zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

17. August 2017 | 08:24 Uhr

Wenn die innere Uhr tickt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Kampf mit der Zeit: Wenn die Zeitumstellung naht, springt nicht überall die Automatik an

Ist das nicht schön? Im Weltall gibt es keine Sommerzeit, keine Winterzeit, dort gilt die Weltzeit.
Und nur mal so am Rande, denn wer weiß das inzwischen noch so genau: unsere Winterzeit heißt umgangssprachlich „Normalzeit“, die MEZ, weil sie einmal die Ausgangszeit war.

Ich wünsche mir seit vielen Jahren, eigentlich seit 1977, seit der Einführung der Sommerzeit bei uns, unsere Normalzeit ganzjährig zurück. Eigentlich weiß jeder, dass die angebliche Energieersparnis, die uns als Grund vorgegaukelt wurde, eine Milchmädchen-Rechnung war und ist. Kaum jemand hat Vorteile, dafür wird der Biorhythmus aller Kreaturen kräftig durcheinander geschüttelt, und das gleich zweimal im Jahr. Falls ich den Aufstand proben wollte, wüsste ich mindestens schon einen Journalisten auf meiner Seite…

Wenn also dieser Umstellungstag naht, stelle ich mich, widerwillig, darauf ein, indem ich im Laufe des Abends alle meine Uhren umstelle, um ein Gefühl für´ s Zubettgehen zu bekommen. Alle Uhren? Nein, ich habe ja auch Uhren, die sich per Funk selbst umstellen, in der Nacht, wenn ich schlafe.

Morgens, wenn ich dann gespannt auf die Uhr über mir an der Zimmerdecke schaue, weiß ich ziemlich sicher, dass sie sich nicht umgestellt hat. Sie beliebt sich erst im Laufe des nächsten Tages umzustellen, seit Jahren schon. Aber weiß ich es genau? Könnten ihre feinen Funkantennen mir nicht auch einmal einen Streich spielen? Eins aber weiß ich genau: dass der gelbe Funkwecker in der Küche sich nachts heimlich umstellt – ich habe vor Jahren einen anderen Wecker gestellt, um das Schauspiel des rasenden Zeigers von 2.00 auf 3.00 Uhr mitzuerleben. Diesen Wecker stelle ich nun an mein Bett, zur Kontrolle, und traue morgens meinen Augen nicht – er zeigt weder die eine noch die andere Zeit an - er spinnt. Irgendwann im Laufe des Vormittags, er wird anscheinend immer müder, wechsle ich dann die Batterie. Gegen Abend hat er die gleiche Zeit erreicht wie mein am Tag vorher eingestelltes Telefon und mein Handy, das zu den heimlich nachts umgestellten gehört.

Wenn wir wie früher die Normalzeit hätten, müsste niemand überlegen, ob er nun seine Uhr vor- oder zurückstellt. Unsere Kirchturmuhr, die mir während des Frühstücks und auch sonst sagt, wie früh oder spät es ist, würde mich und andere nicht tagelang irritieren, bis sie die uns aufs Auge gedrückte Zeit anzeigt. Bauern müssten nicht ihre Kühe zu früh oder zu spät melken. Der Hahn allerdings lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und auch die Morgengesänge der Vögel ertönen zur gleichen Zeit, nur wer hört sie schon.

Ich weiß genau, wie´s geht: einen Schritt „vor“, einen „zurück“, in der Reihenfolge stelle ich die Uhr zweimal im Jahr um. Und dann sollte ich vor ein paar Jahren genau am Morgen der Umstellung auf Sommerzeit verreisen. Dazu muss ich sagen, wenn ich zum Aufstehen einen Wecker brauche, habe ich schon verloren. Dann schlafe ich schlecht bis gar nicht. Also vorm Zubettgehen „same procedure as every year“, alle „Nicht-Funk-Uhren“ umgestellt, Wecker gestellt und - natürlich schlecht geschlafen. Früh morgens lag ich wach, starrte auf die nicht umgestellte Uhr an der Decke, starrte auf den Wecker – und begriff. Statt des Weckalarms schrillten nun alle meine inneren Alarmglocken. Plötzlich wusste ich, dass ich alle Uhren nicht vor-, sondern zurückgestellt hatte. Vor meinem inneren Auge fuhr der Bus schon ohne mich ab. So schnell war ich noch nie aus dem Bett, aus dem Bad, die Treppe runter, hier stand schon der Koffer, aus dem Haus und die Straße entlang zum ZOB gehastet. Ich hatte die Zeit mit Hängen und Würgen eingeholt. Schlecht schlafen ist nicht immer das Schlechteste.



zur Startseite

von
erstellt am 11.Nov.2014 | 06:56 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen