Windkraft : Weitere Windmühle für Loose

Blick über die L 26 Richtung Loose. Im Windpark Loose wurde eine weitere Windkraftanlage von der Staatskanzlei genehmigt.
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Blick über die L 26 Richtung Loose. Im Windpark Loose wurde eine weitere Windkraftanlage von der Staatskanzlei genehmigt.

Staatskanzlei hat Ausnahmegenehmigung für die sechste Windkraftanlage in Loose erteilt.

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23. März 2017, 06:37 Uhr

Loose | Der Windpark Loose wird erweitert. Für eine weitere, inzwischen sechste Windkraftanlage, erteilte die Staatskanzlei in Kiel nun eine Ausnahmegenehmigung. Diese hatte ein örtlicher Vorhabenträger bereits im Vorjahr beantragt, wie Norbert Jordan, Leiter der Abteilung Bauen in der Amtsverwaltung Schlei-Ostsee, bei der Einwohnerversammlung in Loose informierte.

Mit der Ausnahme beginnt in der Genehmigungsbehörde, dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), die Genehmigungsprüfung. Liegt diese vor, erläuterte Jordan den rund 75 Bürgern in der Sporthalle der BBS, dann müsse sich der Standortinhaber an einer Ausschreibung für einen Betreiber der Anlage beteiligen. Bekommt er ein Angebot, kann gebaut werden. „Ob und wann das passiert, das kann keiner sagen“, so Jordan.

Möglich wurde die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung durch die Einstellung der gemeindlichen Bauleitplanung für den Bereich des Windparks Loose. Im November hatten die Gemeindevertreter in Loose Aufstellungsbeschlüsse für eine F-Planänderung und einen B-Plan Nummer 4 „Bereich Windpark Loose“ beschlossen. Zugleich war eine Veränderungssperre für den Bereich erlassen worden (wir berichteten).

Dagegen war im Dezember vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig geklagt worden. Im Januar schließlich, so erläuterte Jordan Dienstagabend, kippte das Gericht die Bauleitplanung der Gemeinde. So hinterfragte das OVG, welche Feinjustierung die Gemeinde in einem bestehenden Windpark mit der Bauleitplanung noch vornehmen wolle? Es sei doch eher eine Verhinderungsplanung und damit ein Formfehler, hieß es.

Vertreter der Gemeinde prüften mit einem Rechtsbeistand die Lage. Dabei wogen sie das Haftungsrisiko und mögliche Schadenersatzforderungen gegenüber der Gemeinde ab, sollte an der Bauleitplanung festgehalten werden. Am Ende zog man die Konsequenz, wie Gemeindevertreter Hans Jürgen Mordhorst, feststellte. „Wir haben alles Mögliche versucht“, keiner wollte weitere Windkraftanlagen haben, versicherte Mordhorst den Bürgern.

Die Gemeinde hat inzwischen auch nicht mehr Möglichkeiten zur Einflussnahme als die Bürger. Das Beteiligungsrecht der Gemeindevertretungen war 2012 vom OVG gekippt worden. Mordhorst appellierte wie Bürgermeister Gerd Feige an die Bürger, selber Stellungnahmen abzugeben: „Nur wenn wir Fehler in den Plänen des Landes entdecken, haben wir eine Chance“.

Von etwas Hoffnung sprach Amtsdirektor Gunnar Bock. So könnte der Tourismus in dem Schwerpunktgebiet entlang der Ostseeküste Schwansens, von Brodersby bis einschließlich Eckernförde, belegt durch eine wissenschaftliche Studie, zur Berücksichtigung bei der Landesplanung führen. Während der Osterferien werden an verschiedenen Orten an der Küste 300 Urlauber über ihre Einstellung zur Windkraft im Urlaubsgebiet befragt. Dabei wird auch ein Foto mit und ohne Windkraftanlagen gezeigt. „Es muss eine ernsthafte Studie sein, damit sie eine Chance bei der Landesregierung hat“, sagte Bock. Sechs Gemeinden, die Ostseefjord Schlei GmbH und die Eckernförde Touristik und Marketing GmbH beteiligen sich an dem Gutachten. Es soll als mögliche Basis für eine Stellungnahme im Beteiligungsverfahren dienen.

Nach der Einwohnerversammlung zeigte Frank Dreves, Vorsitzender des Vereins Seeadlerschutz, Bilder der Entstehung der fünf vorhanden Windkraftanlagen in Loose. Dabei wies er auf Verstöße beim Bau der letzten vier Anlagen hin und sprach „von einem Bärendienst für die Erneuerbaren“.

Dr. Susanne Kirchhof, Vorsitzende des Vereins Gegenwind Schleswig-Holstein, sprach von ihren persönlichen einschneidenden Erfahrungen durch zehn Windkraftanlagen in ihrer direkten Nachbarschaft in Holtsee. Gegenwind sammelt in zwei Volksinitiativen Unterschriften für mehr Abstände und Selbstbestimmung der Gemeinden. 10  000 Unterschriften haben sie bereits je Initiative, 20  000 benötigen sie bis Dezember.

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