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Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2017 | 18:54 Uhr

Fällarbeiten : Wenn Bäume morsch werden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gründe für Baumfällungen sind vielfältig: Krankheiten, Verlust der Standfestigkeit und Eingriffe in den Verkehrsraum sind die wichtigsten. Die Stadtgärtnerei ist noch bis zum 14. März unterwegs.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 06:41 Uhr

Eckernförde | Die Eckernförder sind sensibel, was ihre Bäume angeht. Manche sprechen von „Kahlschlag“, auch wenn nur Totholz aus den Baumkronen geschnitten wird. Andere beklagen das Fällen von stattlichen Bäumen ohne zu wissen, dass eine Krankheit ihre Standfestigkeit gefährdet.

Dabei besteht für die Stadtgärtnerei keinerlei Anlass, aus Fahrlässigkeit große Bäume zu fällen. So mussten zum Beispiel auf dem Soldatenfriedhof am Meerwasserwellenbad zwei Kastanien dran glauben, die ein Opfer von „Pseudomonas syringae“ geworden sind. Das Bakterium befällt seit 2006 die Rosskastanien in Deutschland: Erst beginnen sie zu bluten, dann werden die Wunden in der Rinde von Pilzen befallen, bevor die Bäume verfaulen und gefällt werden müssen, damit ihr morsches Geäst keine Menschen erschlägt. Wie genau sich das Bakterium ausbreitet, etwa durch Insekten oder Vögel, ist noch unklar.

„Noch im vergangenen Frühjahr haben die beiden Kastanien kleine Blattaustriebe gebildet“, sagt die Leiterin der Stadtgärtnerei, Sylvia Bent. „Im Juni dann waren sie kahl, was nicht so aufgefallen ist, weil die Bäume rundherum noch grün waren.“ Es muss damit gerechnet werden, dass ein großer Teil aller Kastanien in den kommenden Jahren abstirbt – ähnlich wie bei den Ulmen vor 25 Jahren. Und auch die Eschen sind in Gefahr: Der Eschenschlauchpilz ist auf dem Vormarsch. „Die Bäume verlieren an Vitalität, die Triebe sterben ab, der Baum degeneriert“, beschreibt Sylvia Bent den Krankheitsverlauf. Ein Exodus kündige sich jedoch nicht an.

Ein weiterer großer Baum musste am Fußweg Grüner Weg gefällt werden: Die Pappel sah zwar gesund aus, nur ein kleines Loch im Stamm war zu sehen. „Aber von innen war sie komplett ausgehöhlt und somit nicht mehr standsicher.“

Und da kommt die Verwaltung ins Spiel: „Die Stadt ist verkehrssicherungspflichtig“, bestätigt Bauamtsmitarbeiter Uwe Winkelmann. „Sie ist verantwortlich dafür, dass niemand durch die Bäume gefährdet wird.“ Heißt: Sobald die Gefahr besteht, dass Äste abbrechen oder ein Baum sogar umzukippen droht, muss gehandelt werden – auch wenn er gerade einen Sturm überstanden hat. „Den nächsten übersteht er vielleicht nicht mehr“, so Sylvia Bent.

Deshalb musste gestern auch eine Kastanie im Borbyer Pastorenweg gefällt werden. Auch hier ergab eine Untersuchung, dass ihre Standfestigkeit durch Aushöhlungen gefährdet ist. Bent: „Der Stamm hörte sich an wie eine Trommel.“ Zur Sicherheit wurde zusätzlich ein Gutachter beauftragt, der zum selben Ergebnis kam.

Bis zum 14. März müssen alle Fällarbeiten abgeschlossen sein, um nicht die anschließende Vogelbrut zu gefährden. Pflegemaßnahmen dürfen auch später noch erfolgen, doch hat die Stadtgärtnerei dann genug mit ihrer Dauerpflege zu tun. Deshalb werden schon jetzt auch die Wander- und Verbindungswege für Fußgänger freigeschnitten. An anderen Stellen werden kleinere Bäume und Sträucher abgesägt, um Solitärbäume zu erhalten und ihr Wachstum zu begünstigen. In einigen Fällen werden Kronen zurückgeschnitten, weil sie zu sehr in den Verkehrsraum ragen und schon an den Dächern von Lastwagen kratzen – wie vier Hainbuchen in der Gaehtjestraße. Und im Jungfernstieg werden die Linden alle sieben Jahre wieder geköpft, damit ihre Triebe nicht ausbrechen. Sylvia Bent: „Sind Linden erst einmal zu Kopflinden gesägt worden, muss man dabei bleiben.“

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