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Ein besonderes Familienunternehmen : Wie aus Speiseresten Strom erzeugt wird

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Firma Umweltservice Wiese verarbeitet täglich 50 bis 100 Tonnen organische Abfälle aus ganz Schleswig-Holstein. Die Brüder Michael und Carsten sorgen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Betreibes.

Osdorf | Sie sind ein regionales Entsorgungsunternehmen, sammeln und verarbeiten organische Abfälle und erzeugen daraus in eigener Verwertungsstrecke Strom, Wärme und organischen Dünger. Den Strom speisen sie ins örtliche Netz ein. „Somit versorgen wir die umgebenden Ortschaften mit ökologisch erzeugtem Strom und helfen der Umwelt“, sagt Carsten Wiese. Als Entsorgungsfachleute betreiben er (43) und sein Bruder Michael (40) die Firma Umweltservice Wiese in der Noerer Straße in Osdorf mit heute neun Mitarbeitern in zweiter Generation.

Nachdem sich ihr Vater Peter Wiese aus der Firma zurückgezogen hat, präsentiert sich die frühere Wiese Biogas und Bioenergie KG seit Januar 2014 in anderer Rechtsform und mit dem neuem Namen Wiese Umweltservice GmbH & Co KG. „Wir vergrößern uns ständig“, erzählen die beiden. Begonnen hat die Geschichte des Familienunternehmens 1972. Damals durften Speisereste noch an Schweine verfüttert werden. Peter Wiese sammelte Speisereste für seine Schweinemast und legte so den Grundstein für das heutige Unternehmen. Anfang der 80er Jahre regelte ein neues Gesetz, dass nur noch zerkleinerte und aus hygienischen Gründen über 90 Grad erhitzte Speisereste an Schweine verfüttert werden durften. Ende der 90er Jahre mussten Aufbereitungsanlage und eigentlicher Betrieb getrennt werden. Also bauten sie 1998 eine neue Halle. 2006 kam die nächste Auflage. Speisereste durften gar nicht mehr an Schweine verfüttert werden. Alternativ nahmen sie die Biogasanlage in Betrieb.

Das Firmengrundstück liegt genau auf der Gemeindegrenze zwischen Osdorf und Noer. Die Aufbereitungsanlage steht auf Noerer Gemeindegebiet, die Biogasanlage auf Osdorfer Gemeindegebiet, wie die Brüder bei einem Rundgang über das Betriebsgelände zeigen. „Deshalb müssen, wenn wir uns verändern wollen, immer beide Gemeinden mit ins Boot geholt werden“, erklären sie. Von ihren Kunden aus den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg, Kiel, Plön und Neumünster erhalten sie 50 bis 100 Tonnen organische Abfälle täglich. In Schleswig-Holstein sei das saisonal bedingt unterschiedlich. Im Winter weniger, im Sommer mehr. Die Abfälle werden aus den Tonnen in ein Becken gekippt, die Tonnen anschließend gereinigt und desinfiziert. Über eine Förder-Schnecke gelangen die Abfälle auf einem Sortierband in die Zerkleinerungsanlage. Fremdmaterialien werden aussortiert. „Nur 100 Prozent organische Abfälle werden in die Zerkleinerungsanlage gelassen“, erklärt Carsten Wiese. Die zerkleinerten Abfälle gelangen über einen Mischbehälter in den Hygienisierungsbehälter, wo sie auf 71 Grad Celsius erhitzt und eine Stunde auf Temperatur gehalten werden. Anschließend entsteht im Fermenter aus der Masse Biogas, das Gas wird verstromt und der Strom ins Netz eingespeist. Die Anlage läuft vollautomatisch. Mais und Gülle verwenden sie gar nicht. Mittlerweile bieten sie auch die Entsorgung von Glas, Pappe und gemischte Siedlungsabfälle über Partnerfirmen an. Darüber hinaus sind sie zertifiziert, organisches Altfett abzunehmen. Es kommt in 150-Liter-Behältern an, wird in Tonnen umgefüllt, verplombt, mit dem Namen des Kunden versehen, nach Holland in eine Fettschmelze gebracht, dort zu Biodiesel aufbereitet und an Raffinerien verkauft. Dabei muss der ganze Weg nachvollziehbar sein. Zu 100 Prozent. Sie bieten Fettabscheiderreinigung und Generalinspektion an. „Wir sind stolz eines der letzten verbleibenden Familienunternehmen in Schleswig-Holstein zu sein, das Lebensmittelabfälle noch selbst verwertet“, betonen Carsten und Michael Wiese. „Über die Jahrzehnte sind wir als ortsansässiger Betrieb mit der Region und unseren Kunden zusammengewachsen.“




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