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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 04:07 Uhr

Weltkrieg II-Veteran trifft Großer Kurfürst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Begegnung an der Borbyer Promenade: Wie der Große Kurfürst von Pillau nach Eckernförde kam und so manchen Spaziergänger überrascht

von
erstellt am 06.Jan.2016 | 00:32 Uhr

Eckernförder erinnern sich mit Sicherheit an zahlreiche Geschichten und öffentliche Veranstaltungen von und mit dem Begründer Preußens. Zur eigenen Absicherung der vielschichtigen historischen Hintergründe habe ich ein sehr lesenswertes Buch „durchgearbeitet“: Barbara Beuys, Der Große Kurfürst, dtv Biographie.

Sebastian Haffner stimme ich gerne zu, wenn er sagt, dass sich der Leser bei der Lektüre dieses Buch so fühle, als sei er dabei gewesen. Gemeint sind insbesondere die ausführlich beschriebenen Geschehnisse während des Dreißigjährigen Krieges mit seinen menschlichen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen; dieses in großer Fülle – der Dreißigjährige Krieg hat ja schließlich auch 30 Jahre gedauert.

Nun begleiten Sie bitte einen Spaziergang auf der Borbyer Seite des Seehafens Eckernförde. An meiner Seite: Mein damals 75-jähriger Vater, der plötzlich starren Blickes anhielt und meine fragenden Augen mithilfe seines unmissverständlich deutenden Zeigerfingers auf das Denkmal Großer Kurfürst lenkte. Vaters Augen bekamen ungewohnten Glanz, und ich konnte ihm auf die mit belegter Stimme geflüsterte Frage: „Wie kommt denn der hierher, der stand doch in Pillau?“ damals keine Antwort geben.

Inzwischen habe ich mit Gabriele Schildknecht, Vorstand Heimatgemeinschaft Seestadt Pillau, telefoniert und bin nunmehr im Besitz einiger Fotos und neben informativen Texten über den Heimatverein und den ursprünglichen Standort des Denkmals in Pillau auch im Besitz einer Kopie der Einladung aus 1955 (Patenschaftsübernahme durch die Stadt Eckernförde und Denkmalseinweihung).

Mein Vater hatte sich inzwischen gefangen und gestand ebenso wehmütig wie schuldbewusst und auch ein wenig vorwurfsvoll, dass er diesem Denkmal einen dreitägigen Arrest in Pillau 1938/39 zu verdanken hatte. Der angewinkelte rechte Arm dieser Respektsperson bildete (offensichtlich dazu eingeladen) genau die Öffnung, in die mein Vater dann das schnell organisierte Kommissbrot, natürlich unter anfeuernder Begleitung seitens seiner zwei Kameraden, platzierte.

Jedoch: Einem in der Nähe flanierenden Marineoffizier war das ungewöhnliche Manöver nicht entgangen. Anklage: Grober Unfug in Uniform! Ergebnis: Drei Tage Bau. Jahre später, also 1942/43, wäre daraus der Tatbestand Verschwendung von Nahrungsmitteln, beziehungsweise schlimmer noch, das Delikt der Wehrkraftzersetzung geworden.

Ob es mich heute gäbe, weiß ich nicht. So freue ich mich also auf das persönliche Kennenlernen der 1. Vorsitzenden der Heimatgemeinschaft Pillau anlässlich des nächsten Treffens, und ich werde mich für folgende aufmunternde Worte bedanken können: „Das – die Matrosen in Pillau – waren schon so richtige Lorbasse.“ Mein Vater benutzte diesen Begriff immer dann, wenn er mich schimpfen musste, aber sich ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

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