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Einmalig in Schleswig-Holstein : Weihnachtsbäume als Küstenschutz

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ausgediente Tannenbäume dienen als Füllmaterial für den Faschinenzaun an der Strandpromenade. Die Arbeiten haben gestern begonnen.

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2016 | 05:25 Uhr

Eckernförde | Wind und Wetter zerren an den Faschinen im Sandfangzaun an der Strandpromenade. Stets zu Beginn des Jahres bessern Mitarbeiter der Stadtgärtnerei den Faschinenzaun aus. Zu diesem Zeitpunkt steht Anja Schöning (33) jede Menge kostenloses Material zur Verfügung – alte ausgediente Weihnachtsbäume. Sie werden nicht einfach wie anderswo geschreddert oder verbrannt, sondern dienen als Füllmaterial. Gestern haben die Landschaftsgärtnerin und ihre vier Kollegen mit der Arbeit am Faschinenzaun begonnen.

Auf dem großen Parkplatz in der Preußerstraße lagern die ehemaligen Weihnachtsbäume. Die Tannenbäume dieser Fuhre stammen sämtlich aus der Kieler Straße und vom Weihnachtsmarkt. Da die meisten Bäume aufgrund ihrer Größe so nicht verwendbar sind, müssen die Zweige abgeschnitten werden. Dafür sind Stefan Scheffler (46) und Sandro Störmer (32) zuständig. Sie werden auch die große Tanne vom Rathausmarkt bearbeiten, die dann in zerkleinerter Form ihren endgültigen Platz im Faschinenzaun findet. Nur wirklich kleine Tannen können als Ganzes im Faschinenzaun verarbeitet werden. Teilweise finden sich noch rote Schleifen oder eine Weihnachtskugel an den Zweigen der Tannenbäume. Scheffler und Störmer nehmen diese ab, so dass nur das reine Naturmaterial als Füllmaterial dient.

Die Zweige stopfen die Gruppenleiterin Anja Schöning und ihre Kollegen Nina Dreeßen (33) und Rainer Mewes (52) in den Zaun. Mithilfe einer riesigen Nadel werden die Tannenzweige mit Rödeldraht festgezurrt. Bereits seit der Schneekatastrophe 1978/79 dienen ausgediente Weihnachtsbäume in Eckernförde als Ersatzmaterial für den Faschinenzaun, der die Strandpromenade vor Sand und Überspülung schützen soll. Was damals aus der Not heraus geboren wurde, hat sich bis heute bewährt und ist in der Form in Schleswig-Holstein einzigartig. Normalerweise bestehen die walzenförmigen Faschinen aus Reisig- beziehungsweise Rutenbündel.

„Das Material setzt oder verschiebt sich im Laufe der Zeit und ist teilweise vergammelt. Dann arbeiten wir eine neue Schicht ein“, beschreibt Kolonnenleiterin Schöning die Arbeit. Was gestern Morgen auf der Höhe des Hotels Seelust begonnen wurde, wird sich zwei Wochen lang fortsetzen. Rund 1800 Meter Faschinenzaun (bis zum griechischen Restaurant Kreta) müssen die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei kontrollieren und ausbessern. Die Dauer der Arbeit erklärt Schöning mit dem Umstand, dass währenddessen auch noch andere Arbeiten zu erledigen seien. Dazu gehöre auch der Winterdienst, für den Mitarbeiter der Stadtgärtnerei ebenfalls zuständig sein.

Im Vergleich zu vorhergehenden Jahren sei der Zustand der Faschinen gut, sagt Anja Schöning nach einer ersten Kontrolle. Habe man ansonsten 1500 alte Tannenbäume verarbeitet, benötige man in diesem Jahr weitaus weniger Material, da nicht so viel auszubessern sei. „Die Faschinen sind nicht sehr abgesackt, so müssen wir nur eine neue Schicht drauflegen“, sagt die Kolonnenleiterin. Gestern war Petrus dem Team wohl gesonnen. Es konnte bei trockenem, windstillen Wetter gearbeitet werden. Schöning hofft darauf auch in den nächsten Tagen, denn bei starkem Ostwind stelle die Arbeit schon eine Herausforderung dar.

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