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Eckernförder Gespräche : Wer Öko will, muss mehr bezahlen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eine Podiumsdiskussion über die Überdüngung der Ostsee hat das Green-Screen-Festival eingeleitet. Mit dabei: Umweltminister Robert Habeck. Sein Fazit: Wenn die Gesellschaft eine ökologisch produzierende Landwirtschaft will, muss sie auch dafür bezahlen.

Die Ostsee ist krank. Russische Hühnerfabriken, dänische Schweinemastbetriebe, polnische Riesenfarmen – sie alle leisten ihren Beitrag zum langsamen Dahinsiechen des baltischen Meeres durch Überdüngung. Das Ausbringen der Gülle ist einer der Hauptgründe. Selbst wenn die Verursacher viele Kilometer von der Küste entfernt agieren, gelangen Phosphate und Nitrate über Erosion und das Grundwasser ins Meer. Auch Deutschland ist beteiligt, wenn auch nicht so schlimm wie die Ostblockstaaten.

Was kann man gegen das langsame Sterben der Ostsee machen? Diese Frage wurde bei den Eckernförder Gesprächen am Vorabend des Green-Screen-Festivals am Mittwoch in der Galerie 66 gestellt. Auf dem Podium vor 160 Zuschauern: Landesumweltminister Dr. Robert Habeck (Grüne), SPD-Europaabgeordnete Ulrike Rodust, Kreisbauernverbandsvorsitzender Klaus-Peter Lucht, Professor Rainer Horn von der Universität Kiel und Eckernfördes Touristik-Chef Stefan Borgmann. Souverän geleitet wurde die Green-Screen-Veranstaltung von Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde, und Mitglied der Initiative Global Marschall Plan. Grundlage war der Film „Dirty Waters“ des Schweden Folke Ryden, aus dem zwei Abschnitte mit erschreckenden Bildern gezeigt wurde. Über zwei Stunden wurde über sie diskutiert.

Klaus-Peter Lucht verteidigte die Landwirtschaft, die sich bemühe, mit der Politik zusammenzuarbeiten und schon jetzt Gewässerschutzberatungen durchführe. Jedoch müsse die Gülle besser im Land verteilt werden. Er schlug eine „Güllebörse“ vor, machte aber auch gleich deutlich: Wenn landwirtschaftliche Betriebe überleben wollen, müssen sie wachsen, um im Preiskampf überleben zu können.

Obwohl sich dieses System über Jahrzehnte so entwickelt habe, stellte Ulrike Rodust die Frage „Müssen wir eigentlich immer nur wachsen, wachsen, wachsen?“ Jeder einzelne müsse sich die Frage stellen, ob es richtig ist, immer möglichst billige Nahrungsmittel zu kaufen und die Landwirtschaft damit zu zwingen, möglichst billig zu produzieren. Für den Schutz der Umwelt gebe es gute Gesetze und Vorschriften, jedoch viel zu wenig Kontrollen.

Robert Habeck bestätigte: „Wenn die Gesellschaft will, dass die Landwirtschaft ökologisch produziert, dann muss sie auch bereit sein, mehr dafür zu bezahlen.“ Ansonsten sei die ganze Debatte verlogen. Er brachte das Beispiel vom Speiseeis, für das der Verbraucher heute ohne zu murren doppelt so viel bezahlt, wie noch vor 20 Jahren, aber bei der halb so teuren Milch über den hohen Preis klagt. „Auch nicht-ökonomische Güter wie die Ostsee haben einen Wert, den wir in käufliche Produkte einpreisen müssen.“

Professor Rainer Horn gab den wissenschaftlichen Hintergrund. Zwar könne man einen Nährstoffeintrag ins Meer aufgrund der natürlichen Bodenbeschaffenheit nicht verhindern, jedoch durch überlegtes Handeln einschränken. Begrenzen müsse man dringend den Trend, Futtermittel aus dem Ausland zuzukaufen, um mehr Tiere zu halten, während die dadurch mehr entstehende Gülle bei uns im Land bleibe. Horn bestätigte, dass der Mensch auf dem Weg ist, sich immer weiter vom ökologischen Gleichgewicht zu entfernen.

Touristiker Stefan Borgmann hat „am Ende der Nahrungskette“ wenig Einflussmöglichkeiten auf den Nährstoffeintrag in den Boden und das Meer. Dennoch stand für ihn fest: „Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung“. Und da kommt er doch noch ins Spiel, indem er Einrichtungen wie das Naturfilmfestival Green Screen, wo solche Einsichten entstehen können, unterstützt.

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erstellt am 06.Sep.2013 | 06:14 Uhr

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