Wenn der Bülker Leuchtturm erklingt

Bringen die Gäste zum Singen: Petra Amelow und Klaus Michelsen.
Bringen die Gäste zum Singen: Petra Amelow und Klaus Michelsen.

Petra Amelow und Klaus Michelsen laden zu einem Abend mit Musik und Geschichten auf die Bülker Huk ein

shz.de von
29. Juli 2013, 03:59 Uhr

Strande | Um 19 Uhr ist für gewöhnlich Schluss - dann fällt die schwere Tür ins Schloss, und bis zum nächsten Morgen herrscht Ruhe im Leuchtturm Bülk. An manchen Tagen aber, geht es zum eigentlichen Feierabend erst richtig los. Wenn Petra Amelow und Klaus Michelsen zum "fidelen Leuchtturm" einladen, entdeckt mancher nicht nur die atemberaubende Aussicht in 25 Metern Höhe, sondern auch die Freude am Singen.

Maritime Klänge dringen schon von weitem an das Ohr der Gäste. Klaus Michelsen hat sich sein weißes Mantovanelli Akkordeon vor das Fischerhemd geschnallt und lässt die Finger über die Tasten gleiten. Gut eingestimmt folgt ein kleiner Rückblick in die Geschichte: 1807 errichten die Dänen auf der Bülker Huk ein Lotsen- und Leuchthaus. 55 Jahre später wurde unter dänischer Verwaltung mit dem Bau des Turms begonnen, der erst nach dem deutsch-dänischen Krieg 1865 fertig gestellt wurde. "Der untere Teil besteht also schon 150 Jahre", macht Michelsen deutlich. Zur Melodie von "Heut geht es an Bord" sind die Gäste sodann eingeladen, die 97 Stufen, die auf die Plattform führen, zu erklimmen. Aber nicht einfach so - singend, versteht sich. Und damit sich niemand drückt, gibt es vorweg ein Gesangsheft - und einen Genever.

Als wäre die sportliche Ertüchtigung nicht schon genug, ringt das Singen einem noch mehr Luft ab, und so wird oben angekommen erst einmal die Aussicht genossen. Während die einen darüber staunen, wie weit an dem Abend zu sehen ist - die Kulisse von Damp ist deutlich zu erkennen, fachsimpeln andere darüber, wann der Kieler Leuchtturm querab das Feuerschiff ablöste. "Falls der mal wegkommt, werden die Platten hier abgenommen", sagt Michelsen und klopft hinter sich an die Verkleidung, "und der Bülker Leuchtturm wäre rot-weiß und wieder Leitfeuer." Doch das werde nicht passieren, ist ein Paar überzeugt. "Wo sollen sonst zur Kieler Woche die Schiffe wenden?", scherzen die beiden und haben die Lacher auf ihrer Seite.

Genug verschnauft. "Seite 4", gibt Michelsen vor und lässt die ersten Töne von "Seemann, deine Heimat ist das Meer" erklingen. Munter fällt die Gruppe mit ein und lässt den Blick über die Förde schweifen, während es heißt "Deine Liebe ist dein Schiff, deine Sehnsucht ist die Ferne. Und nur ihnen bist Du treu - ein Leben lang". Es folgen die "Capri Fischer", und unter der Zeile "Wenn bei Strande die rote Sonne im Meer versinkt" geht es auf den Rückweg nach unten. Auf der Hälfte verharrt Michelsen - noch ein Lied. Dabei ist der Vertikalchor, wie er seine Gäste nennt, umgeben vom Hall der eigenen Stimmen. Ein besonderes Erlebnis.

Wieder unten angekommen geht es in den Pavillon, wo Eigentümerin Petra Amelow die Gäste bereits erwartet. Während sie es sich mit Blick auf die aufgebaute Leinwand gemütlich machen, kündigt Michelsen Geschichten aus eigener Feder an. "Nennen sie es Literatur, nennen sie es Seemannsgarn - egal, Hauptsache, sie haben ihren Spaß", sagt der Altenholzer. Und so hört die Gesellschaft das Abenteuer der beiden Schnecken Erwin und Elvira, die mit List und Tücke dem gierigen Schlund von Ente Hedwig entkommen, von Waldemar, dem einzigen Bewohner der Insel Oland, dem der Maulwurf Mullewarf das Leben rettet, und von einer dicken Freundschaft zwischen einem ungleichen Paar - der Gans Berta und dem Fuchs Fiete. Der Projektchor zaubert dazu passende Aquarelle von Dorit Seiffert auf die Wand. Zwischendurch wird immer wieder ein Lied angestimmt, und taucht das Wort Leuchtturm auf, sind die Gäste aufgefordert, aufzustehen. "Das ist eine Mitmach-Veranstaltung, hat Ihnen das keiner gesagt?!", fragt der Mann am Akkordeon mit einem Augenzwinkern.

Während sich die Gäste einen von Petra Amelow zubereiteten Fischteller schmecken lassen, verrät der Autor und Rezitator, Märchenerzähler und Musiker, der von Beruf Informatiker war, dass ihm die Idee für den fidelen Leuchtturm bei seinem 60. Geburtstag kam. "Es war mein Traum, oben auf dem Leuchtturm zu singen. Und das hab ich dann mit meinen Gästen gemacht", sagt Michelsen. "La Paloma" war es damals. "Seitdem bin ich süchtig", fügt er hinzu und lacht. Dabei geht es ihm nicht darum, auf der Plattform zu stehen und Musik zu machen. "Andere Leute zum Singen zu bringen und zu sehen, wie es Freude auslöst, das finde ich toll. Das ist einfach schön", meint der 66-Jährige. So ist es nicht verwunderlich, dass der "fidele Leuchtturm" Gäste nicht nur einmal begeistert. "Es gibt viele Wiederholungstäter", hat Petra Amelow festgestellt. Ihr selbst macht es "wahnsinnigen Spaß", singt sie doch selbst sehr gern.

Mit einem Lächeln auf den Lippen und Seemannsliedern im Ohr verlassen die Gäste beschwingt den Pavillon, als die weiße Leuchtturmspitze langsam von der Dämmerung umgeben wird. "Vielen Dank. Es war ein wunderschöner, liebevoller Abend", rufen sie den Organisatoren zu.

Nähere Infos zum Angebot unter www.leuchtturm-pavillon.de sowie www.wolkenschwan.de.

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