Lärmaktionsplanung : Wenn der Lkw nachts durchs Bett fährt

Experten und betroffene Bürger versammeln sich vor der Stellwand, die eine Karte der betroffenen Straßen zeigt (v. l.): Frank Puhnke, Dipl.-Met. Sönke Gimmerthal des Ingenieurbüros Lairm Consult GmbH aus Bargteheide, Björn Heichen (geschäftsführender Gesellschafter von Lairm Consult GmbH), Kathrin Puhnke und Uschi Peters.
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Experten und betroffene Bürger versammeln sich vor der Stellwand, die eine Karte der betroffenen Straßen zeigt (v. l.): Frank Puhnke, Dipl.-Met. Sönke Gimmerthal des Ingenieurbüros Lairm Consult GmbH aus Bargteheide, Björn Heichen (geschäftsführender Gesellschafter von Lairm Consult GmbH), Kathrin Puhnke und Uschi Peters.

Die Verwaltung veranstaltete am Mittwoch einen Workshop für Bürger zum Thema Lärmminderung. Die Eingaben der Einwohner fließen in die Beratung des Vorentwurfes für den Umweltausschuss ein.

shz.de von
06. Juli 2018, 06:20 Uhr

Eckernförde | „Wir sind dankbar für jede Maßnahme, bei der man nicht mehr das Gefühl hat, dass Lkw durch das Bett fahren.“ Kathrin und Frank Puhnke wohnen im Wulfsteert/Rendsburger Straße, ein Hauptverkehrsknotenpunkt im Ostseebad. Sie gehören zu den 1026 ermittelten Menschen in Eckernförde, deren Leben durch Straßenverkehrslärm belastet ist. Wie das Ehepaar Puhnke haben am späten Mittwochnachmittag knapp 30 Einwohner am Workshop „Lärmaktionsplanung der Stadt Eckernförde“ im Ratssaal teilgenommen.

Seit 2008 widmet sich die Stadt der stufenweisen Umsetzung der EU–Umgebungslärmrichtlinie, die dem Paragrafen 47 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes entspricht. Alle fünf Jahre hat eine Fortschreibung zu erfolgen. Experten des Ingenieurbüros für Akustik, Luftreinhaltung und Immissionsschutz Lairm Consult GmbH aus Bargteheide, Björn Heichen (geschäftsführender Gesellschafter) und Dipl.-Met. Sönke Gimmerthal stellten in ihrem Impulsvortrag Zahlen und Ziele der dritten Stufe vor. Für die Verwaltung nahmen der Leiter des Bauamtes, Timm Orth, und Axel Sperber, Sachgebietsleiter Tiefbau, teil. Laut gesetzlicher Vorgabe müssten Straßen zwei Kriterien erfüllen, erklärte Sperber, um überhaupt in den Fokus für eine Lärmaktionsplanung zu geraten. Es müsse sich um Hauptverkehrsstraßen handeln, und es müssten mindestens 8200 Fahrzeuge am Tag diese Straße benutzen – in Eckernförde sind davon die B 76 (Berliner Straße und Flensburger Straße) und die B 203 (Rendsburger Straße und Schwansenstraße) betroffen. In diesen Straßenzügen seien die Menschen teilweise mit 60/70 dB(A) hochbelastet, erklärte Experte Heichen. Das betreffe die Abschnitte Rendsburger Straße/Wulfsteert/Domstag sowie Sandkrug und Grasholz. Man unterscheide zwei Werte bei der Messung, den L-Den-Wert, der 24 Stunden umfasst, und den L-Night-Wert, der den Zeitraum von 22 bis 8 Uhr beschreibt. Spitzenpegelwerte würden nicht berücksichtigt. „Die eine Harley, die Sie nachts stört, fließt nicht in die Messung ein“, so Heichen. „Das ist genau das, was uns bewegt“, so ein Anlieger der Rendsburger Straße, „denn der Schlaf ist dann vorbei.“ Die Lärmbelastung sei sehr hoch, so eine Anwohnerin aus der Berliner Straße, „es ist der blanke Horror.“ Das Tempo 30-Schild bewirke nur eine Lärmminderung, wenn auch tatsächlich in der Nacht kontrolliert werde – was bis jetzt nicht der Fall sei. Verschiedene Vorschläge zur Lärmminderung wurden diskutiert und für die Verwaltung aufgenommen: Bau einer Umgehungsstraße, Einführung von Tempo 30 auf den gesamten betroffenen Strecken, Nachtfahrverbot für Schwerlastverkehr, Unterbindung von Autorennen in der Rendsburger Straße, Einführung eines Shuttle-Services bei Großveranstaltungen und für Berufstätige, die im Ostseebad arbeiten, Optimierung des ÖPNV. „Wir haben die dringende Bitte, Neuland zu betreten“, so eine Betroffene, „die Stadt muss im Sinne der belasteten Bürger mehr versuchen.“

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