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Eckernförder Zeitung

15. Dezember 2017 | 22:47 Uhr

Theater : Wenn Liebe in Hass umschlägt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Theatergemeinschaft hatte berühmte Gäste: Martin Semmelrogge und Susann Fabiero haben sich in „Der Rosenkrieg“ auf der Stadthallenbühne die Köpfe eingeschlagen.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 06:25 Uhr

Eckernförde | Was einst in Liebe begann, endet nach 17 Ehejahren im Desaster. Eigentlich ist das eine traurige und gar nicht so ungewöhnliche Geschichte, aber als Theaterstück von Warren Adler – vielen bekannt als Film „Der Rosenkrieg“ – füllte sie am Sonnabend die gesamte Stadthalle.

Viele Szenen schienen den Zuschauern aus eigener Erfahrung bekannt – Vergnügen, und wissende Anteilnahme verführten zu lautem Lachen. Viele „spielten“ auch mit, machten spontan Vorschläge zu weiteren „Entsorgungsmöglichkeiten“, vermuteten hörbar, was gleich passieren würde, und was der enorme Lärm hinter der Bühne bedeuten könnte. Kurz: Das Publikum war ganz dabei.

Die komödiantisch verpackte Story: Susann Fabiero und Martin Semmelrogge spielen Oliver und Barbara Rose („Rosenkrieg“), ein wohlhabendes Ehepaar mit zwei Kindern im Internat, versehen mit allen luxuriösen Attributen wie großem Traumhaus, Antiquitäten, Ferrari, hoch kostbaren Weinen und Orchideensammlung. Man bemerkt schnell: Es fängt gewaltig an zu bröckeln.

Sie – gelangweilt und unausgefüllt – möchte sich mit einem edlen Catering-Unternehmen selbstständig machen. Er sieht sie lieber weiter abhängig und im Haus. Sie verlangt die Scheidung, beansprucht das Haus, er will nicht ausziehen, die Handlung explodiert.

Beide haben „exquisite“ Anwälte, denen es aber vor allem um das Stundenhonorar geht – amüsierlich und als Typen perfekt gespielt von Karl-Heinz Dieckmann und Manfred Molitorisz.

Bei Rosens findet kaum noch verbale Kommunikation statt, der Konflikt verschärft sich immer mehr, das Mitgefühl für den Anderen geht verloren. Handfeste Drohungen, offene Feindschaft und hinterhältige Racheakte beschleunigen die Lawine. Obwohl eigentlich traurig, muss man doch ständig lachen über diese immense Anzahl von Un-Taten, über den fiesen Erfindungsreichtum, über die schauspielerisch so gekonnte Umsetzung der Akteure. Für die abwechslungsreiche Vielzahl heftigster Schimpfwörter hätte man sich ein Vokabelheft anlegen mögen.

Barbaras geliebte Katze muss dran glauben, Olivers Ferrari wird zerdeppert, sein geliebter Hund Benny wird vergiftet (Martin Semmelrogges Hund Buddy spielte live mit), die Orchideen geben’s dran, zwei antike Figuren mit hohem Erinnerungswert gehen zu Bruch. Und besonders „schön“: Sie lädt den russischen Botschafter und einen französischen Gourmetkritiker aus Marketinggründen zum festlichen Dinner. Oliver macht sich fix vorher in der Küche zu schaffen, pinkelt auf den Fisch und rührt Abführmittel in die Mousse. Denkbar heftige Szenen folgen. Kampf bis aufs Blut, es geht um Leben und Tod.

Ein angesägtes Geländer lässt die Madame mit dem Kronleuchter in die tödliche Tiefe stürzen, derweil er an vergifteten Keksen stirbt. Sie treffen sich im Himmel, der Streit geht sofort weiter. Gottes Angebot: Zurück auf die Erde und vertragen? Oder getrennt in die Hölle? Die prompte Stereo-Antwort errieten alle richtig.


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