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Junges Plattdeutsch : Wenn der Engel plötzlich ein Mensch sein will

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das „Plattdeutsche Projekt für Jugendliche“ hat in einer erfolgreichen Theateraufführung seinen Abschluss gefunden.

Eckernförde | Jung, spritzig, hintergründig – plattdeutsches Theater ist nicht nur etwas für Erwachsene. Spätestens seit der Premiere des Theaterstücks „Engel, Engel“ von Stephan Greve ist das eine unbestrittene Tatsache. Unter seiner Regie präsentierten am Wochenende vier junge Laienschauspieler – Jasmin Dechow (19), Jan-Ole Hoffmann (19), Christoph Schnack (22) und Nina Sophie Willmann (20) – die hintergründige Komödie „Engel, Engel“ – und das mit Erfolg.

„Ich bin sehr aufgeregt, obwohl ich weiß, was meine jungen Schauspieler können“, bekannte Greve, der als Projektleiter und Stückeschreiber für das „Plattdüütsch Theoterprojekt för junge Lüüd in Eckernför“ die Premiere in der Aula der Pestalozzischule inszenierte. Der Workshop war der erste, der sich ausschließlich an Jugendliche richtete und von der Plattdüütsch Theatergrupp Eckernför finanziert wurde. Seit September probten die vier jungen Laienschauspieler, von denen keiner von Haus aus die plattdeutsche Sprache spricht, unter der Leitung von Greve.

Die Bühne ist rundherum weiß und spartanisch eingerichtet: Ein Paravan, es gibt keine Tür, nur mit Vorhängen verdeckte Zugänge, drei Sitzwürfel, diffuses Licht. Manager Theo (Jan-Ole Hoffmann) wird im Rahmen einer kleinen Bootsfahrt von seiner Chefin Marion (Nina Sophie Willmann), die gleichzeitig seine Geliebte ist, nach einem Streit unsanft mit dem Ruder über Bord befördert und stirbt. Als er aufwacht, kommt ihm nicht nur der Ort rätselhaft vor, sondern auch die Tatsache, dass er nass ist. Und als Engel (Jasmin Dechow) erscheint und behauptet, er sei im Himmel, glaubt er noch an einen Scherz. Doch erkennt er bald die Ernsthaftigkeit seiner Lage, denn er muss sich einer Prüfung unterziehen, ob ein Verbleiben in seinem irdischen Leben noch sinnvoll ist.

Der Engel-Polizist (Christoph Schnack) unterstützt Engel dabei. Theo werden Momente seines irdischen Lebens vor Augen gehalten und es zeigt sich, dass er ein rücksichtsloser Egoist war. Er vernachlässigte seine Mutter (Nina Sophie), stieß seine Verlobte Sabine (Nina Sophie) vor den Kopf und eckte immer wieder mit dem Verehrer seiner Mutter, dem Kellner des Tanzcafés, sowie mit dem Kollegen Brammer (alles Christoph Schnack) an.

Da tritt eine Veränderung in Engels Verhalten ein. All diese Verfehlungen verteidigt Engel plötzlich, der mit zunehmender Bewunderung für Theos Leben immer mehr wissen will. Engel erinnert sich an sein eigenes Leben, das im Jahr 1888 in London unvollendet blieb. Am Ende sind die Rollen vertauscht: Theo ist Engel und Engel nimmt Theos Rolle ein.

Mit Spannung verfolgten die die Zuschauer die zahlreichen Verwicklungen, hervorragend dargestellt von den jungen Schauspielern, die vor einem Jahr noch kein Wort Plattdeutsch sprechen konnten. Allen voran der Gymnasiast Jan-Ole Hoffmann (Theo), der mit seinem großen, schauspielerischen Potenzial das Publikum ebenso in Begeisterung versetzte, wie Jasmin Dechow (Engel), die als einzige über ein wenig Theatererfahrung verfügte.

Bravourös auch die Vielfach-Rollen, die von Christoph Schnack (Engelpolizist, irdischer Verehrer von Theos Mutter, Kellner und Kollege Brammer) und von Nina Sophie Willmann (Theos Chefin und Geliebte, Theos Mutter und Verlobte Sabine) großartig verkörpert wurden.










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