Seenotretter : Wenn das Meer zur Gefahr wird

Eine Klappe an der Seite des Seenotrettungsbootes ermöglicht der Besatzung die einfache Bergung eines im Wasser treibenden Menschen.
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Eine Klappe an der Seite des Seenotrettungsbootes ermöglicht der Besatzung die einfache Bergung eines im Wasser treibenden Menschen.

Die Eckernförder Seenotretter haben der Öffentlichkeit am Dienstag gezeigt, wofür es sie gibt – bei Open Ship und Seenotrettungsübung.

shz.de von
15. August 2018, 06:28 Uhr

Eckernförde | Ihr Wahlspruch lautet: „Wir fahren raus, wenn andere reinkommen.“ Die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) retten Menschen nicht nur bei Schiffbruch, sondern helfen auch bei Unfällen auf See und leisten technische Unterstützung. Auch in Eckernförde gibt es eine DGzRS-Station. Gestern haben die Mitglieder der Öffentlichkeit gezeigt, wofür sie da sind.

Die Seenotretter sind ähnlich organisiert, wie eine Freiwillige Feuerwehr: Es gibt zwar eine Station an der Holzbrücke, aber keinen festen Dienst. „Wir werden bei einem Notfall übers Handy alarmiert“, erklärt Bootsführer Wolfgang Apitz. Dann geht es so schnell wie möglich zum Seenotrettungsboot an der Holzbrücke und ab zum Einsatz. 23 rein ehrenamtlich Aktive zwischen 13 und 70 Jahren zählt die Eckernförder Station. Zwischen 30 und 40 Prozent davon sind Marineangehörige.

Ein ausgebildeter Seemann zu sein, ist natürlich nicht von Nachteil für die ehrenamtliche Arbeit bei der DGzRS, aber keine Voraussetzung. Noch nicht einmal schwimmen muss man können. „Grundsätzlich muss man gar keine Voraussetzungen mitbringen. Alles, was man können muss, lernt man bei der Ausbildung in unserer Schule in Neustadt.“ Dazu gehört ein Sportbootführerschein, Sprechfunkzeugnis und Erste Hilfe. Apitz: „Unser Seenotrettungsboot ist fast so ausgestattet wie ein Rettungswagen.“

Der klassische Notfall mit einem kenternden Schiff bei rauer See kommt an der gesamten deutschen Ostseeküste sieben- bis zehnmal pro Jahr vor. „Auch die Ostsee ist kein Ententeich“, sagt Holger Zick vom DGzRS-Infozentrum Kiel. Die dramatischen Notfälle sind aber die Ausnahme. „Im Sommer besteht jeder zweite Einsatz aus einer technischen Hilfeleistung im Wassersportbereich.“ Sprich: Surfer retten, die aus dem untrainierten Zustand heraus im Frühjahr die eigene Kraft und die Kälte des Wassers unterschätzen oder verirrten Kite-Segeln nachspüren. „Es kann ja sein, dass der Surfer dazu noch irgendwo im Wasser treibt.“ Meistens jedoch hat dieser sich schon an Land gerettet und trinkt einen Kaffee, währen die Seenotretter nach ihm suchen. Dafür gibt es eine Lösung, die beiden Seiten hilft: Ein wetterfester Aufkleber auf dem Segel mit Namen und Telefonnummer des Eigentümers. Zudem gibt es eine App fürs Handy, die besonders für Segler geeignet ist: Sie zeichnet die Position des Wassersportlers auf und gibt diese automatisch an die Seenotrettungszentrale in Bremen weiter, wenn der Benutzer nicht automatisch bei seinem zuvor angegebenen Rückkehrzeitpunkt diese Funktion mit einem Tastendruck deaktiviert.

Auch sind die Retter unterwegs, sich Verletzungen an Bord eines Schiffes geschehen, sich jemand beispielsweise ein Bein bricht oder einen Herzinfarkt hat.

Gestern präsentierten die Seenotretter den vielen Interessierten ihr Schiff, das Seenotrettungsboot „Eckernförde“ mit 320 PS. Wer wollte, konnte an Bord gehen. Bei Vorführungen von Rettungsübungen im Hafen wurde gezeigt, wie ein im Wasser treibender Mensch durch eine Seitenklappe an Bord gezogen werden kann. Und wer sich dazu entschied, ein dauerhafter Förderer der DGzRS zu werden, wurde sogar auf einen Kurztörn auf die Bucht mitgenommen.

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