohl die gesamte Revolte sich mit dem Empfang des Schahs durch Kiesinger 1967 zu radikalisieren begann.

Doch dieser mutige junge Mann war nicht Dietrich von Horn. Gleichwohl er heute sagt, dass er mit dem Aufbegehren der Jugend auch selbst damals endlich etwas durchatmen konnte, war der junge Dietrich eher ein „Ritter der verträumten Sorte“ auf der Suche nach seiner Prinzessin. Die trifft er im Buch und in der Realität erst mit 26 Jahren. Dazwischen ist also noch Zeit, direkt aus dem Leben zu erzählen und damit „pointiert die Befindlichkeit einer ganzen Generation“ zu treffen, wie es in der Ankündigung seiner Lesung heißt.

Der Titel „Immer is’ was“ bedeutet für die arme Mutter Dietrichs nicht nur, dass sie sich immer Gedanken um ihren Jungen machen muss („Die Zeit der Spinnereien ist jetzt vorbei!“), sondern dass jeden Tag wieder etwas Neues auf ihn einstürmt. Sei es das Erscheinen der Beatles-Platte „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ – für den jungen Mann ergreifend. Aber: „In Eckernförde trugen die Männer immer noch Hüte und Mäntel mit Pepitamuster“ – da verglichen sie von Horn, der den Button „Make love not war“ am Revers trug, mit Rudi Dutschke.

Dietrich von Horn ist trotz allen Scheiterns Lehrer geworden, lebt heute pensioniert in Bargteheide. 2011 gewann er mit seinem Debütroman aus der norddeutschen Provinz „Aber sonst ist eigentlich nicht viel passiert“ den „Hamburger Abendblatt“-Roman-Wettbewerb. „Immer is’ was“ ist im Mai erschienen und Anfang August sein neuestes Buch „111 Gründe, Lehrer zu sein“, bestehend aus 111 kurzen Geschichten.

Auf die Autorenlesung in der Stadtbücherei freut er sich besonders: „Ich habe eine große Sehnsucht nach Eckernförde in mir“, sagt Dietrich von Horn. Der Eintritt kostet fünf Euro.

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