Weihnachtsritual zeitgleich in vielen Ländern : Weihnachtsfriede über der Ostsee

An dem Ritual am Kurstrand nahmen trotz schlechter Wetterverhältnisse über 50 Menschen teil.
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An dem Ritual am Kurstrand nahmen trotz schlechter Wetterverhältnisse über 50 Menschen teil.

Zum zehnten Mal hat Christiane Feuerstack das Ritual „Verkündigung des Weihnachtsfriedens“ an Heiligabend veranstaltet. Rund 50 Teilnehmer versammelten sich am Strand.

shz.de von
27. Dezember 2017, 06:01 Uhr

Eckernförde | Der Wind fegt über den Kurstrand, Sprühregen peitscht bei acht Grad Außentemperatur ins Gesicht – die widrigen Wetterbedingungen halten aber rund 50 Menschen am Vormitttag des 24. Dezembers nicht davon ab, an dem Weihnachtsritual „Verkündigung des Weihnachtsfriedens“ teilzunehmen. Organisatorin Christiane Feuerstack hatte zum zehnten Mal zu diesem Ritual eingeladen.

Punkt 11 Uhr sandte sie übers Wasser eine Gruß- und Lichterbotschaft an die Menschen in den Ostseeanrainerstaaten, nach Kopenhagen, Stockholm, Tallinn, Riga, Klaipeda, Kaliningrad, Danzig, Helsinki und Turku. In allen Städten wurde zur gleichen Zeit diese Gußbotschaft über die Ostsee gesandt. Erstmalig wurde die „Verkündigung des Weihnachtsfriedens“ im Jahre 1320 in der damaligen finnischen Hauptstadt Turku erwähnt. Auch heute noch wird diese mittelalterliche Grußbotschaft jährlich durch den Bürgermeister von Turku verlesen und im finnischen Fernsehen ausgestrahlt.

Es war reiner Zufall, dass Christiane Feuerstack von diesem Ritual erfahren hat. „In meinem Russischkurs habe ich von diesem Weihnachtsbrauch gehört“, erklärt die Organisatorin. Das war vor neun Jahren. Ihre Recherchen ergaben, dass die Verkündigung des Weihnachtsfriedens in Turku eine viel ältere Tradition hat. Auf der Suche nach einem Ritual abseits von Kommerz und Trubel hat Feuerstack zunächst im privaten Kreis dieses Friedens- und Lichterritual zelebriert, zu dem sie vor drei Jahren dann erstmals öffentlich einlud. Es sind Familien mit Kindern, Paare und auch einzelne Menschen, die an diesem ungemütlichen Heiligabend den Weg an den Strand gefunden haben. Viele sind seit den Anfängen dabei. So auch Kay-Michael Goertz aus Fleckeby mit seinen Töchtern Alissa (16), Julia (14) und Katharina (12), Ehefrau und Mutter Tatjana, die den Keis mitaufgebaut hat, kann krankheitsbedingt nicht teilnehmen. „Dieses Ritual an der Ostsee gehört für uns dazu. Erst dann beginnt für uns Weihnachten“, erklärt Goertz. Nach der Grußbotschaft an der Brücke ziehen die Teilnehmer angeführt von Fackelträgern singend „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ an den Strand, wo sie sich um einen aus Seegras gebildeten Kreis versammlen. Fackeln im Sand stehen für jeden genannten Ort, auch für Eckernförde. Angeleitet von Christiane Feuer-stack, Julia Jung und Olena Dabrowicz singen alle gemeinsam Weihnachtslieder, aus der Ukraine, Schweden und Polen. Ein friedliches Gemeinschaftsgefühl kommt auf – der Gesang des Kanons „Dona nobis pacem“ verstärkt diesen Moment. „Wir wünschen allen Menschen an der Ostsee friedliche Weihnachten“, so Feuerstack.

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