zur Navigation springen

Seenotretter : Weniger Führerscheine – mehr DGzRS-Einsätze

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die freiwilligen Seenotretter der DGzRS-Station Damp legten in 2013 zu 31 Einsätzen ab. Zusätzlich gab es 40 Kontrollfahrten. Sie gehen davon aus, dass mehr unerfahrene Wassersportler ohne Führerschein auf der Ostsee unterwegs sind. Die Planungen für die 100-Jahr-Feier im Jahr 2016 laufen an.

Mehr unerfahrene Skipper als in den Vorjahren haben die ehrenamtlichen Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Jahr 2013 aus gefährlichen und lebensbedrohenden Situation gerettet. Zu 31 Einsätzen lief das Rettungsboot Karl van Well mit einer Crew unter Leitung von Vormann Thomas Schulze vom Damper Hafen aus. 2010 hatte man noch zwölf Einsätze gezählt, bei denen 24 Personen geholfen wurde. In 2013 waren es rund 70 Menschen.

Nicht alltäglich und extrem umfangreich war eine Rettungsaktion im Frühherbst fünf Seemeilen vor Schleimünde. Dort war bei stark böigem Wind ein Groß-Katamaran mit zwölf Meter langen Rümpfen gekentert, so Schulze. An Bord waren vier Segler, einer ein erfahrener Skipper. Die Helfer konnten sie unterkühlt aber sonst gesund aus der schon kalten Ostsee rettten. Ihre kompletten Sachen gingen bei dem Kentervorgang verloren. Einen Tag lang wurde die Crew in der neuen DGzRS-Wache versorgt. Nach heißen Getränken und heißer Dusche bekamen sie alle trockene Ersatzkleidung der Station. Und auch Zigaretten bekamen sie von den ehrenamtlichen Seenotrettern gestellt. Geld, Ausweise und Mobiltelefon waren verloren gegangen. Angehörige aus ganz Schleswig-Holstein holten die Geretteten überglücklich ab. Noch heute steht Schulze mit ihnen in Kontakt und wartet auf die Rücksendung der Ersatzkleidung. „Das passt irgendwie nicht zusammen. Nach der Rettung waren sie überglücklich, und jetzt müssen wir auf unsere Sachen warten“, sagte der Vormann enttäuscht. Die nächsten Geretteten müssten sie mit ihren Privatsachen versorgen.

Schwere Unfälle gab es nicht auf See, zu stabil war die Wetterlage. Die sonst oft gefährlichen Ostwindlagen gab es kaum. Dass es dennoch zu so vielen Einsätzen kam, erklärte sich Schulze aus der Tatsache, dass verstärkt seeunerfahrene Skipper mit großen Segelyachten oder Motorbooten unterwegs seien. Seit gut einem Jahr sind Motoren bis 15 PS ohne Führerschein zu fahren, bis dato waren es nur 5 PS. „Viele Bootsbesitzer kennen heute weder die Vorfahrtsregeln noch Sperrbereiche“, sagte Schulze. Das wäre so, als wenn Pkw-Fahrer bis 50 PS keinen Führerschein bräuchten, das ginge einfach nicht. Er appellierte an alle Wassersportler, wenigstens die Vorfahrtsregeln zu beachten, um Unfälle zu vermeiden.

Wenig zu tun hatten sie im Vorjahr mit Surfern und Kite-Surfern, deren Boards antrieben. Das lag sicher an der geringen Ostwindlage, aber auch daran, dass Aufklärungsbemühungen Früchte trugen. So würden diese Wassersportler nun verstärkt Namen, Adressen und Telefonnummern auf ihren Boards vermerken, um beim Fund schnell den Verbleib der Person klären zu können.

Zuverlässig konnten sich die zwölf Aktiven Seenotretter im Vorjahr auf ihr 22 Jahre altes Rettungsboot Karl van Well verlassen. Aber das Boot komme jetzt in ein Alter, in dem vor allem der Alurumpf empfindlicher werde, so der Vormann. Nachdem im Winter 2012/13 zwei vergleichbar alte Boote der DGzRS durch Eisdruck Leck schlugen, wollen die Damper ihr Boot mit Beginn der Eisbildung im Hafen erstmals über Winter auf einem Trailer lagern. Zugleich werde die Farbe am Unterwasserschiff erneuert. Die Chancen für ein neues Boot, man müsse wohl mit Kosten von rund 1 Million Euro rechnen, seien nicht so groß. Wenn man das Boot so noch etwas länger erhalten könne, sei das für den Standort sehr gut. Bereits jetzt gehöre es mit zu den ältesten Booten der Gesellschaft.

Die Mitgliedergewinnung falle sehr schwer, so Schulze. Jugendliche Nachwuchsretter hätten sie gar nicht. Immer weniger Menschen hätten Erfahrung auf dem Wasser, dafür sei Damp auch zu klein. Zugleich sei das Interesse fürs Ehrenamt gering, neue Medien und andere Freizeitangebote kosteten viel Zeit. Dennoch, Unterstützung braucht die DGzRS, weiterhin. Finanziert wird sie ausschließlich aus Spenden. Auf diese Weise bekam die Station einen mobilen, sich selbst erklärenden Defibrillator, der auch auf See eingesetzt werden kann. Benötigt wurde er bisher nicht, aber er könne jederzeit Leben retten.

2016 wird die DGzRS-Station Damp 100 Jahre alt. Aus dem Anlass wollen Schulze und seine zwölf Aktiven etwas vorbereiten. Dafür benötigen sie alte Fotos oder Berichte, die an die ersten Jahrzehnte der Seenotrettung an der Schwansener Küste erinnern. Infos dazu und zu Möglichkeiten der Unterstützung, aktiv oder passiv, bei Schulze unter Tel. 0172/16 60 573.

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 08.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen