Umwelt-Projekt : Wie aus Biomüll wertvolles Gas wird

Leicht herzustellen und zu warten ist die Biogasanlage, die Simon Lange (l.) und Jorma Görns für ihre Schule gebaut haben. Abfälle aus der Cafeteria werden darin zu Gas verwandelt.
Leicht herzustellen und zu warten ist die Biogasanlage, die Simon Lange (l.) und Jorma Görns für ihre Schule gebaut haben. Abfälle aus der Cafeteria werden darin zu Gas verwandelt.

Abiturienten des Gymnasiums Altenholz konstruieren Biogasanlage für ihre Schule / Nachahmung erwünscht / Morgen Vortrag für Interessierte

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29. Januar 2015, 06:00 Uhr

Altenholz | Sie sind beeindruckend groß und schon von weitem durch ihre grünen Kuppeln zu sehen – Biogasanlagen ziehen sich durch das ganze Land. Dass sie auch in kleinerem Ausmaß einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, beweisen Jorma Görns und Simon Lange vom Gymnasium Altenholz. Im Schulgarten haben die beiden Abiturienten eine Biogasanlage gebaut, die die Küchenabfälle der Cafeteria in Gas umwandelt.

Auf der Suche nach einem Auslandsaufenthalt stieß Jorma Görns im vergangenen Jahr auf Thomas Henry Culhane. Der Professor hat sich die Verbesserung der Lebenssituation für Menschen in Regionen mit schlechter Infrastruktur auf die Fahnen geschrieben. Ein Projekt: der Bau von kleinen Biogasanlagen, mit deren Hilfe gekocht werden kann. Anderthalb Wochen begleitete Jorma Görns ihn in Brasilien und packte beim Bau einer 16-Kubikmeter-Anlage an einer Schule in Rio mit an. Schon vor seiner Abreise arbeitete er mit Simon Lange an einem eigenen Modell. Von einem Landwirt besorgten sie sich einen Container und Hühnermist. Das ganze isolierten sie mit Dämmwolle und verkleideten es mit Holz. „Der Dämmwert hat Passivhaus-Standard“, sagt Simon Lange und klopft auf den hölzernen Würfel im Schulgarten. Darunter verborgen ist der Plastik-Behälter mit 100 Litern Gülle, die mit 900 Litern Wasser verdünnt wurden. Durch eine Öffnung im Deckel werden die Essensreste und Küchenabfälle aus der Cafeteria eingefüllt, die vorher durch einen Häcksler geschickt werden. „Die Bakterien aus der Gülle zersetzen die Abfälle, dabei entsteht in mehreren Schritten Gas“, erläutert Jorma Görns. Das könnte beispielsweise in Fahrradschläuche abgefüllt von den Schülern mit nach Hause genommen werden, um einen Gaskocher zu befeuern, so der 19-Jährige weiter. „Alternativ könnte damit auch ein kleiner Gasmotor betrieben werden für eine Handyladestation“, schlägt Simon Lange vor. Ideal wäre es, in der Schulküche damit zu kochen, finden beide. Doch das Verlegen einer Leitung wäre zu aufwendig, haben sie festgestellt.

Nicht nur der Bau der Anlage ist „super einfach“, auch der Betrieb ist unkompliziert. Alle vier bis fünf Jahre muss der Bodensatz des Behälters ausgeschabt werden. „Das ist dann bester Dünger“, erklärt Jorma Görns. Er und Lange hoffen, dass sich Mitschüler finden werden, die nach ihnen die Anlage betreuen – beide machen im Sommer Abitur. Es könnten noch viele Projekte um die Biogasanlage initiiert werden, geben die jungen Tüftler zu bedenken. So könnte das gewonnene Gas in seine Bestandteile zerlegt und analysiert werden, die Anlage könnte durch ein Solarpaneel ergänzt werden, und auch eine komplette Automatisierung der Arbeitsschritte wäre denkbar, skizziert Lange (19).

Mit ihrem Projekt haben sie im vergangenen Jahr beim Bundesumweltwettbewerb des Kieler Instituts für Pädagogik in Naturwissenschaften (IPN) den mit 250 Euro dotierten Förderpreis eingeheimst. Im März wollen sie es erneut dort versuchen, haben ihre Dokumentation dafür beispielsweise um Messwerte ergänzt. Auch bei der vom World Wildlife Fund (WWF) organisierten Schülerakademie 2°Campus in Berlin haben die beiden Altenholzer ihre Anlage vorgestellt. Am Freitag halten sie einen Vortrag im Foyer der Schule, zu dem interessierte Gäste willkommen sind. Denn so eine Anlage sei für Privathaushalte durchaus lohnenswert, sind Görns und Lange überzeugt.

Nach dem Abi will Jorma Görns mit Professor Culhane weitere Biogasanlagen in Mexiko bauen. Ein Jahr plant er dafür ein. „Danach würde ich gern im Ausland studieren, aber ich weiß noch nicht was“, sagt Görns. Simon Lange dagegen hat sich schon entschieden – für Maschinenbau, Schwerpunkt Fahrzeugbau und Elektromobiliät.

Stefan Deppenbrock, Lehrer der beiden Schüler im Physikprofil, ist begeistert von solchem Engagement. Simon Lange und Jorma Görns seien wahnsinnig interessiert und fielen durch ihre Ideen und Neugierde auf die Welt auf. „Das hat Vorbildfunktion für andere Schüler“, steht für Deppenbrock fest.

> Der Vortrag am Freitag beginnt um 9.20 Uhr.

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