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Eckernförder Zeitung

19. September 2017 | 22:50 Uhr

Kreisjägerschaft : Weniger Zeit für die Jagd

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Kreisjägerschaft kritisiert die neue Jagd- und Schonzeitenverordnung, die die Jagdzeit einkürzt. Dabei werden von den Jägern höhere Abschusszahlen gefordert. Der Einsatz von Reflektoren an Landstraßen hat nur teilweise Erfolge erzielt.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2014 | 06:31 Uhr

Insgesamt 4000 blaue Reflektoren haben die Jäger im Kreisgebiet vor einem Jahr an den Rändern der Landstraßen aufgehängt. Sie sollten die Tiere davon abhalten, auf die Fahrbahn zu laufen. „Von der Wirksamkeit sind wir aber noch nicht überzeugt“, sagte gestern im Vorfeld der Jahreshauptversammlung der Kreisjägerschaft deren Vorsitzender Otto Gravert. Die Wildunfälle seien nicht wie erhofft zurückgegangen. Die Ausnahme: Dort, wo die Reflektoren auf eine freie Fläche leuchten können – wie zwischen Osdorf und Noer – hat es keine Wildunfälle gegeben. Dort aber, wo Knicks und Büsche die Reflexionen abfangen, erzielt die Maßnahme keine Wirkung.

Bei der Wildbestands-Entwicklung sprach Gravert das Niederwild an: Der Bestand an Kaninchen befinde sich wegen der Chinaseuche fast auf Null, und auch die Hasen haben wegen des langen Winters im vergangenen Jahr viel Nachwuchs eingebüßt. Und auch das Schwarzwild (Wildschweine) hat unter dem Winter gelitten, weshalb die Abschusszahlen nicht erhöht wurden.

Sorgen bereitet den Landwirten, besonders an der Westküste, die starke Zunahme an Gänsen. Nonnen-, Grau- und Kanadagänse fressen sich auf den Flächen satt und verkoten diese komplett. „Mit der Jagd allein werden wir das Problem nicht lösen können“, sagt Otto Gravert. Deshalb wird überlegt, ob in den Gebieten, in denen die Gänse vornehmlich brüten – also in Rendsburg-Eckernförde – eine Entwicklungskontrolle durch das teilweise Absammeln der Eier geschehen kann.

Nicht einverstanden sind die Jäger mit der neuen Jagd- und Schonzeitenverordnung, nach der im Juli und August kein Damwild mehr geschossen werden darf und die Jagd auf Ende Januar statt wie bisher auf Ende Februar begrenzt wird. „Wir sollen mehr schießen, weil die Bestände wachsen, bekommen aber weniger Jagdzeiten zugestanden“, klagt Otto Gravert. Und auch Hans-Jürgen Langbehn vom Landesjagdverband und der Damwild-Hegegemeinschaft übt Kritik: „Auf der einen Seite werden die Jagdzeiten verkürzt, damit der Wildnachwuchs mehr Ruhe hat, auf der anderen Seite ist es im Gespräch, das freie Betreten von Wald und Flur wieder zu erlauben. Pro Jahr laufen zusätzlich rund 25 000 Geocacher zwischen 20 und 23 Uhr durch den Wald. Sie stören eklatanter als die Jagd.“ Und auch die Diskussion um bleifreie Munition, die zwar kein Schwermetall im Tier und auf dem Waldboden hinterlässt, jedoch das Tier nach Aussage der Jäger länger leiden lässt, ist noch nicht ausgestanden.

In einem Punkt ist sich Langbehn sicher: „Wir müssen das Image der Jäger verbessern.“ Das Problem dabei: Die Gesellschaft hat ein „Bambi-Syndrom“ entwickelt. Das Töten wird ausgeblendet, Fleisch jedoch gern gegessen. „Wir tun nichts Böses“, so Langbehn. Und: „Wir haben einen gesetzlichen Auftrag.“

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