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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 05:42 Uhr

Wer fürchtet sich vorm Schwarzen Mann?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Durchschlagender Erfolg oder: Wenn eine Kaminkehrerkugel sich selbstständig macht

von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Hansen (Name von der Red. geändert), ein ehemaliger Nachbar, jetzt in einem Verdachtsgebiet wohnend, hatte sich in seinen Bungalow nachträglich einen antiken französischen Kamin eingebaut. Für ihn als Maurer ein Klacks. Allerdings hatte er aufgrund der Dicke der Luftschutzdecke auf einen Durchbruch in den Keller verzichtet. So begann der Abzug unmittelbar über dem offenen Kamin im Wohnzimmer, nicht wie sonst üblich bei anderen Bauten in dieser Wohngegend im Keller.

Als nun der Schornsteinfeger beim ersten Kaminkehren sein Geschirr in den neuen Kamin rauschen ließ, ahnte er nicht, was er damit anrichtete (falsch ausgelotet, in der Schlotlänge verschätzt): Die Eisenkugel, die mit ihrem Gewicht, viel zu langem Draht und Besen nach unten zog, fiel durch den Schacht ins Wohnzimmer, kippte auf dem Weg dorthin die angestellte Kaminklappe aus der Verankerung, durchschlug den Gussrost, wirbelte den Inhalt des Aschenkastens nebst des Rußabriebs des Abzuges auf und hüllte das Wohnzimmer mit einem Dreifachknall in schwarzen Nebel.

Das zurückfedernde Bodenblech des Aschekastens gab der Kugelwucht eine andere Richtung, katapultierte sie aus der Feueröffnung des Kamins, wobei sie die Glimmerglastür zerdepperte, das Ziergitter der schmiedeeisernen Ofenklappe aus den Angeln riss, vor der Feuerstelle noch einmal auf die Marmorplatte aufditschte, was die italienische nicht überstand, in sich zersplitterte, um dann in einen zur Kaminöffnung stehenden Clubsessel zu springen, Platz zu nehmen.

Die Frau des Hauses hatte gerade das Frühstücksfernsehen genossen, umgeschaltet auf eine Wiederholungen von Gute auf Böse Zeiten oder von Salisch auf Sturm der Liebe. Hatte dem Kamin dabei den Rücken zugewandt, bekam einen akustischen Schock (beim Anblick der Eisenkugel fühlte sie sich zeitversetzt, dachte ihr Haus wäre von der Gefion beschossen worden!).

Ganz anders ihr Schoßhund, der im zweiten Sessel hockte, aber dem Kamin zugewandt von der Schornsteinfegerkugel nun direkt getroffen wurde. Luftschutzverhalten zeigte, jaulend in den Keller stürzte (bei dem konnte nicht viel kaputt gehen, denn der war schon von Schnauze auf Maul umgezüchtet worden!).

Der herbeigerufene Hausherr holte erst einmal den Schwarzen Mann, seinen Glücksbringer, vom Dach, faltete den zusammen und machte ihn verbal platt. Zu Tätlichkeiten kam es nicht, weil der Kaminkehrer sich den Hansen mit seinem Schultereisen vom Leib hielt.

Der herbeigerufene Bezirksschornsteinfeger bemühte sich um Frieden und Schadensbegrenzung, indem er versuchte, das, was sein Geselle zerdeppert hatte, mit einem Schraubendreher wieder in Ordnung zu bringen. Doch der angerichtete Schaden lag außerhalb seines Ermessensspielraumes, auch das mitgebrachte Werkzeug und seine Fähigkeiten reichten da nicht aus. Es wäre besser gewesen, er wäre gleich mit einer Mulde angetanzt.

Schließlich hat die Versicherung fast alles zur Zufriedenheit aller schadlos geregelt. Nur die persönliche Freiheit der ehemaligen Nachbarn ist durch diesen Schornsteinfegereinsatz etwas eingeschränkt worden. Die Wochenendfahrten mit ihrem Wohnmobil, bei denen sie die Ostseeküstenstreifen nach Bernstein abgrasten, können sie sich die Hansens in den Schornstein schreiben. Denn ihr Hund sitzt seit diesem Vorfall immer noch im Keller!

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