Ärger bei Taxi-Fahrten : Wenn der Gurt zum Problem wird

Sven Teichelmann ist einer der Fahrer, der regelmäßig mit dem Behindertentaxi Fahräste fährt.
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Sven Teichelmann ist einer der Fahrer, der regelmäßig mit dem Behindertentaxi Fahräste fährt.

Menschen mit körperlichen Problemen können eine Anschnallbefreiung beantragen. Eckernförderin beklagt Probleme bei Taxi-Fahrten

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05. Mai 2018, 06:43 Uhr

Eckernförde | Jeder, der mit einem Taxi unterwegs ist, vertraut auf die Fahrkünste des Fahrers. Das Gefühl der Sicherheit steht an oberster Stelle – das gilt für alle Menschen und ganz besonders für diejenigen, die ein Handicap haben und auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Aber was passiert, wenn der Rollstuhlfahrer aus körperlichen Gründen auf alle Sicherungsgurte im Taxi unbedingt verzichten muss?

Mit 13 Jahren hatte Tanja Graefe einen Unfall, seitdem ist die Eckernförderin querschnittsgelähmt. Trotz ihrer Behinderung meistert die 46-Jährige ihren Alltag, hat eine Ausbildung zur Zahntechnikerin und zur Sozialversicherungsfachangestellten absolviert und in diesen Berufen gearbeitet. Unterstützt wird sie im Alltag von Ehemann Robby Graefe (48). Zur Lebensqualität gehört für Tanja Graefe selbstverständlich Mobilität. Damit meint sie nicht nur Fahrten nach Rendsburg oder Kiel zur Untersuchung, sondern auch in die Stadt zum Einkaufen oder um Freunde zu besuchen. Diese Fahrten unternimmt die 47-Jährige mit einem sogenannten Rollstuhltaxi.

Tanja Graefe ist Stammkundin beim Taxiunternehmen Ottenberg, das insgesamt fünf behindertengerechte Wagen vorhält. Rampen erleichtern das Einschieben des Rollstuhls, spezielle Gurte sichern den Rollstuhl, ein Personengurt ist für den Fahrgast vorgesehen. „Außer den Gurten haben die drei VW Caddys eine weitere Vorrichtung namens Future Safe, die Nacken und Rücken des Fahrgastes schützen“, erklärt Firmenchef Wolfgang Ottenberg, „die Sicherheit des Fahrgastes hat absolute Priorität.“

Seit einigen Jahren verzichtet Tanja Graefe darauf, im Taxi angeschnallt zu werden. Ein Urostoma (künstlicher Blasenausgang) lässt keinen Beckengurt mehr zu. Aufgrund traumatischer Erlebnisse während einer Taxifahrt, die Graefe noch heute als „Horrorfahrt“ bezeichnet, soll auch ihr Rollstuhl im Taxi nicht mehr angeschnallt werden. „Ich habe Panikattacken, sobald ich in ein Taxi geschoben werde“, bekennt sie. Im August 2014 hat sie sich deshalb vom Ordnungsamt der Stadtverwaltung eine Anschnallbefreiung ausstellen lassen, die sie auch auf ihren Rollstuhl bezieht.

Für „ihren“ Fahrer Sven Teichelmann ist das kein Problem. Der 54-Jährige ist seit 28 Jahren im Geschäft und fährt eines der Rollstuhltaxis. Wohl aber für seinen Kollegen, der ihn an seinem freien Tag vertrat. Dieser weigerte sich, auf das Anschnallen des Rollstuhls zu verzichten. Die Auseinandersetzung zwischen Tanja Graefe und dem Fahrer ging so weit, dass sie auf die Fahrt verzichtete. „Ich hatte das Gefühl, dass er mich überhaupt nicht wahrgenommen hat, das habe ich so noch nie erlebt“, sagt die Eckernförderin. Sie wies auf ihre Anschnallbefreiung hin, doch auch das habe die Meinung des Taxifahrers nicht ändern können. „Vertrauen und Sicherheit spielen für mich beim Taxifahren eine große Rolle, und das war in dieser Situation nicht gegeben.“

„Es liegt im Ermessen des Fahrers“, erklärt Ottenberg, „ich kann ihm nicht die Entscheidung abnehmen, denn der Fahrer ist vor Ort und nicht ich.“ Denn was würde passieren, wenn der Fahrer einmal scharf bremsen müsse und weder Tanja Graefe noch ihr Rollstuhl angeschnallt seien?

Im 21. Jahr betreibt der 53-Jährige das Taxiunternehmen in Eckernförde. Sein Leitbild: „Die Sicherheit sowohl des Fahrgastes als auch des Fahrers haben absolute Priorität.“ Rund 12 000 Euro kostet ihn die rollstuhlgerechte Umrüstung eines Caddys, der aufgrund der Kilometerleistung vier Jahre seine Dienste tut und dann durch einen Neuwagen ersetzt wird.

Geht es um Fahrten in ihren Garten in die Kleingartenkolonie oder in die Stadt zum Einkaufen, will Tanja Graefe in Zukunft auf das Taxi verzichten. Die Krankenkasse hat ihr die Anschaffung einer elektrischen Rollstuhlzugmaschine gewährt.

Nach Auskunft des Ordnungsamtes der Stadtverwaltung gilt eine Anschnallbefreiung für die Person, die diese beantragt. „Es sind die Menschen, die eine Anschnallbefreiung beantragen“, erklärt Stefan Nimmrich vom Ordnungsamt.

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