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Lachendes und weinendes Auge : Wenn’s dem lieben Nachbarn nicht gefällt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gudrun Teuteberg-Tammling feiert 30-jähriges Bestehen ihres Kunst-Cafés / 71-Jährige muss Sommerterrasse für den Cafébetrieb schließen

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erstellt am 27.Jun.2015 | 06:07 Uhr

Eigentlich hätte es am kommenden Dienstag ein unbeschwertes Jubiläumsfest werden sollen, doch Gudrun Teuteberg-Tammling ist so gar nicht nach Freude zumute. Die Inhaberin des beliebten Kunst-Cafés in Fleckeby muss ihre Sommerterrasse in Kürze schließen. Ihr Widerspruch ist vom Schleswiger Oberverwaltungsgericht abgelehnt worden. „Ich warte jetzt täglich auf den offiziellen Bescheid“, sagte die 71-Jährige, dann könne sie dort keine Gäste mehr mit Kaffee und ihren selbst gebackenen Kuchen und Torten bedienen. Gut 30 Sitzplätze mit Blick auf den liebevoll angelegten Rosengarten und die Hüttener Berge fallen dann künftig weg. Dass es irgendwann so weit kommen musste, weiß sie schon seit einigen Jahren. Doch bislang ist es ihr und ihrem Anwalt immer wieder gelungen, die Schließung aufzuschieben. Der Kreis hat dies „still geduldet“. Das Problem: Für die rund 35 Quadratmeter große Terrasse liegt keine baurechtliche Genehmigung vor. Dabei verweist Gudrun Teuteberg-Tammling auf die Bauskizzen, in denen die Terrasse eingezeichnet ist. „Ich habe sogar Konzessionsgebühr für die Terrasse bezahlt“, sagt sie. Allerdings habe wohl der Begriff Terrasse in dem ersten Antrag gefehlt. Vermutlich wäre das alles nicht aufgefallen, wenn ihr Nachbar, der Jurist Ulrich Wehner, mal beim Kreis nachgefragt und Akteneinsicht verlangt hätte. Dabei sei er dann auf den Fehler aufmerksam geworden und hat den Kreis auch darauf hingewiesen. Auf EZ-Nachfrage sagte Wehner schon damals, dass ihn vor allem die Ausmaße, die das Café im Laufe der Jahre angenommen hätte, störten. Er sprach von knallenden Autotüren, Bussen, die die Straße blockierten. Für ihn völlig unverständlich: Warum überhaupt ein Café in einem Wohngebiet entstehen durfte.

Ganz schließen muss Gudrun Teuteberg-Tammling ihr Kunst-Café aber nicht, das habe Bestandsschutz. Ein Jurist spricht von einer baulichen Teilnutzungsuntersagung für die Terrasse. „Ich mache weiter“, betont sie kämpferisch. Auch wenn sie weiß, dass es schwierig wird, das Café ohne die Außenplätze wirtschaftlich zu betreiben. Den Zuspruch vieler Gäste und Anwohner hat sie. Rund 1000 Unterschriften sammelte sie von Leuten, die sie in ihrem Rechtsstreit mit dem Kreis unterstützten, und die jetzt froh sind, dass es auch nach 30 Jahren weitergeht.

Als Gudrun Teuteberg-Tammlung vor 30 Jahren das Café eröffnete, war sie die Vorreiterin der Landcafé-Kultur. Begonnen hatte alles in Rottberg bei Gelting. Mit eigener Seidenmalerei, Stickereien und Schmuckarbeiten präsentierte Gudrun Teuteberg-Tammling schon vor mehr als 30 Jahren Kunstgewerbe in ungewohntem Rahmen. Die Hauswirtschafterin und Bäuerin stellte im Pferdestall des Hofes regelmäßig Ausstellungen und Weihnachtsmärkte auf die Beine. Die Kontakte, die sie bereits damals zu renommierten Kunsthandwerkern unterhielt, dauern bis heute an. Künstler wie Günther Ettinger und Dörte Nürnberg gehören auch 30 Jahre später noch zu den Ausstellern, die im Fleckebyer Kunst-Café regelmäßig ihre Arbeiten zeigen.

Am 30. Juni 1985 eröffnete sie ihr Café in Fleckeby. Anfangs musste improvisiert werden, denn Wohn- und Esszimmer dienten vorerst als Ausstellungsraum. Gudrun Teuteberg-Tammling setzte von Anfang an auf hohe Qualität, elegantes Design und ein stimmiges Ambiente. Auf Vielfalt legt Gudrun Teuteberg-Tammling viel Wert. Neue Dekorationsideen, die nicht überall zu haben sind, sind daher bei den Weihnachts- und Ostermärkten eine Selbstverständlichkeit. Das Grundstück ums Haus, das sie beim Einzug vorfand, verwandelte sie mit Akribie und Leidenschaft in einen prachtvollen Rosengarten. Längst ist das Kunst-Café weit über die Grenzen Fleckebys und des Kreises hinaus im ganzen Land bekannt und zu einem beliebten Ausflugsziel geworden.

„Ich habe immer gerne gearbeitet“, sagt die 71-Jährige. Sie habe nie bereut, den Beruf gewählt zu haben, es nie als Belastung empfunden.

Am Dienstag, 30. Juni, lädt sie von 11 bis 13 Uhr zu einem Empfang in ihr Café. Sie rechnet mit vielen Gästen, die ihr für ihr Lebenswerk gratulieren sollen. Viel Zuspruch wird sie dann auch bekommen – Zuspruch und Unterstützung für die Zukunft. 

 

>Kunst-Cafe Fleckeby, Auf der Höhe 10, Tel. 04353/742.

 

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