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Eckernförder Zeitung

19. November 2017 | 18:55 Uhr

Tierwohl : Weniger Stress – mehr Qualität

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kundschaft der Biofleischerei Hüttener Berge wächst langsam, aber stetig / Mittlerweile zwei Öffnungstage in Ascheffel

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 06:59 Uhr

Ascheffel | Obwohl bei der Biofleischerei Hüttener Berge im Förstereiweg gerade ein Rind für die Schlachtung angeliefert wird, geht es ruhig zu. Bio-Landwirt Jürgen Mahrt-Thomsen (Damendorf) übergibt den knapp zwei Jahre alten Angus-Bullen an Schlachter Michael Rosenträger. Der 46-Jährige und sein Kollege Liridon Ademi nehmen das Tier geduldig entgegen und setzen es nicht unter Druck. Ohne Wartezeit kommt der Bulle in den Schlachtraum, wo er kurz darauf mit einem Bolzenschussgerät betäubt wird. „Die Vorteile für das Tier liegen auf der Hand: Es hat keinen langen Transport hinter sich und muss auch hier nicht lange warten“, meint Mahrt-Thomsen.

Kurze Transportwege, wenig Wartezeit und kein Stress für das Tier – wesentliche Elemente des Konzepts der Biofleischerei. „Das wirkt sich positiv auf die Qualität des Fleisches aus“, betont Johannes Richert vom Hof Saelde, ebenfalls einer der regionalen Zulieferer der Fleischerei. Deren geschäftsführender Gesellschafter Jakob Gosch hat seit der Eröffnung im Februar viel zu tun. „Es macht unser Projekt aus, dass wir sehr viel selbst machen“, sagt der 32-jährige Landwirt aus Holzbunge. Er hatte sich mit acht weiteren Gesellschaftern – vier Landwirten und vier Privatleuten – zu einer Biofleisch-Erzeugergemeinschaft zusammengetan, um in der Region nach der Schließung des Betriebs von Dethard Staar wieder eine hofnahe Schlachterei anzubieten. Und diese macht sich allmählich. „Es ist gut angelaufen und geht voran“, so Gosch.

Die Fleischerei hat seit kurzem zusätzlich zu Freitag (14-18 Uhr) auch sonnabends (9-13 Uhr) geöffnet. „Das war der Wunsch der Kunden“, erklärt der Geschäftsführer. Zudem gebe es mittlerweile eine Stammkundschaft, dennoch sei der Ladenverkauf eine Herausforderung. „Nur für Fleisch nach Ascheffel fahren, das müssen die Menschen schon wollen. Wir müssen mit regionalen und saisonalen Spezialitäten für Aufmerksamkeit sorgen“, meint Jakob Gosch.

Hier kommt Fleischermeister Michael Rosenträger mit seiner Erfahrung und seinen Ideen ins Spiel. „Ich habe die Freiheit, auch mal zu experimentieren“, sagt der Schlachter. Besonders interessant ist für ihn, wie die Leute auf seine Kreationen – zuletzt gab es beispielsweise einen Studentenbeißer, gespickt mit Rosinen und Nüssen – reagieren. Demnächst möchte er „Pfälzer Saumagen“ anbieten. Dazu sind Fleischprodukte mit „weihnachtlichen Geschmäckern“, wie Gosch es nennt, in der Planung.

Seit Monatsbeginn hat Michael Rosenträger Verstärkung bekommen: Geselle Liridon Ademi unterstützt ihn 30 Stunden pro Woche, um den Anforderungen gerecht zu werden. Denn das Geschäft wächst – langsam, aber stetig. In der Zwischenzeit wurde ein Lieferfahrzeug angeschafft, in Kiel werden zwei Kantinen, in Eckernförde ein Catering-Service und der Biomarkt beliefert. Zudem bestehen mehrere Partnerschaften mit Restaurants in der Umgebung, als nächstes kommt der Haby-Krog dazu. Verhandlungen mit diversen Einzelhändlern stehen unmittelbar bevor. Mit einem Internet-Vertrieb wollen Gosch und die anderen Gesellschafter sich aber erst im kommenden Jahr beschäftigen.

Der Holzbunger weiß: „Die Verbraucher sind sehr anspruchsvoll, wir müssen ihr Vertrauen gewinnen.“ Er sieht die Biofleisch-Erzeugergemeinschaft Hüttener Berge auf einem guten Weg. „Wir glauben an unser Konzept“, so Gosch.

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