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Klassentreffen in Kochendorf : Wenn der Lehrer auch der Vater ist

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Klassentreffen der ehemaligen Volksschüler der Kochendorfer Schule.

Sie alle sind in der Volksschule Kochendorf zur Schule gegangen. Am Wochenende trafen sich einige der Schüler von damals wieder. Seit 1986 findet in regelmäßigen Abständen ein Treffen der Schüler der Kochendorfer Schule statt. Das erste Treffen war Fritz Palenczat gewidmet – von 1949 bis 1968 war er der Schulleiter. „Weil es sonst zu viele geworden wären, haben wir erst nur alle die eingeladen, die von ihm eingeschult und entlassen wurden“, berichtete Christa Basener, die zusammen mit Klaus Palenczat und Christian Koberg das Treffen im Schinkenkrog organisiert hatte.

173 Teilnehmer waren beim ersten Schultreffen vor 28 Jahren dabei. In diesem Jahr kamen 44. Mittlerweile werden alle ehemaligen Schüler der Volksschule Kochendorf eingeladen. Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken, einer Rundfahrt durch Eckernförde, Friedland und Kochendorf sowie einem Bufett am Abend konnten sich die Schüler von damals wiedersehen, in Erinnerungen schwelgen und Neuigkeiten austauschen. Wer wollte, konnte am nächsten Tag auch noch an einem Frühschoppen auf dem Aschberg teilnehmen.

Christa Basener wurde 1943 in Kochendorf eingeschult. Als jedoch Flüchtlinge und Gefangene in dem Schulgebäude einquartiert wurden, fand etwa ein Jahr lang kein Schulunterricht statt. Stattdessen holten sich die Schüler Aufgaben von einem Lehrer ab, der in einem Raum der Schule saß. Am nächsten Tag wurden die Aufgaben ihm vorgezeigt. „Ein verlorenes Jahr“, meint Christa Basener rückblickend. „Aber so war man ein bisschen in der Übung.“

Später besuchten auch die Flüchtlingskinder den Unterricht. Die Schülerzahl stieg auf 97. Da alle neun Klassenstufen in einem Raum unterrichtet wurden, wurden die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe wurde vormittags unterrichtet, die andere nachmittags. Erst als in Friedland eine Barackenschule eingerichtet wurde und etwas später die Flüchtlingskinder von Gut Möhlhorst nach Fleckeby zur Schule gingen, sank die Schülerzahl in Kochendorf auf 60.

Vorübergehend wurde die Schule zweiklassig, Anfang der 1950er-Jahre dann wieder einklassig. „Teilweise mussten die älteren Schüler die jüngeren beaufsichtigen“, sagte Christa Basener, die nur ein Jahr bei Lehrer Palenczat zur Schule ging.

Ein besonderes Verhältnis hatte Klaus Palenczat zu seinem Lehrer: Der Mann, der ihn unterrichtete, war sein Vater. Auch sein Bruder Martin ging beim Vater zur Schule. „Wenn etwas ausgefressen wurde, waren es immer wir“, erinnerte sich Klaus Palenczat. Ansonsten habe er aber gute Erinnerungen an seine Schulzeit: Sie seien oft in die Natur gegangen, hätten Pilze gesammelt. „Mein Vater hat uns viel beigebracht, auch aus der Natur“, sagte er. Und wie spricht man seinen Vater an, wenn der auch sein Lehrer ist? „Man sagt ‚Papa’.“

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