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Segelsport : Weltumsegler geht in Stubbe vor Anker

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wilfried Erdmann hat schon alle Weltmeere besegelt. Im Café Obsthof Stubbe stellt der mehrfache Weltumsegler seine Biografie „Ich greife in den Wind“ vor. Atemberaubende Fotos begleiten seine Präsentation.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Rieseby | „Das Meer ist die einzige Gegend, wo ich mich nicht als Fremder fühle – es nimmt alle Sinne in Anspruch.“ Das schreibt ein Mann auf seiner Homepage, der die Welt als erster Deutscher segelnd umrundet hat und das gleich zweimal, ebenfalls ganz allein, als Nonstop-Turn wiederholte. Dass die Elemente Wasser und Luft diese Sinne nicht nur in Anspruch nehmen, sondern dass das Meer mit seinen Stürmen sie und das Schicksal geradezu herausfordert, das hat Wilfried Erdmann offensichtlich geliebt und gebraucht.

Wie viele Meilen muss der Mann mit dem inzwischen weißen Haar auf dem Wasser verbracht haben. Schon auf der erstgenannten Tour legte er 30 223 Seemeilen zurück. Vor einem vollen Saal im Café des Obsthofes Stubbe kontrolliert ein ruhig und bescheiden wirkender Wilfried Erdmann gemeinsam mit seiner Frau Astrid noch eben die Dias, bevor er den rund 50 Gästen Einblicke in sein spannendes Leben gewährt.

Grund für diesen gut besuchten Vortragsabend ist die gerade erschienene Biografie „Ich greife den Wind“, die Erdmann zusammen mit Buchhändler Wolfgang Schröder aus Schleswig präsentiert. Man lernt: Bevor sich der Weltumsegler für Boote interessiert, radelt er los – nicht nach Dänemark, nicht nach Schweden. Der gerade 18-Jährige zischte mal eben ab nach Tunis, Tripolis, Kairo, Beirut, Bagdad, bereiste den Irak und Indien, tauschte Radreste gegen Rucksack und wurde in einem Fischerboot in eine Lagune mitgenommen. Vielleicht läge hier der Keim für die spätere Segelleidenschaft, überlegt Erdmann.

Sechs Jahre später materialisierte sich der Gedanke „Warum nicht mal mit einem Boot...“ im Erwerb seines ersten Wasserfahrzeuges, der „Kathena“. Ohne jegliche Vorerfahrung und ohne die in Deutschland nötigen Segelscheine lichtet er Anker. Erst geht es in die falsche Richtung, dann segelt er auf der Stelle, schließlich schrammt er um Haaresbreite an Unterwasserfelsen vorbei. Anfängerfehler bügelt er schnell aus – das ist hinreichend belegt. 1966 macht er Nägel mit Köpfen. Der Kurs: Karibik, Panama, Tahiti, Kap der Guten Hoffnung. Als er am 7. Mai 1968 in Helgoland festmacht, hat er seine erste Weltumrundung hinter sich, lernt dann seine zukünftigen Frau Astrid kennen und holt sich damit fehlendes Know-how an Bord. „Sie hatte einen Segelschein und kannte auch die speziellen Ausdrücke.“ 1969 segeln sie gemeinsam um die Welt, sind drei Jahre unterwegs.

Die vielen Dias zeigen die Schönheit der bereisten Meere, Begegnungen mit Menschen aus aller Welt und lassen auch die Macht der Natur und die Frage nach der Belastbarkeit der Psyche nicht ganz beiseite. Die beiden sind „plötzlich mit Kind“ auf dem Weg in die Karibik, kaufen ein Haus in Goltoft, segeln in allen erdenklichen Revieren.

Als Erdmann zum Schluss diverse Exemplare seiner 600 Seite starken Biografie zu signieren hat, macht ihm ein Käufer ein Kompliment: „Man kann auch über Abenteuer nur lesen, da hat man auch etwas davon...“ Antwort Erdmann nach ein paar Sekunden: „Das ist mir leider nicht gelungen. Ich hab ja auch Bücher gelesen.“


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