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Eckernförder Zeitung

19. November 2017 | 13:42 Uhr

Wetterzeichen und christliches Symbol

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

In Eckernförde gibt es für aufmerksame Spaziergänger noch gut ein Dutzend Windfahnen zu entdecken

von
erstellt am 09.Mai.2017 | 06:17 Uhr

In diesen Tagen ist der schmiedeeiserne Wetterhahn von St. Nicolai wegen Restaurierungsarbeiten am Dach im Inneren der Kirche zu besichtigen. Dabei wird deutlich, wie groß ein solches Wahrzeichen gestaltet werden muss, um es auf der Turmspitze weithin zu erkennen (in Eckernförde ca. 100 mal 80 Zentimeter). Für das gewählte Symbol „Hahn“ sind mehrere Gründe anzunehmen: Auf einem Bauernhof sucht der Gockel immer einen besonders erhöhten Platz, um mit seinem „Kikeriki“ zu wirken, zudem beginnt er mit frühem Krähen den langen Arbeitstag der Menschen auf dem Dorf. Uns vertrauter ist das religiöse Motiv für die Wahl des Wetterhahnes auf dem Kirchturm: Jesus hat Apostel Petrus geweissagt „Ehe der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen“ ( Matthäus 26); dies traf tatsächlich ein, und ein beschämter Petrus predigte daraufhin den christlichen Glauben bis zu seinem Märtyrertod.

Windfahnen – aus Metall wie aus Stoff – gab es schon in der griechischen Antike, in Mitteleuropa seit dem 18. Jahrhundert. Heute noch am häufigsten erhalten sind sie aus den Jahren um 1900. Ein besonders schönes Denkmal ist auf dem Torhaus von Gut Damp zu sehen: Die schmiedeeiserne Arbeit zeigt kunstvolle Rankenmotive und zwei stilisierte Drachen im unteren Bereich, nach oben abgeschlossen von einem Drehkreuz mit die Himmelsrichtung anzeigenden Buchstaben W, O, S, N. Die Fahne darüber zeigt die noch nicht aufgelösten Initialen KR, LR und CR und die Jahreszahl 1908. Das Torhaus entstand wahrscheinlich um 1640, wichtige Besitzer sind die von Reventlow, wobei mit den Initialen KR Klaus von Reventlow (1834 – 1914) gemeint sein könnte. Deutlich werden in Damp die Funktionen eines „Wetterkreuzes“: Es liefert kurzfristige Wettervorhersage, ist Haus- und Schutzzeichen und malerischer Zierrat eines bedeutenden Gebäudes.

Naheliegend ist, dass Windfahnen in Hafenstädten die Silhouette eines Schiffes zeigen. Wieder gibt es, neben Werbung für Berufe (Kaufmann, Reeder), einen religiösen Grund für die Motiv-Wahl: Das Schiff ist unterwegs zum Hafen Gottes, Mast und Rahe sind Symbol für das Kreuz Christi. Eckernförde besitzt zwei besonders schöne und wertvolle schmiedeeiserne Wetterfahnen. Die eine, mit der Datierung 1719, zeigt ein Segelschiff mit zwei Luken-Reihen für Kanonen. Das Kriegsschiff mit drei fahnengeschmückten Masten und einem Drachenkopf am Bug schmückte einst das um 1800 erbaute, 1900 von der Holstenbank veränderte und 1926 von der Kirche erworbene Lutherhaus. Das Datum 1719 ist noch nicht gedeutet – heute ist die Schmiedearbeit Schmuck eines Wohnhauses in der Langebrückstraße 13.

Eine schmiedeeiserne Windfahne, nun als Handelsschiff mit angedeuteten Seemännern an Bord gestaltet, findet sich an der Turm-Spitze der 1912 bis 1915 erbauten „Diederichsen Stiftung“ des Deutschen Flottenvereins (später „Koester Heim“, heute Waldorfschule). Der golden glänzende Dreimaster unter vollen Segeln gehört zu den schönsten Denkmälern dieser Art in Schleswig-Holstein. Die Waldorfschule setzt das Motiv für ihre Publikationen als Logo ein.

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