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Blindgänger : Wenn die Kieler Straße zur Rollator-Rennstrecke wird

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kleines Jubiläum: Die Kabarettgruppe „Blindgänger“ feiert ihren 35. Geburtstag mit neuem Stück „Scheißegal“

Eckernförde | Frech, fröhlich mit allerlei Spitzen und brandaktuell, die „Blindgänger“ starteten erneut einen Angriff auf die Lachmuskeln der Zuhörerschaft, die Wortspiele und Doppeldeutigkeiten mit Beifall dankten.

„Scheißegal“ heißt das Programm, das die siebenköpfige Truppe, bestehend aus Roland Geruschkat, Tochter Freya, Conny und Marcus Noll, Gerd Rasch, Per-Ove Thießen und Silke Jürgensen, in der Aula der Pestalozzischule vor voll besetzten Reihen zum Besten gaben. Thematisiert wurden Schlankheitskuren, deren Ergebnis die Menschen benachteiligt, wenn gletscherschmelzebedingtes Hochwasser Ertrinkungsgefahr signalisiert „Raten Sie mal, was bei Hochwasser oben schwimmt?“ Wie aus der einfachen Frage nach der Postleitzahl an der Supermarktkasse eine heiße Beziehung zwischen Kunde und Kassiererin entsteht, die Kieler Straße barrierefrei zur Rollator-Rennstrecke werden könnte oder Inklusion dann stattfindet, wenn Gehörlose in Abhörabteilungen arbeiten oder Altersdemente in der Kindergartengruppe mitmachen dürfen – das alles erfuhren die Zuschauer in dem selbstgeschriebenen Programm.

Natürlich fehlte auch die aktuelle Stadtpolitik nicht: „Ich glaube an die Nooröffnung“, bekannten Per-Ove Thießen und Roland Geruschkat als Mönche verkleidet. Mit der daraus resultierenden Verkehrsberuhigung der Reeperbahn zeigten sich die beiden Damen „Schantalle“ (Freya Gersuchkat) und „Schackeline“ (Silke Jürgensen) aus dem Eckernförder Rotlichtmilieu nicht zufrieden. Warum nicht als Andenken aus dem Griechenlandurlaub einen Flüchtling mitbringen, um die Lager zu entlasten?

Gekonnt schafften die Akteure es, aktuelles Zeitgeschehen in den Abend mit einzubeziehen, mit überspitzten, manchmal nicht jugendfreien Texten das Aha-Erlebnis bei den Zuschauern auszulösen. Erlebt man die heutige Handy-Generation, war Thießens erotische Beziehung zu seinem Smartphone Susi („Berühre mich, streichele mich…“) nicht weit hergeholt.

Seit 35 Jahren gibt es die „Blindgänger“, und so war der Abend in der Aula auch zugleich ein kleines Jubiläum, das mit perfekten Texten, Gestik und Mimik die Zuhörer nicht enttäuschte. Musikalisch wurden die Akteure von Rüdiger Bergheim, Jochen Papke, Caje Petersen und Jürgen Sachau begleitet. Der Reinerlös aus der Veranstaltung geht an die Lebenshilfe, Ortsverein Eckernförde.


>Eine weitere Aufführung von „Scheißegal“ gibt es heute um 20 Uhr in der Aula der Pestalozzi-Schule.



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