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Kinobetreiber Ralf Thomsen : Weniger Kosten, geringes Risiko

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Kinobetreiber wehrt sich gegen schlechte Beurteilung in Standortanalyse.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 05:43 Uhr

Eckernförde | Die Stadtverwaltung hat den Kino-Standort Willers-Jessen-Schule als "prinzipiell ungeeignet" eingestuft (siehe auch EZ v. 7. Mai: "Kino-Projekt Willers-Jessen- Schule droht zu kippen"). Die zur Beurteilung herangezogenen Aussagen und Argumente haben den Heider Kinobetreiber Ralf Thomsen, der aus dem im Sommer freiwerdenden Schulgebäude ein Kino mit sechs Sälen machen möchte, verärgert und zugesetzt. Viele der in der Standortanalyse aufgeführten Punkte seien nämlich längst überholt und entsprächen nicht mehr den Tatsachen, sagte Thomsen gegenüber unserer Zeitung. In der Analyse sei zum Beispiel von einer völligen Entkernung des Gebäudes, von Umbaukosten bis zu fünf Millionen Euro, Zweifeln an einer Eignung als Premierenkino oder vergaberechtlichen Problemen die Rede - Behauptungen, die nicht (mehr) zuträfen, so Thomsen.

Die auf falschen Annahmen basierende schlechte Beurteilung sei "sehr schade", sagt der 53-Jährige, der seit 1985 im Kinogewerbe tätig ist, die Häuser in Heide und auf Amrum betreibt und sein Know-how, seine Ideen und sein "Herzblut", wie er sagt, jetzt auch in Eckernförde einbringen möchte. Das alte Schulgebäude biete optimale Möglichkeiten, ein Kino zu bauen, das hinsichtlich der Lage, Größe und Ausstattung zu einem Anziehungspunkt für die Region werden könnte. Eckernförde ohne Kino sei nicht vorstellbar, das wirtschaftliche Risiko eines gut geführten Hauses tendiere zudem gegen Null. 120 000 Besucher pro Jahr wie in Heide seien für ihn problemlos bei sechs Kinosälen plus Turnhalle möglich - der frühere Eckernförder Kinobetreiber sei mit nur drei Sälen auf 75 000 Besucher gekommen. Reizvoll wäre ferner eine engere Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino im "Haus".

Die in der Standortanalyse ins Feld geführten Umbaukosten zwischen 2,5 und 4,7 Millionen Euro basierten auf der Annahme, das Gebäude vollständig zu entkernen. "Das ist überhaupt nicht notwendig", hält Thomsen dem entgegen. Im Erdgeschoss würde sich der Umbau auf das Entfernen einige Wände beschränken, im ersten Obergeschoss wären hingegen für den Einbau der beiden großen Säle (180 Plätze) die Decken aufzunehmen. Im Falle einer für ihn wenig wahrscheinlichen Kino-Pleite alles mit relativ überschaubaren Mitteln wieder rückbaubar. Thomsen geht von Umbaukosten möglicherweise von unter zwei Millionen Euro aus. Diese lägen zwar immer noch höher, als die prognostizierten rund 1,2 Millionen Euro für die ohnehin fällige Innensanierung des Objekts, würden sich aber für die Stadt durch die eingehenden Pachtzahlungen und eine Umsatzbeteiligung von einem Euro pro Besucher ab 120 000 Gästen pro Jahr in absehbarer Zeit rentieren.

"Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass man dieses einzigartige Projekt jetzt nicht voreilig kippt, sondern zunächst die erwarteten Baukosten berechnet und dann erst entscheidet", sagt der nach wie vor sehr interessierte Kinobetreiber, der sich in der Kino-Konkurrenz als "Fachhändler unter Filialisten" sieht. Sein finanzieller Vorschlag einschließlich der Pacht läge der Stadt vor, die laufenden Kosten seien nach seinen Berechnungen im Falle einer Kinonutzung mit rund 100 000 Euro zudem deutlich geringer als bei einem Kulturhaus. Die Investitionen, die er in Technik, Einrichtung und Ausstattung leisten würde, beziffert er mit 1,2 Millionen Euro.

Der Kinounternehmer geht dabei auch ganz offen mit seiner vor zwei Jahren beendeten Privatinsolvenz um, in die er als Käufer und Betreiber des Heider Stadttheaters geraten war. "Das hat nicht funktioniert", sagt Thomsen, der aber seine Lehren daraus gezogen und seine Schuld beglichen habe. Seine Kinos in Heide und in Norddorf auf Amrum liefen, er habe das nötige Know-how, wisse einen solventen Investorenkreis hinter sich und sei von einem Kino-Erfolg in Eckernförde überzeugt.

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