Liebesschlösser : Wenn eiserne Liebesschwüre rosten

Seit mindestens 2012 werden Liebesschlösser als Symbol für ewige Treue am Geländer der Holzbrücke befestigt – die Schlüssel landen zumeist im Hafenbecken.  Fotos: Kühl
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Seit mindestens 2012 werden Liebesschlösser als Symbol für ewige Treue am Geländer der Holzbrücke befestigt – die Schlüssel landen zumeist im Hafenbecken. Fotos: Kühl

Zu viele und zu rostig: Die Stadt rückt den Liebesschlössern am Holzbrückengeländer zu Leibe und entfernt sie vierteljährlich.

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02. Februar 2018, 05:53 Uhr

Eckernförde | Die „Liebesschloss-Industrie“ bekommt zunehmend Probleme, weil immer mehr Kommunen dazu übergehen, die bis zu 20 Euro teuren Vorhängeschlösser mit zumeist herzförmiger Gravur und den Namen der Verliebten von öffentlichen Brückengeländern oder Gittern zu entfernen: Grund: Korrosion und im Extremfall auch statische Überlastung.

In Eckernförde haben sich die Verliebten die Holzbrücke als Ort ihres öffentlichen Treueschwurs ausgeguckt. Kein Wunder, denn die Holzbrücke ist ein Wahrzeichen der Stadt und verbindet Borby mit Eckernförde – ein schönes Symbol auch für die eingegangenen Partnerschaften. Zudem werden die kleinen Liebesschlösser mit Vorliebe dort angebracht, wo viele Menschen sie sehen können, auch das ist bei der Holzbrücke gegeben. Und so verwundert es nicht, dass im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr der eisernen Liebessymbole am Brückengeländer befestigt worden sind – dicht an dicht, teilweise in dichten Trauben, hängen sie am Geländer.

Die Stadt sieht sich jetzt zum Handeln gezwungen. Viele der mehreren hundert Schlösser, die dort seit mindestens 2012 befestigt worden sind, sind bereits stark verrostet oder zeigen erste Ansätze von Korrosion. Der Rost der Metallbügel greift zunehmend das verzinkte Stahlgeländer der Holzbrücke an. Grund genug für das Bauamt, aktiv zu werden. Vor wenigen Tagen haben Mitarbeiter des städtischen Bauhofs mit der Demontage zahlreicher Liebesschlösser begonnen. Zunächst nur auf der östlichen, der Stadt zugewandten Brückenseite, in den nächsten Tagen sollen auch die anderen Bereiche weitgehend „liebesschlösserfrei“ werden, kündigte Axel Sperber, Leiter der Abteilung Tiefbau, an. Künftig soll der Bauhof vierteljährlich die rostigsten Schlösser entfernen und entsorgen, um so den Rostbefall des Brückengeländers zu minimieren. „Wir wollen damit verhindern, dass das Geländer beschädigt wird“, begründet Sperber das Einschreiten der Stadt. Zudem sei das Geländer Stadteigentum, und dies gelte es zu schützen, auch vor den galvanischen Strömen, die durch den Kontakt verschiedenartiger Metalle entstünden. Bereits zuvor habe der Bauhof dort einmal im Jahr Schlösser entfernt, dieser Rhythmus werde jetzt erhöht.

Die Stadt Heiligenhafen beispielsweise hat aus der Not eine Tugend gemacht und extra Gitter an der Seebrücke für die Liebesschlösser installiert. Und die werden sogar auf den einschlägigen Reisebewertungsportalen touristisch vermarktet – Liebesschlösser als Hingucker und touristische Attraktion.

Es muss ja nicht immer so dramatisch zugehen wie in Paris, wo ein Seitenteil der berühmten Brücke Pont des Arts zwischen Louvre und Quartier Latin unter dem Gewicht unzähliger Liebesschlösser von 14 Tonnen in die Seine stürzte. Mit Glasscheiben und Sperrholzplatten soll das Aufhängen künftig verhindert werden – das mag wirkungsvoll sein, ist aber nicht schön und zur Nachahmung nicht zu empfehlen.

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