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Eckernförder Zeitung

18. November 2017 | 07:41 Uhr

Wie der Adler zum Symbolträger wurde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der König der Lüfte steht für Macht und Stärke und wurde als Gottesvogel verehrt / Auch der Löwe zählt zu den kultisch verehrten Tieren

Eckernförde | Wir kennen sie, die Piktogramme. Dabei verwundert es immer wieder, was man so alles mit Piktogrammen auszudrücken vermag. Ein Piktogramm steht als ein Zeichen für eine verkürzte, bildhafte Information zu einem Sachverhalt mit unmittelbar einsichtiger Bedeutung wie beispielsweise jene kleine blinkende Tafel, die fallweise eine höhere als erlaubte Geschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften mit Merkelmiene tadelt. Im Nachfolgenden geht es jedoch um Symbolträger deren Ursprünge Jahrtausende zurückreichen. Es sind dies Adler und Löwe.

Der Adler, der edelste aller Jagdvögel, erschien Machthabern wie Priestern so bedeutsam, dass sie ihn als Gottesvogel zum Staatssymbol wählten und auf Münzen prägten. Das aus nachvollziehbarem Grund. Befähigt, wie kein anderes Lebewesen höher im Himmel aufzusteigen, genoss der Adler in allen Kulturkreisen eine mythische, religiöse Verehrung, war er doch dem Himmel, den Göttern, so nahe.

Er stieg einst über dem Zweistromland auf, fand seinen Weg von den Babyloniern zu Persern, Indern, Juden weiter zu den Griechen und Römern als Zeichen der höchsten Gottheit, später als Feldzeichen römischer Legionen. Karl dem Großen diente er als kaiserliches Hoheitszeichen. Die Adler-Tradition setzte sich danach nahezu in allen deutschen Gebietskörperschaften als Staatssymbol fort: Lediglich die Deutsche Demokratische Republik schlug mit Hammer & Zirkel aus der Art.

Auch der religiöse Bezug des Adlers blieb bis heute erhalten. Er gilt in der christlichen Ikonographie als Synonym für die Auferstehung.

Der Adler in der heutigen Dienstflagge (Staatswappen) entspricht dem Vorbild aus den 1920-er Jahren. Über die Ausgestaltungen des Bundesadlers gibt es jedoch keine Vorgaben. So kommt es zu einer Vielzahl von künstlerisch zum Teil eher fragwürdigen Adler-Darstellungen. Dazu gehört der als „fette Henne“ verspottete pralle Adler im Bundestag, dem es vermutlich kaum gelingen wird so hoch zu steigen, dass er den Göttern nahe kommt – ebenso wenig wie jenes ausgehungerte Federvieh, das auf so manchen Gedenkmünzen abgebildet ist.

In neuerer Zeit drangen andere, von einer Symbolwirkung ehemals völlig unbeachtete Tiere in das öffentliche Bewusstsein. Sie stehen allesamt für den Arten- und Naturschutz. Unter diesen Symbolträgern sticht die Bedeutung des Eisbären weltweit hervor. Er steht wie kaum ein anderes Tier als Mahnung vor den Folgen des ungebremsten Klimawandels. Lokale Tierarten wie beispielsweise die Großtrappe, verhalfen seinerzeit Planern von Bahntrassen zu Albträumen. Bei anderen Bauvorhaben bedurfte es dazu keiner Großtrappen, Fledermäuse oder Kröten taten es auch, weil auch hier die Auflagen des Artenschutzes nachträglich berücksichtigt werden mussten.

Als frevelhaft gilt, das Lebensumfeld eines Adlers zu beeinträchtigen. Seine mythische Bedeutung zeigt der unsensiblen Ausbreitung von Windkraftanlagen ihre Grenzen auf.

Der Löwe, ebenfalls ein Vertreter kultisch verehrter Tiere stand seit dem Altertum als Sinnbild für imperiale Macht zum Beispiel in Ägypten als Sphinx. Als Symbol der Tapferkeit ziert er imposante Schlossanlagen und weist als Denkmal wie als Namenszusatz mittelalterlicher Regenten auf deren historische Bedeutung hin. Damit ging er als eines der am häufigsten dargestellten Tiere in die Wappenkunde ein.

Von seiner einst imperialen Position herabgestuft findet er sich manchmal als etwas zu groß geratene Gipsfigur vor Eingängen zu Restaurants wieder. Da regt sich schon Mitleid - mit dem Symbol.


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