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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 00:04 Uhr

Milchmarkt : Weltmarkt drückt den Milchpreis

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Winterversammlung und Infoabend des Kreisbauernverbands zur Perspektive des Milchmarktes und Bedeutung des Weltmarktes für den Milchpreis

von
erstellt am 17.Feb.2016 | 06:21 Uhr

Gammelby | Die Milchpreise rauschen in den Keller. Nach dem Preishöhepunkt Anfang 2014, wo Landwirte je Liter rund 42 Cent von den Meiereien erhielten, liegt der Preis je Liter inzwischen bei rund 26 bis 27 Cent. „Die Lage ist be....“, stellte Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rendsburg-Eckernförde und Vizepräsident des Landesbauernverbands unumwunden fest. Rund 70 Besucher waren Montagabend zu einer Informationsveranstaltung des Kreisbauernverbands nach Gammelby gekommen. Sie erhofften sich im Vortrag von Prof. Dr. agr. Martin Braatz gute Nachrichten oder wenigsten eine Perspektive für den Milchmarkt.

Doch Braatz, Professor an der FH Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft in Osterrönfeld, musste Lucht zustimmen. „Die Lage ist bitter ernst“, und es seien keine hausgemachten Fehler, die die Landwirte in Not brächten, sondern eine Weltwirtschaftskrise, so Braatz. Die derzeitige Krise habe verschiedene Gründe. Nicht dazu zählte er den Wegfall der Milchquote Mitte 2015. Braatz: „Der Weltmarkt ist gesättigt.“ Nachdem in 2013 und 2014 die Nachfrage nach Milch extrem hochschoss, und damit auch die Preise, wurde die Produktionsmenge ausgeweitet. Als dann aber durch Sonderfaktoren, wie der konjunkturelle Einbruch in China, die Nachfrage massiv drosselte und zusätzlich durch eine geopolitische Entscheidung (Lieferembargo), der Markt in Russland wegfiel, brach der Preis ein, sagte Braatz. Zudem litten viele bisherige Abnehmerländer unter dem Einbruch ihrer Deviseneinkünfte, durch den Preisverfall bei Erdöl und Erdgas, mit der Folge geringerer Milcheinkäufe. Der Abbau der Überkapazitäten zur Stärkung des Preises, dauere aber immer sehr viel länger als die Ausweitung der Produktion. Gegenüber den anderen großen Weltmarktanbietern für Milch, die USA, Australien und Ozeanien, habe Europa noch einen Vorteil durch die Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar. Infolge der Griechenlandkrise sei der europäische Preis infolge der Wechselkursvorteile noch wenige Cent höher als der Weltmarktpreis.

Ob und wann das Tal durchschritten ist, das konnte Braatz auch nicht sagen. Aber er machte Hoffnung, denn die Welternährungsorganisation (FAO) sieht vor allem in den Schwellenländern einen steigenden Pro-Kopf-Verbrauch an Milch von rund 1,4 bis 2 Prozent im Jahr. „In Europa ist der Markt satt“, so Braatz. Das Bevölkerungswachstum – und damit auch die Märkte der Zukunft – werden in Asien, Indien und Afrika liegen. Es wird mit 9,8 Milliarden Menschen in 2050 gegenüber 7,3 Milliarden in 2015 gerechnet. Beflügelt werde die dortige Nachfrage durch eine höhere Kaufkraft der Bevölkerung und der Wunsch nach westlichen Lebens- und Ernährungsformen, stellte Braatz fest.

Für die deutschen Milchbauern bedeutet dies, dass sie ihre Betriebe unbedingt wettbewerbsfähig halten und ihre Produktionsabläufe optimieren müssen. „Das Geld wird nicht im Stall, sondern beim Hofmanagement am Schreibtisch verdient“, so der Referent. Motivierende Mitarbeiterführung, Stärkung der regionalen Angebote, hohe Qualität sowie auch gegebenenfalls Kooperationen mit anderen Betrieben, könnten die Marktsituationen verbessern und die Produktionskosten senken.

Ungeachtet dieser Möglichkeiten rechnet der Bauernverband mit einer Fortdauer des Strukturwandels in der Landwirtschaft. „Wir rechnen mit rund drei Prozent der Höfe, die im Jahr aufgeben“, sagte Lucht. Auslöser seien aber nicht nur die niedrigen Milchpreise, sondern auch fehlende Hofnachfolger und keine Möglichkeiten zur Hoferweiterung aus verschiedenen Gründen. Hinzu komme, dass das Bild des Landwirts in der Gesellschaft nicht sehr gut sei und viele Kunden die Zusammenhänge der Produktion nicht kennen. Der Besuch von Schulklassen auf den Höfen könne da einiges bewirken, so Lucht.

Beratungen zu Betriebsoptimierung und vielen anderen Bereichen, bietet der Bauernverband seinen Mitgliedern an, berichtete Kreisgeschäftsführerin Rixa Kleinschmit. Sie appellierte an alle Betriebe, für eine positive Außenwirkung zu sorgen. Am 24. März bietet der Kreisbauernverband in der Eckernförder Stadthalle einen Infoabend zu Sammelanträgen an.

Infos: www.bauernverbandsh.de und in der Geschäftsstelle des Kreisverbands unter Tel. 0 43 31 / 12 77 - 34 und e-Mail kbv.rd-eck@bauernverbandsh.de.

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